„Langeweile werde ich bestimmt nicht haben, es gibt genügend anspruchsvolle Beschäftigungen“, freut sich Prof. Dr. Lenelis Kruse auf ihren Ruhestand, der ihrem 65. Geburtstag am Freitag, 16. Februar folgen wird. Da sie sich weiter mit ihren Themen als FernUni-Professorin befassen wird, ist das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst kein Eintreten in die Inaktivität. Das verhindert schon die Aktualität ihrer Interessen – wie von Orkan Kyrill gerade unterstrichen.
Denn in zahlreichen Fachgesellschaften und anderen Organisationen war und ist die Leiterin des Lehrgebiets Ökologische Psychologie der FernUniversität in Hagen Mitglied, zum Teil in führenden Funktionen. Stellvertretend seien hier der Vorstand der Deutschen UNESCO Kommission und ihr Vorsitz im Fachausschuss „Wissenschaften“ der Deutschen UNESCO-Kommission genannt. Kürzlich ist sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in den strategischen Sachverständigenkreis zum Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ berufen worden. Dieser ist Teil des großen Rahmenprogramms FONA – Forschung für die Nachhaltigkeit.
1985 ist Lenelis Kruse zur FernUniversität gekommen. Profil gewonnen hat sie als Wissenschaftlerin ebenso wie als Verfechterin des klaren Wortes: „Um eine Botschaft zu transportieren muss man – besonders als Frau – manchmal übertreiben. Sonst kann man nicht aufrütteln.“ Diplomatische Sprache ist auch nicht ihre Sache, wenn es um die globalen Umweltveränderungen geht, mit denen sich die FernUni-Professorin schwerpunktmäßig befasst: „Wir müssen unseren Lebensstil ändern!“ Und dazu kann und muss die Psychologie ihren Beitrag leisten. Denn die drohenden Katastrophen seien nicht nur technisch bedingt, Wasserknappheit, Luftverschmutzung, Bodenerosion oder neue Krankheiten keine Probleme der Umwelt, sondern der menschlichen Gesellschaft insgesamt.
Die Lösungen der Probleme müssen daher praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen gemeinsam finden: „Nur interdisziplinäres Arbeiten sorgt für eine Vielzahl von Blickwinkeln, aus denen man die richtigen Maßnahmen ableiten kann.“
Obwohl sie sich darüber im Klaren ist, dass die globalen Veränderungen höchstens abgemildert, aber nicht verhindert werden können, bleibt die Umweltpsychologin „Berufsoptimistin – der Mensch hat ja die notwendigen Fähigkeiten“, um die Probleme zu lösen. Andererseits: „Wenn wir vernunftbegabten Menschen es nicht schaffen, uns an eine klare Zukunft anzupassen, haben wir es nicht verdient, länger auf der Erde zu bleiben.“
In der Umweltpsychologie ist das Themenspektrum weit gespreizt, umfasst Umweltbewusstsein und Umwelthandeln ebenso wie räumliches Verhalten und globale Umweltveränderungen. Der Vergleich von Frauen-Umwelten mit Männer-Umwelten bietet einen von mehreren Anknüpfungspunkten zum zweiten Arbeitsschwerpunkt, der Sozial- und Sprachpsychologie. Frauen in Führungspositionen und Soziale Repräsentation und Sprache (Männer und Frauen; Alt und Jung) sind hier zwei ihrer Themen. In diesen und anderen Zusammenhängen befasst sich Lenelis Kruse auch mit demografischen Problemstellungen oder mit der Benachteiligung von Frauen.
Die Aktualität ihrer Interessensgebiete wird dafür sorgen, dass Lenelis Kruse wenig Zeit für ihre Hobbys haben wird, selbst wenn sie ihr „Klavier nach zehn Jahren erstmals wieder“ hat stimmen lassen. Auch Theater- und Konzertbesuche hat sie sich vorgenommen, ein Bücherstapel wartet auf sie. Reisen will sie, aus Überzeugung mit der Bahn. Und sie will wieder mehr mit ihren Händen machen: „Ich bin eine durchaus technisch begabte Handwerkerin und entspanne mich mit Gartenarbeit.“
Gleichzeitig will Lenelis Kruse – die auch Honorarprofessorin der Universität Heidelberg ist – der FernUniversität verbunden bleiben, etwa durch ihre weitere Mitarbeit am Interdisziplinären Fernstudium Umweltwissenschaften („infernum“).
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