Zur FernUniversität kam Krämer 1992. Prof. Dr. Dr. Wolfgang Halang machte seinen Bekannten auf die Stellenausschreibung aufmerksam und der damalige Dekan der Elektrotechnik, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, meinte: „Jemanden wie Sie, der an der Schnittstelle zwischen Elektrotechnik und Informatik arbeitet, brauchen wir hier.“ Krämer war damals Professor im kalifornischen Monterey und wollte wieder zurück nach Deutschland, trotz der Traumlandschaft wie „die Steilküste von Big Sur und der endlos abfallende weiße Sandstrand von Carmel bei Sonnenuntergang.“
Zunächst hatte Krämer ab 1969 an der Berliner TU Elektrotechnik studiert: „Ich hatte keine besondere Vorprägung, wollte aber etwas Technisches studieren.“ Schon im zweiten Semester kam er mit der im Aufbau befindlichen Informatik in Berührung und studierte beide Fächer parallel, bevor er nach dem Vordiplom ganz in die neue Disziplin wechselte. Nach dem Diplom in Informatik promovierte er in Berlin. Bei der GMD war er Leiter eines Projekts der ersten ESPRIT-Ausschreibung, bevor er als Professor für Softwaretechnik an die Naval Postgraduate School in Monterey ging.
Die Entscheidung, in die Elektrotechnik der FernUniversität zu wechseln, hat er nicht bereut: „Die Entwicklung der Datenverarbeitungstechnik hat meiner Entscheidung Recht gegeben.“ Denn jeder Ingenieur und jeder Elektrotechniker muss ausreichende Kenntnisse dieses Gebiets haben, weil in fast jedem System Soft- in Hardware eingebettet ist: „Die Software bringt Flexibilität und Funktionalität – das ist es, was Kunden kaufen wollen“, unterstreicht der Professor mit Vorliebe für gutes Design.
Sein „Dauerthema“ Software-Technologie versucht er immer aktuellen Anforderungen entsprechend weiter zu entwickeln, z. B. durch Projekte zur Lerntechnologie: „Ich möchte Software sinnvoll einsetzen, um Lernprozesse optimal zu unterstützen.“ Immer interessant sind für Bernd Krämer auch „verteilte Anwendungen“ und seit neuestem „Social Software“: „Die Informationsflut ist im Internet inzwischen so groß, dass man sich in Gemeinschaften bewegen muss, um über Menschen mit ähnlichen Interessen passgenau zu Ergebnissen zu kommen.“
Im Kreise Gleichgesinnter bewegt er sich auch selbst gerne: Er ist Vorstandsvorsitzender der Scientific Academy for Service Technology (ServTech), die er zusammen mit europäischen und US-amerikanischen Kollegen im Jahr 2007 gründete, Mitglied im Forschungsinstitut für Telekommunikation (FTK) sowie Vorstandsmitglied und Mitbegründer der Initiative für effiziente Energieanwendung in Gebäuden (IEEG). In den Jahren 2002 bis 2006 war er Präsident der Society for Process & Design Science und zwischenzeitlich Gastprofessor an der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien, an der McGill University in Montreal, an der University of California, Berkeley, und an der School of Computer Science and Software Engineering der Monash University in Melbourne, Australien.
Kein Wunder, dass für Hobbys wenig Zeit bleibt. Nur für seine bald zwei Enkelkinder wird er sie sich nehmen: „Das ist wirklich wichtig.“ Und mit dem Golfspielen hat er vor einem Jahr angefangen.
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