Bei der Europäischen Union (EU) arbeiten wollte Christine Bahr von Anfang an. Die Rostockerin studierte nach dem Abitur Englisch, Neu-Griechisch und Tschechisch – bereits mit Blick auf einen Arbeitsplatz bei der EU als Übersetzerin. „Die Europäische Union ist die ideale Umgebung für Leute, die Sprachen studiert haben“, findet Bahr. Sie beherrscht drei Amtssprachen.
Christine Bahr Für die Bewerbung auf einen der begehrten Plätze bei den Organen der Europäischen Union braucht man jedoch einen langen Atem. „In meinem Fall hat der Bewerbungsprozess knapp drei Jahregedauert“, erklärt die heute 35-Jährige. 2001 klappte es: Christine Bahr konnte beim Generalsekretariatdes EU-Parlaments in Luxemburg als Übersetzerin anfangen. Da lebte sie schon eine ganze Weile in Schottland und stand kurz vorm Vordiplom ihres Fernstudiums in Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen. Doch der Reihe nach.
Nach ihrem Studium stieß die Philologin zunächst auf ein Stellenangebot eines schottischen Verlages für Wörterbücher, der Redakteurinnen und Redakteure mit Deutschkenntnissen suchte. Sie bewarb sich, hatte Erfolg und zog nach Schottland – im Hinterkopf nach wie vor die EU. Das nächste Auswahlverfahren dort startete 1998. Christine Bahr machte mit.
„1999, als das Auswahlverfahren in der entscheidenden Phase stand, studierte ich bereits neben dem Job im ersten Semester Wirtschaftswissenschaft an der FernUni“, berichtet sie. Sie wollte flexibel bleiben und Alternativen haben, falls ihre Bewerbung bei der Europäischen Union scheiterte. Eine Anzeige in einer deutschen Zeitschrift hatte sie auf die FernUniversität aufmerksam gemacht. „Ich wollte ein Studium mit einem fundierten wissenschaftlichen Angebot und einem staatlichen Abschluss, der etwas wert ist“, begründet sie ihre Wahl. „Außerdem kam mir entgegen, dass ich keine höheren Portogebühren zahlen musste, obwohl ich im Ausland studiert habe“, schmunzelt Bahr.
Im Auswahlverfahren der EU konnte sie sich schließlich durchsetzen und ging nach Luxemburg. Ihr Studium an der FernUniversität nahm sie einfach mit. Ihr Engagement kam gut an: „Mein Arbeitgeber unterstützte mich, ich habe z. B. Sonderurlaub zur Vorbereitung auf Prüfungen bekommen“, erzählt Bahr. „Das Lernen war außerdem eine gute Abwechslung zur Routine des Übersetzens.“
Ihr Einsatz hat sich bezahlt gemacht: „Das Studium hat meine Mobilität innerhalb des Europäischen Parlaments erhöht“, stellt sie klar. Aufgrund ihres Fachwissens konnte sie 2004 in die Fachabteilung für Wirtschafts- und Wissenschaftspolitik nach Brüssel wechseln und zusätzliche Aufgaben übernehmen.
Im Plenarsaal in Brüssel In Brüssel tagen die 20 ständigen Ausschüsse des Parlaments. Das vierköpfige Wirtschaftsteam der Fachabteilung ist der Arbeit des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik zugeordnet. Ihr Studium war mittlerweile ins Hauptstudium voran geschritten. Den Schwerpunkt hatte sie von der Betriebswirtschafts- auf die Volkwirtschaftslehre verlagert: „Die VWL ist einfach spannender, wenn man in der Politik arbeitet.“
Spannend ist auch Christine Bahrs neue Tätigkeit. Dem wissenschaftlichen Dienst im Deutschen Bundestag vergleichbar, arbeitet die Fachabteilung für die Organe des EU-Parlaments, insbesondere jedoch auf Anfrage des Wirtschaftsausschusses. Die Aufgaben sind vielfältig: „Für Reden z. B. des Präsidenten des Parlaments oder vor Auslandsreisen der Abgeordneten recherchieren wir Hintergrundinformationen. Zu bestimmten Themen führen wir zusammen mit ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern größere Studien durch und übernehmen das Projektmanagement. Außerdem organisieren wir interne Workshops für die Parlamentarier. Insgesamt verfolgen wir das Geschehen in den Ausschüssen, so dass wir uns auf Anfragen vorbereiten und gezielt Input geben können“, zählt Bahr einige Bereiche auf.
Ihr VWL-Diplom hat Bahr seit Herbst 2006 in der Tasche. Ein Jahr später machte sie zusätzlich ihr BWL-Diplom. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Alumni-Kreis der Gesellschaft der Freunde der FernUniversität: „Das Angebot „Fernstudium“ finde ich sehr förderungswert und ich will mich dafür engagieren, dass es erhalten bleibt.“ Unter ihren Kolleginnen und Kollegen ist ihr Studium bereits auf großes Interesse gestoßen – „viele bedauern schon, dass Sie kein Deutsch sprechen und daher nicht an der FernUni studieren können“, lächelt sie.
Dieser Artikel spiegelt allein die Meinung und Sichtweise der darin vorgestellten Person wider, nicht die des gesamten Europäischen Parlaments.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de