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Aktuelles - November 2007

Hilfe für andere – auch Hilfe für die Helfenden selbst?

Antrittsvorlesung von Prof. Stürmer über Motive für soziales Engagement

„Das Institut für Psychologie der FernUniversität in Hagen hat sich erstaunlich entwickelt“, freute sich der Dekan der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Prof. Dr. Martin Huber, bei der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Stefan Stürmer. Er hatte am 1. Juni das Lehrgebiet Sozialpsychologie übernommen und stellte sich nun der Hochschule vor.

Die Sozialpsychologie erforscht Prozesse zwischen und innerhalb sozialer Gruppen und die Auswirkungen von sozialen Interaktionen, von Gedanken und Fühlen der Beteiligten, stellte der Dekan das Lehrgebiet Stefan Stürmers vor. Damit knüpfe der neue Professor an die Tradition von Kurt Lewin an, der den Begriff der Gruppendynamik geprägt hat und nach dem das Kurt Lewin Institut für Psychologie benannt wurde

In seinem Vortrag befasste sich Prof. Stürmer mit den sozialpsychologischen Grundlagen für soziales Engagement und den Fördermöglichkeiten, die sich daraus ableiten lassen.

Die Frage, wann sich Menschen für andere Menschen oder gemeinnützige Ziele engagieren, hat eine lange geisteswissenschaftliche Geschichte. Sie beschäftigt Forscherinnen und Forscher in den Human- und Biowissenschaften ebenso wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Für das gesellschaftliche und wissenschaftliche Interesse an dieser Fragestellung lassen sich verschiedenen Gründe identifizierten. Einer von diesen betrifft das Streben nach dem Verständnis der menschlichen Natur: Sind Menschen überhaupt fähig zu selbstlosem oder altruistischen Verhalten? Oder ist jedes Verhalten, sogar Hilfeverhalten und soziales Engagement, durch selbstbezogene oder egoistische Interessen motiviert?

Ein zweiter Grund des Interesses ist gesellschaftspolitischer Natur. Wenn man weiß, was Menschen zu solcher Hilfe motiviert, müsste es auch möglich sein, gezielte soziale, bildende oder politische Fördermaßnahmen zu entwickeln.

Im ersten Teil seines Vortrags erläuterte Prof. Stürmer zwei unterschiedliche motivationale Orientierungen, die sozialem Engagement zugrunde liegen können. Seinen Ausführungen zufolge basieren zahlreiche prominente psychologische Ansätze zumindest implizit auf der Annahme, dass sich Menschen dann (und nur dann) für andere Menschen oder das Gemeinwohl einsetzen, wenn sie erwarten, dass sie dadurch selbst einen persönlichen Nutzen haben. Demnach verbessert der Handelnde das Wohlergehen einer anderen Person (oder einer Gruppe) mit dem Ziel, sein eigenes Wohlergehen zu verbessern.

Der Annahme, dass soziales Engagement häufig eine „egoistische“ Komponente hat, stellte Prof. Stürmer Forschungsbefunde aus der Tradition der psychologischen Altruismusforschung gegenüber. Diese liefern Belege dafür, dass Menschen unter bestimmten Umständen durchaus daran interessiert sind, das Wohlergehen anderer Menschen zu verbessern, auch wenn sie davon nicht persönlich profitieren. Im Unterschied zu „egoistisch“ motiviertem Handeln ist in diesen Fällen also die Verbesserung des Wohlergehens anderer das ultimative Ziel. Dazu stellte Stürmer experimentelle Untersuchungen vor, die Hinweise für die Existenz altruistisch-motiviertes Helfen liefern.

In einem zweiten Teil des Vortrags erläuterte er den Einfluss von Gruppenprozessen auf die Motivation, sich sozial zu engagieren. Laut seiner zentralen Hypothese erhöht die eigene Wahrnehmung von Helfenden, dass sie und die Hilfeempfänger einer Gruppe angehören, altruistisch-motiviertes Helfen. Unterschiedliche Gruppenzugehörigkeit sollte hingegen dazu führen, dass egoistische Motive zu Helfen das Handeln bestimmen. Zur Untermauerung dieser Hypothese stellte Prof. Stürmer Forschungsergebnisse eines von ihm geleiteten DFG-Forschungsprojekts vor.

Abschließend leitete er verschiedene Interventionsstrategien zur Förderung sozialen Engagements ab. Dabei ging er insbesondere auf Maßnahmen zur Steigerung von Gruppenidentifikation als Methode der Förderung sozialen Engagements ein.

Gerd Dapprich | 23.11.2007
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