Unter Leitung von Prof. Dr. Kurt Röttgers vom Christian-Jakob-Kraus-Institut für Wirtschafts- und Sozialphilosophie und Prof. Dr. Wieland Jäger vom Institut für Soziologie fand im November im Arcadeon das II. Hagener Kolloquium zur Wirtschaftsphilosophie unter dem Leitthema „Sinn von Arbeit“ statt. Sechs Referenten aus Ökonomie (Prof. Pfriem, Oldenburg und Dr. Schumann, Tübingen), aus Soziologie (Prof. em. Pankoke, Essen und Prof. Jäger, Hagen) und aus Philosophie (HD Bermes, Trier/Chemnitz und Prof. Röttgers, Hagen) erörterten mit ca. 30 Teilnehmern die Frage, welchen Sinn Arbeit unter gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen hat oder haben kann.
Zielsetzung und Fragestellung war dabei Folgendes:
Seit sich die Lohnarbeit als gesellschaftlich dominante Form der Organisation von Arbeit durchgesetzt hat, stellt sich eine zunehmende Spannung zwischen den Bedürfnissen des arbeitenden Individuums und den Erfordernissen des Marktes und damit auch eines Arbeits-Marktes heraus. Indem im 20. Jahrhundert eine alle Lebensbereiche erfassende Ökonomisierung stattgefunden hat, zeigt sich, bezogen auf die Perspektive der Entwicklung von Arbeit, zweierlei.
1. Dass mit den neuen Steuerungsformen von Arbeit die individuelle Arbeitskraft direkt den Anforderungen des Marktes gegenübersteht. Selbstorganisation, Flexibilität der Arbeitszeit u. a. minimieren den gestaltungsfreien Raum zwischen dem Leben der Individuen und den Anforderungen des Marktes.
2. Dass sich die Rückkehr der Individualisierung in die Ökonomie vollzieht. Die Voraussetzungen und Bedingungen von Arbeit (inkl. der Chancen und Risiken) werden zunehmend individualisiert.
In einer Phase des Übergangs wird deutlich, dass der Aspekt der Arbeits-Gestaltung an Gewicht verliert. Das hat zur Folge, dass die mit Arbeit (auch) in Aussicht gestellte Sinnperspektive in der Arbeit immer weniger eingelöst werden kann.
Das wirft die wirtschaftsphilosophische Frage nach dem Sinn von Arbeit erneut auf. Die von Augustinus oder gemäß Weber vom klassischen Protestantismus angebotene Sinndeutung von Arbeit ist nicht länger anschlussfähig, so dass eine erste Frage an diese Tradition lauten würde: Liegt der Sinn von Arbeit in dieser selbst oder in der Ermöglichung der Freizeit? Anders gefragt: Hat Arbeit einen Sinn oder bezieht sie ihren Sinn daraus, Mittel zu anderem Sinnvollem zu sein?
Was heißt es z.B., dass Arbeit auch die Subsistenz einer großen Zahl Nichtarbeitender sichert: Kinder, Schüler, Studenten, geschiedene Ehefrauen, Invaliden, Rentner, Arbeitslose, Strafgefangene, Soldaten u. v. a. m.? Hat die Arbeit Sinn, dann sind alle diese Sinn-los. Ist die Arbeit notwendiges Mittel für Sinn außerhalb, dann folgt die Frage, warum die einen arbeiten und die anderen nicht.
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