Das Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen, das in Lüdenscheid ansässig ist, hat die Termine für die nächsten Veranstaltungen der Reihe „Lüdenscheider Gespräche“ bekannt gegeben. Sie finden – soweit nicht anders angegeben – jeweils ab 17 Uhr im Haus der FernUniversität, Liebigstr. 11, 58511 Lüdenscheid, statt.
Mittwoch, 21.November2007
Hannah Arendt (1906-1975) - „Leidenschaftliche Querdenkerin“
Referentin: Dr. Uta D. Rose
Geprägt von Flucht, Emigration und Staatenlosigkeit stellt sich Hannah Arendts Leben außergewöhnlich, ihr Denken unangepasst an Zeitgeist oder akademische Schulen dar. Arendts ungewohnte Darstellung politischer Alltagsphänomene eröffnen neue Sichtweisen auf gewohnt gewordene Begriffe. Welches Wagnis bedeutet z.B. ein „Denken ohne Geländer“? Was hat „Versprechen“ mit Macht zu tun?
Mittwoch, 12. Dezember 2007
Erinnerungen an Erlebnisse und Begegnungen
Referent: Prof. Dr. jur. Dr. h.c. Dimitris Tsatsos
Geboren am 5. Mai 1933 in Athen, wurde Dimitris Tsatsos durch die griechische Militärjunta inhaftiert; von 1974 bis 1977 war er im ersten Nachdiktatur-Parlament Generalreferent aller Oppositionsparteien für die demokratische Verfassungsreform. In der Regierung Karamanlis wurde Tsatsos Vizekultusminister, den Ministerpräsidenten Papandreou beriet er in Verfassungsfragen. Tsatsos war von 1994 bis 2004 Mitglied des Europäischen Parlamentes sowie Mitglied und Berichterstatter des europäischen Verfassungskonvents.
Dimitris Tsatsos hatte seit 1969 mehrere rechtwissenschaftliche Lehrstühle an griechischen und deutschen Universitäten inne. 1980 wurde er Inhaber des Lehrstuhls für Verfassungsrecht an der Pantios-Universität in Athen und zugleich ordentlicher Professor an der FernUniversität Hagen. Als emeritierter Ordinarius engagiert er sich u.a. im Institut für Europäische Verfassungswissenschaften der FernUniversität Hagen. Prof. Tsatsos ist als glänzender und humorvoller Erzähler bekannt; sein Vortrag verspricht interessante Einblicke und gute Unterhaltung.
Mittwoch, 30. Januar 2008
Die Fussbroichs und die Özdags - Familienalltag im TV
Referentin: Ute Diehl
Mit der Staffel „Die Fussbroichs, eine Kölner Arbeiterfamilie“, schuf Ute Diehl ab 1979/89 praktisch ein neues Genre filmischer Dokumentation, bestehend aus 100 Folgen á 30 Minuten. Mit der ab Januar 2007 ausgestrahlten siebenteiligen Staffel „Die Özdags“ widmet sich Ute Diehl der türkischstämmigen Familie Özdag, die in dritter Generation in Köln lebt. Die Filmreihe war für den Grimme-Preis 2007 nominiert.
Anderer Wochentag und anderes Anfangszeit!:
Freitag, 22. Februar 2008, 19.30 Uhr
Flucht und Vertreibung in der individuellen, politischen und kulturellen Erinnerung
Referent: Prof. Dr. Bernd Faulenbach
Bernd Faulenbach ist Stellvertretender Direktor des Forschungsinstitutes Arbeit, Bildung, Partizipation (FIAB) und Professor an der Ruhr-Universität Bochum, des weiteren u.a. Mitglied des Beirates der Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ sowie des Wissenschaftlichen Beirats des Hauses der Geschichte in Bonn. Mit den Themenfeldern „Flucht und Vertreibung“ und „Erinnerungskultur“ hat er sich in zahlreichen Publikationen auseinandergesetzt. Sein Vortrag findet in Verbindung mit der an diesem Tag im Haus der FernUniversiät stattfindenden Wissenschaftlichen Tagung „Erinnerung und Medialität als Kategorien politischer Kulturgeschichte“ statt.
