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Aktuelles - Oktober 2007

Englische Armenbriefe des späten 18. und 19. Jahrhunderts aufschlussreiche Quellen

Internationale Tagung über „Erzählte Armut“ an der FernUniversität

"Erzählte Armut“ war das Thema einer internationalen Konferenz, die unter Leitung von Dr. Thomas Sokoll – der gerade zum apl. Professor im Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas (Prof. Dr. Felicitas Schmieder) der FernUniversität in Hagen ernannt wurde – und Prof. Dr. Steven King (Oxford) stattfand. Führende Experten auf dem Gebiet der Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte der Armut kamen vom 4. bis 7. Oktober ins Arcadeon in Hagen. Zu den Referenten zählten nicht nur Historiker, sondern auch Sprach- und Literaturwissenschaftler und Rechtshistoriker aus Großbritannien, Deutschland, Österreich, Belgien und den Niederlanden, die über ihre laufenden Forschungsprojekte berichten.

Mit den Armenbriefen stand eine besondere Quellengattung im Zentrum des Interesses. Dabei handelt es sich um Eingaben an die örtlichen Armenpfleger, in denen die Betroffenen selbst in einer oft überraschend offenherzigen Darlegung ihrer Nöte und Sorgen zur Sprache kommen.

Die Reichhaltigkeit dieser einzigartigen Zeugnisse, die noch dazu im größeren Umfang erhalten geblieben sind als alle anderen Selbstzeugnisse der Unterschichten, spiegelte sich im breiten thematischen Spektrum der Vorträge wider. So wurden etwa Krankheitserfahrungen und Verhandlungen über armenärztliche Fürsorge im Spiegel von Armenbriefen behandelt, ebenso wie die (gerade wieder aktuellen) Fragen der Kinder- und der Altersarmut. Oder es wurden am Beispiel der Bitten um Kleidung die Vorstellungen des schichtenspezifischen Ansehens und der angemessenen Lebenshaltung diskutiert, denn barfüssige Kinder galten als Schande, die sich in einer reichen Gesellschaft verbietet. Aber auch die eigentümliche Schriftsprache, die Erzählstrategien und rhetorischen Muster in Armenbriefen wurden erörtert.

Ein wichtiges Thema war schließlich der Aufbau moderner Datenbanken zur Veröffentlichung, Erschließung und Bearbeitung von Armenbriefen und ähnlichen Selbstzeugnissen der Unterschichten.

Großzügig unterstützt wurde die Tagung „Erzählte Armut“ („Narratives of Poverty“), die durchweg in englischer Sprache abgehalten wurde, von Seiten des Wellcome Trusts, der Royal Historical Society und der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität. Neben der Veröffentlichung der Beiträge sind für die kommenden Jahre weitere Konferenzen zum Thema geplant.

Gesche Quent | 17.10.2007
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