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Aktuelles - Dezember 2006

Jugendliche Werte und Welten erkunden

An Heiligabend feiert Prof. Werner Fuchs-Heinritz seinen 65. Geburtstag

Prof. Dr. Werner Fuchs-Heinritz Prof. Dr. Werner Fuchs-Heinritz

Die Soziologie habe sich an der FernUniversität sehr gut entwickelt, bilanziert Prof. Dr. Werner Fuchs-Heinritz zu seinem 65. Geburtstag, der auf Heiligabend fällt. Aus anfangs drei Professuren sind inzwischen fünf geworden – „das ist für die wissenschaftliche Diskussion und für die Vielfalt des Lehrangebots sehr gut“, findet der Professor. „Die Leistungsfähigkeit eines Instituts hängt ja durchaus auch von dessen Größe ab“, erklärt er – eine bestimmte kritische Masse beflügle den Austausch. Er selbst vertritt seit 23 Jahren an der FernUniversität die Professur für Allgemeine Soziologie. Davor forschte und lehrte er an den Universitäten Münster und Marburg. Der Soziologe stammt aus dem heute tschechischen Sudetenland.

Mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge gehe die FernUniversität ebenfalls in die richtige Richtung, hat er beobachtet. Sehr zielstrebige, ehrgeizige und wissbegierige Studierende hätten sich in die neuen, stark strukturierten Studiengänge eingeschrieben – manches Mal wünscht er sich mehr direkten Kontakt mit ihnen. Doch er schätzt er ihre Zielorientierung: „Das sind reifere Menschen, die aktiv und engagiert studieren.“

Ein Bachelor-Angebot in Soziologie entwickelt das Institut derzeit, der Master-Studiengang läuft. „Damit haben wir das Fach auch im grundständigen Studium breit verankert“, findet Fuchs-Heinritz, der nicht nur die Zusammenarbeit innerhalb des Instituts für Soziologie lobt: „Wir haben ja auch gemeinsam mit den geisteswissenschaftlichen Fächern einen Bachelor Kulturwissenschaft etabliert. Dieser interdisziplinäre Ansatz ist sehr wichtig, auch für die FernUniversität.“

Momentan – und schon seit vier Jahren – arbeitet Fuchs-Heinritz an einem Buch zur allgemeinen Soziologie. Er nennt das Werk eine nachgeholte Grundlegung: Eine Beschreibung dessen, was das soziale Sein ist. „Es gibt bisher die unterschiedlichen soziologischen Theorien und Schulen, aber keine allgemeine Lehre vom sozialen Sein“, erklärt er. „Was ist eigentlich das Soziale? Mit dieser Frage und mit dem Buch werde ich selbst als Pensionär noch lange beschäftigt sein!“

Sein Forschungsschwerpunkt liegt darüber hinaus in der Jugendforschung. So hat Fuchs-Heinritz beispielsweise an drei Shell-Jugendstudien mitgewirkt. „Vor allem die Studie aus dem Jahr 1981 war recht einflussreich“, berichtet er: Weil die Autoren damals erstmals die tatsächliche Lebenswelt der Jugendlichen erkundeten und ihre Lebensauffassung erfragten, statt nur die üblichen soziologischen Daten durchzugehen. „Dieser Ansatz hat die Jugendsoziologie sicherlich verändert“, wertet der Mit-Autor. Viel hat er überdies an Projekten soziologischer Biographieforschung gearbeitet: Diese sucht mit Hilfe von lebensgeschichtlichen Interviews nach bestimmten Strukturen in individuellen Lebensgeschichten. „Es macht ja einen Unterschied für bestimmte Lebensentscheidungen, ob jemand Mann oder Frau, Professor oder Schulabbrecher ist“, erklärt Fuchs-Heinritz. Doch tatsächlich bestimmen soziale Schichten und Biologie die Lebensentscheidungen der Menschen heute nicht mehr zwingend, fügt er hinzu: Hier liegen die Vorteile der viel zitierten Individualisierung in den westlichen Gesellschaften.

In seiner Freizeit fährt Fuchs-Heinritz ab und zu Rad, für die körperliche Bewegung. „Aber eigentlich verteile ich mich nicht in Beruf und Freizeit, habe ich nie getan. Das ist alles eins“, erklärt er. Er hat zwei erwachsene Kinder. Seine Tochter macht im Frühjahr Abitur; der Sohn ist in die Fußstapfen des Vaters getreten: Er ist ebenfalls Soziologe geworden.

Anemone Schlich | 22.12.2006
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