Mittwoch, 12. März 2008
Ehrgefühl-Selbstbeherrschung- Arbeitseifer. Hedwig Courths-Mahler und der ideale Mann des 19. Jahrhunderts - Filmvorführung
Referenten: Dr. Eva Ochs und Dr. Friedrich-Wilhelm Geiersbach
„Ich lasse Dich nicht“, „Durch Liebe erlöst“, „Nur Du allein“ - mit viel Gefühl beschrieb die Kitschautorin Hedwig Courths-Mahler immer wieder die Liebe zwischen Mann und Frau. Sie selbst (1867 in Thüringen geboren) schrieb sich aus ärmlichen Verhältnissen heraus und wurde zu einer reichen Frau. Bis heute zählt sie zu den auflagenstärksten deutschsprachigen Autorinnen. In ihren über 200 Romanen entsprachen die männlichen Helden einem Idealbild von Männlichkeit, das sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausbildete und in vieler Hinsicht bis heute noch Konjunktur hat. Im Film werden das Leben der Schriftstellerin ebenso wie die Konturen des „idealen Mannes“ u. a. auch mit zeitgenössischem Filmmaterial, Fotos und Dokumenten gezeigt.
Mittwoch, 8. April
Ein Leben im Spannungsfeld von geteiltem Deutschland und russischer Politik
Referent: Prof. Dr. Wolfgang Seiffert
Wolfgang Seiffert, geb. 1926 in Breslau, Kriegsfreiwilliger in einer Abiturientenkompanie, sowjetischer Kriegsgefangener, hoher FDJ-Funktionär in Westdeutschland, war bis 1978 Professor für Internationales Wirtschafts- und Völkerrecht in Ost-Berlin und Berater von Honecker. Er übersiedelte in die Bundesrepublik und war bis 1994 Leiter des Instituts für Osteuropäisches Recht der Universität Kiel. Seitdem lehrt er in Moskau russisches und europäisches Recht und hat zuletzt als Putin-Biograph auf sich aufmerksam gemacht. Ob in der DDR oder der BRD lehrend, gehörte er stets zu den Verfechtern der deutschen Wiedervereinigung und agierte notorisch „zwischen den Stühlen“. Zweifellos ein "spannendes Leben", aus dem Wolfgang Seiffert erzählen wird.
Mittwoch, 21. Mai 2008
Vom Bürgerrechtler zum Außenminister
Referent: Markus Meckel, MdB
Markus Meckel war zu DDR-Zeiten Theologe, Pfarrer und führender Bürgerrechtler. Noch vor dem Fall der Mauer war er Mitgründer der Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP), für die er dann auch am „Runden Tisch“ saß. Von April bis Juni 1990 war er Vorsitzender der SPD-Ost, die er auch in der einzigen frei gewählten Volkskammer vertrat. Von April bis August 1990 war er außerdem Außenminister der DDR. Markus Meckel ist seit 1990 sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter.
Mittwoch, 18. Juni 2008
Die Worringers. Bildungsbürgerlichkeit als Lebenssinn. Wilhelm und Marta Worringer (1881-1965) - eine Familienbiographie
Referentin: Prof. Dr. Helga Grebing
Helga Grebing, geb. 1930 in Berlin-Pankow, ist emeritierte Professorin für die vergleichende Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung und der sozialen Lage der Arbeiterschaft sowie frühere Leiterin des „Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung“ (heute „Haus der Geschichte des Ruhrgebiets“). Mit ihrer Doppelbiographie über das Akademiker- und Künstlerehepaar Wilhelm und Marta Worringer hat sie im Jahr 2004 eine viel beachtete Mikrostudie vorgelegt, die tiefe Einblicke in die (bildungs)bürgerliche Lebenswelt in Zeiten des Umbruchs und der Katastrophen bietet.
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