Wer seine Telefonrechnung nicht bezahlt und auch Mahnschreiben konsequent ignoriert, bekommt persönlichen Besuch. Die Telekom schickt einen Mitarbeiter ihres Tochterunternehmens Accumio Finance Services GmbH vorbei. Der klingelt an der Tür und lotet vor Ort aus, was mit den ausstehenden Zahlungen weiter geschieht: Er kann eine Anzahlung in bar kassieren, eine Ratenzahlung fest vereinbaren – oder im ärgerlichsten Fall auch feststellen, dass der Kunde längst woanders wohnt. Dann geht das Spiel mit neuer Adresse von vorn los.
Es ist kein schönes Spiel, aber ein notwendiges. Die Telekom fordert derzeit unbezahlte Rechnungen in Höhe von einer Milliarde Euro von ihren Kunden ein. Die Fälle sind stark unterschiedlich: Möglicherweise ist jemand aus verschiedenen Gründen vorübergehend mit seinen Rechnungen in Verzug gekommen. Bei anderen ist das Zahlungsverhalten dagegen notorisch katastrophal und die Schuldentilgung vollkommen unwahrscheinlich. Eine Hilfe wäre es deshalb für das Unternehmen, annähernd voraussagen zu können, welche der säumigen Kunden wohl doch endlich noch zahlen. Dann könnte die Firma Prioritäten erarbeiten, bevor sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Weg schickt – und ihnen so unnütze Wege ersparen.
Mit dieser Frage hat sich die Telekom-Tochter an den Lehrstuhl Angewandte Statistik und Methoden der empirischen Sozialforschung in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft gewandt. In seiner Diplomarbeit führt Dirk Engel nun bis zum Sommer 2007 eine statistische Analyse durch, um diejenigen Variablen unter den Kundendaten zu finden, die für die Zahlungsprognose entscheidend sind. Das Unternehmen muss dafür zunächst eine hohe Zahl anonymisierter Datensätze aus abgeschlossenen Schuldnerverfahren zur Verfügung stellen. Engel wird dann den Einfluss unterschiedlichster Variablen auf die Zahlungswahrscheinlichkeit testen – und diejenigen Faktoren identifizieren, die eine Prognose ermöglichen.
Fällt diese sehr schlecht aus, klingelt bei den entsprechenden Kunden früher oder später vermutlich sowieso der Gerichtsvollzieher. Auch nicht schön. Doch wenigstens ersparen sich die Mitarbeiter der Accumio viel unnötige Arbeit.
Vorbesprechung für die statistische Analyse: Diplomand Dirk Engel (rechts), zwei Accumio-Mitarbeiter (Mitte) und Lehrstuhl-Mitarbeiter Thomas Mazzoni.
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