Wieso kommt es aller eingesetzten Hochtechnologie zum Trotz immer noch zu Unfällen, insbesondere mit Flugzeugen? Das war die Ausgangsfrage für den Verkehrspiloten Jörg Höhnerbach für eine wissenschaftliche Untersuchung von Anspruch und Wirklichkeit bei der Sicherheitskultur einer Fluggesellschaft. Die Ergebnisse seiner Abschlussarbeit im weiterbildenden Master-Studiengang Arbeits- und Organisationspsychologie haben nicht nur seinen Professor Dr. Gerd Wiendieck beeindruckt, sondern auch seinen Arbeitgeber Hapagfly und mehrere andere Fluggesellschaften: In etwa einem Jahr soll Jörg Höhnerbach seine Untersuchung wiederholen – auch bei Wettbewerbern des eigenen Unternehmens.
Oft ist ein kleines menschliches Versehen Auslöser einer Katastrophe. Obwohl auch auf die Beachtung kleinster Unregelmäßigkeiten und Fehler größter Wert gelegt wird, meinen Mitglieder des fliegenden Personals gelegentlich, dass ihren Hinweisen nicht nachgegangen werde. Ein demotivierender Irrtum, der z. B. auf fehlenden Rückinformationen an sie bzgl. der Fehlerbeseitigung beruht. Höhnerbach stellt klar: „Nicht die Sicherheit im Flugbetrieb ist kritisch, sondern die Meinung des Einzelnen, ob sein persönlicher Beitrag beachtet wird!“
Jörg Höhnerbach
Hier kann die Arbeits- und Organisationspsychologie helfen. Daher hat Jörg Höhnerbach, seit vielen Jahren Pilot und Fluglehrer, das weiterbildende Master-Studium Arbeits- und Organisationspsychologie der FernUniversität in Hagen absolviert. Und es als 100. Absolvent erfolgreich beendet. Seine Master-Arbeit „Sicherheitskultur im Flugbetrieb eines Luftfahrtunternehmens im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ gab ihm die Gelegenheit, diesen wichtigen Zukunftsfaktor in seinem direkten Arbeitsumfeld zu untersuchen. Darüber hinaus haben ihm die Ergebnisse seiner Arbeit, die von der Hapagfly hervorragend unterstützt wurde, ein neues berufliches Betätigungsfeld erschlossen.
Schon seit langem haben Luftfahrtgesellschaften die Gefahren erkannt, die von Menschen ausgehen können. Die Sicherheitskultur müsse darauf hinwirken, eigene Fehler zu erkennen und offen zu nennen, damit das gesamte System daraus lernen könne. Daher müsse das Konzept als Teil der Organisationskultur die gesamte Gruppe einbeziehen und auf allgemein anerkannten Normen beruhen.
Höhnerbachs Ergebnisse zeigen ein insgesamt positives Bild der Sicherheitskultur im Unternehmen. Es gibt ganz offensichtlich jedoch teilweise starke Wahrnehmungsunterschiede: Teilergebnisse weisen auf deutliche Differenzen zwischen dem Anspruch der Geschäftsleitung von Fluggesellschaften und der Wahrnehmung durch die Mitarbeiter hin, welche in einigen Bereichen Schwachpunkte erkannt haben. So nehmen z. B. Organisationsmitglieder Richtlinien, Anweisungen oder taktische und strategische Maßnahmen innerhalb einer Firma nicht immer so wahr, wie es die Geschäftsleitung tatsächlich beabsichtigt hat.
Interessant war auch, dass die Einstellung zur Sicherheitskultur umso positiver ist, je jünger die Piloten sind. Daraus leitet der FernUni-Absolvent einerseits einen Riesenvertrauensvorschuss für das Unternehmen ab. Aber auch, dass dieser Vorschuss im Laufe der Jahre auch „verbraucht“ werden kann. Einig waren sich jedoch alle Befragten bzgl. der guten Ausbildung.
Interessanterweise schätzt das Management die Meinung seiner Mitarbeitenden zur Sicherheitskultur durchaus realistisch ein. Weil es sieht, dass diese Kultur seinen Ansprüchen nicht gerecht wird, wird auch schon daran gearbeitet.
Nach einem Jahr will Höhnerbach die Befragung wiederholen. Zahlreiche andere Flugbetriebe wollen die Untersuchung ebenfalls durchführen. Als Höhnerbach bei den Wettbewerbern des eigenen Arbeitgebers mit dessen Einverständnis anklopfte, um ihnen dieses Angebot zu machen, wurden ihm viele Türen weit geöffnet: „In Sicherheitsfragen gibt es keine Tabus – jedes Problem kann auf die ganze Branche zurückfallen.“
Umrahmt wurde die Ehrung des 100. Absolventen Jörg Höhnerbach von weiteren Präsentationen von Masterarbeiten. Zu allen stellten Prof. Dr. Gerd Wiendieck und die weiteren Studierenden und Absolventen des Studiengangs interessierte Fragen. Besonders freute sich Prof. Wiendieck, dass dies teilweise aus eigener beruflicher Sicht geschah: „Das ist ein ganz entscheidender Vorteil des FernUni-Studiums – Praxisnähe!“ Das bewies auch die Tatsache, dass Kolleginnen und Kollegen des Preisträgers zu der Veranstaltung in die FernUni kamen.
Besonders lobt Jörg Höhnerbach die „sehr gut ausgearbeitete Lernunterlagen und interessant dargestellte Themen“, die Grundlage für eigene vertiefende Studien waren: „Die Kombination aus Selbststudium, Präsenzveranstaltungen, Einsende- und Hausaufgaben, Klausuren und der Projektarbeit formt ein stabiles Gerüst dafür, nicht den Faden oder gar die Motivation zu verlieren.“ So beenden 90 Prozent der Immatrikulierten ihr Studium tatsächlich – ein für ein Fernstudium erstaunliche Quote. Noch erstaunlicher: 70 Prozent sind bereits nach vier Semestern fertig. Fast die Hälfte der Studierenden hat ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen, jeweils rund 20 Prozent ein sozial- oder ingenieurwissenschaftliches.
Erfolgsfaktoren waren für seinen Studienerfolg „die sehr engagierte und persönliche Betreuung durch das Team der FernUni, das mir stets mit Rat und Tat zur Seite stand.“ So wundert es nicht, dass seine „Erwartungen an das Studium deutlich übertroffen wurden“. Mit gutem Gewissen rät er jedem, der sich für das Erleben und Verhalten von Menschen ebenso interessiert wie für die psychologischen Aspekte im Kontext von Arbeit und Organisationen, zu einem Weiterbildungsstudium, um ein solides Fundament dafür zu bekommen.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de