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Aktuelles - November 2006

Schon seit geraumer Zeit hatte ich keine Todesfurcht mehr

Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen Texte von Bertolt Brecht in der UB

Die Bibliothek der FernUniversität in Hagen veranstaltet am 06. Dezember 2006 aus Anlass des 50. Todestages von Bertolt Brecht eine literarische Lesung. Kriszti Kiss und Peter Schütze lesen unter dem Titel „Schon seit geraumer Zeit hatte ich keine Todesfurcht mehr“ Gedichte, Dramenauszüge und autobiographische Texte des Dichters. Die Lesung findet statt im Ausstellungsraum der Universitätsbibliothek, Universitätsstr. 23, 58097 Hagen. Sie beginnt um 19 Uhr.


Bertolt Brechts Werk ist einer verbreiteten Meinung nach vom optimistischen Gestus des Lehrers und Aufklärers bestimmt, der an der Verbesserung der gesellschaftlichen Zustände, am Diesseits, interessiert ist. Dass Tod und Vergänglichkeit in seinem Denken einen breiten Raum einnehmen, entspricht nicht diesem Urteil. Und doch zeigt der Blick auf Brechts Gesamtwerk vom frühen Drama „Baal“, der Lyrik der „Hauspostille“, den Texten des Exils bis hin zu den späten „Buckower Elegien“, dass Tod, Endlichkeit und Vergänglichkeit in vielfältigen Ausdrucksformen präsent sind.


Für den frühen Brecht umschließen Geburt und Tod einen Naturkreislauf, in dem das Lebensende weder Rätselhaftigkeit noch Schrecken besitzt. Die Erfahrungen und Verluste des Exils veränderten jedoch Brechts Einstellung. So notierte er 1942 im amerikanischen Exil in Erinnerung an den Tod der Freundin und Mitarbeiterin Margarete Steffin: „Der Tod ist zu nichts gut. Nicht alle Dinge müssen zum Besten dienen, keine unerforschliche Weisheit etabliert sich in derlei. Es kann keinen Trost geben.“


Viele Gedichte Brechts aus seinen letzten Lebensjahren sind knappe Miniaturen. In ihnen fängt der Dichter in oftmals paradoxen und überraschenden Wendungen alltägliche Beobachtungen ein. Sie betreffen die Vergnügungen des Alltags, Erinnerungen, aber auch Verluste. Unverkennbar ist eine resignative Grundstimmung, die dennoch nicht Brechts letzte Haltung zum Tode bestimmt.


Der Titel der Lesung von Kriszti Kiss und Peter Schütze zitiert das Gedicht „Als ich in weißem Krankenzimmer der Charité“, das Brecht kurze Zeit vor seinem Tode schrieb. Beim Erwachen im Krankenzimmer hört der Dichter die Amsel singen. In diesem Augenblick wird ihm zur Gewissheit, dass er die Todesfurcht überwunden hat. Es gelingt ihm, sich zu freuen „alles Amselgesanges nach mir auch.“

Anemone Schlich | 22.11.2006
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