Entscheidend war das Fragezeichen im Titel des Symposions „Soziales Europa?“ Denn viele Fragen zu sozialen und arbeitsrechtlichen Aspekten sind auf dem Weg zum vereinten Europa noch zu beantworten. Vier Veranstalter bündelten ihre Kräfte für den Erfolg der diesjährigen verfassungsrechtlichen Veranstaltung an der FernUniversität in Hagen: das Institut für Europäische Verfassungswissenschaften (IEV) und das Institut für deutsches und europäisches Arbeits- und Sozialrecht (ideas) der FernUniversität in Hagen, das Zentrum für Europäisches Verfassungsrecht - Themistokles und Dimitris Tsatsos Stiftung, Athen, und die Gesellschaft für Europäische Sozialpolitik e.V. der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Experten aus Deutschland, Griechenland und den Niederlanden beleuchten aus juristischer, politikwissenschaftlicher und historischer Sicht am 20. Oktober die Frage.
„Die Veranstaltung lebt das vereinte Europa durch die Kooperation der Institute aus Deutschland und Griechenland“, betonte Kanzlerin Regina Zdebel, die den Rektor der FernUniversität vertrat. Das vereinte Europa müsse die gemeinsamen Ressourcen nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, ohne nationalstaatliche Interessen zu gefährden. Besonders ging sie auf das von Prof. Dr. Dr. h. c. Dimitris Th. Tsatsos in den Titel eingebrachte Fragezeichen des Veranstaltungstitels ein: „Was ist sozial?“ und „Was ist sozial in Europa?“ seien zentrale Fragen mit vielfältigen Auswirkungen. Ein grenzenloses Europa habe erhebliche Auswirkungen auf die nationalen Sozialstaatsmodelle. Die Entwicklung Europas sei daher nicht nur Angelegenheit von Politikern, sondern auch von Juristen. Nur eine interdisziplinäre Betrachtung der Entwicklung könne dazu beitragen, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, die „den Menschen gerecht werden“, schloss Regina Zdebel ihr Grußwort.
Für Prof. Dr. Dr. Thomas Vormbaum, Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, spiegelt die interdisziplinäre Ausrichtung des Symposions diese Forderung wider. Das Athener Institut sei ideell über die Person des emeritierten FernUni-Prof. Dimitris Tsatsos verbunden. Das Thema einer gemeinsamen Verfassung für Europa sei trotz des derzeitigen Schwebezustands absolut aktuell, besonders vor dem Hintergrund der Globalisierung, meinte Vormbaum. Sein Kollege aus der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Martin Huber, stellte die gute Zusammenarbeit beider Disziplinen an der FernUniversität in den Vordergrund: Das jährlich stattfindende Symposion mit seiner Ausgewogenheit der Referenten und dem logischen Ablauf sei nur eines der Zeichen dafür.
Den Dank der Veranstalter an die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e. V. für ihre Unterstützung sprach Prof. Dr. Bernd Waas, Direktor des Instituts für deutsches u. europäisches Arbeits- und Sozialrecht (ideas), aus. Dieses beteiligte sich an der Veranstaltung, weil die Ablehnung des europäischen Verfassungsentwurfs in Frankreich und den Niederlanden nicht zuletzt aus Gründen erfolgte, mit denen es sich befasst.
So ging es am Morgen um das Sozialstaatsmodell der EU-Verfassung und die historische Entwicklung der Sozialstaatsmodelle. Der Nachmittag war zunächst für Bestandsaufnahmen des europäischen Sozialrechts und des europäischen Arbeitsrechts reserviert, bevor es um das Arbeits- und Sozialrecht als möglichen Motor für die europäische Integration und den Zusammenhang zwischen Globalisierung und Zukunft des Sozialstaats ging. Die abendliche Abschlussdiskussion drehte sich um Theorie und Praxis der Sozialen Demokratie.
Damit stellte das Symposion die begrüßenden Worte der Hagener Bürgermeisterin Brigitte Kramps unter Beweis, die – mit Hinweis auf die Europa-Aktivitäten in der Stadt – betont hatte: „Auch das Symposion zeigt, dass man hier die Chancen Europas für Hagen begriffen hat.“
Freuten sich auf den Beginn der Veranstaltung (v. li.): Prof. Dr. Dr. h. c. Dimitris Th. Tsatsos, Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen (Vorstandsmitglied des IEV-Instituts), Prof. Dr. Bernd Waas, Bürgermeisterin Brigitte Kramps, Prof. Dr. Peter Brandt (Direktor des IEV-Instituts), Kanzlerin Regina Zdebel, Dekan Prof. Dr. Martin Huber (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften) und Dekan Prof. Dr. Dr. Thomas Vormbaum (Rechtswissenschaftliche Fakultät)
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