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Aktuelles - April 2008

Fundierte Ausbildung ist Schlüsselqualifikation

Dr. Andreas Heimlich untersuchte die Laufbahnentwicklung älterer IT-Beschäftigter

Der IT-Branche fehlt der Nachwuchs. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist dagegen, dass auch die älteren Beschäftigten immer früher aus dem Berufsleben ausscheiden – und das nicht immer freiwillig. „Bereits ab einem Alter von 40 Jahren haben Informatiker oft Probleme, ihren Job zu behalten bzw. im Falle eines Wechsels einen adäquaten – d.h. angemessen vergüteten – neuen Job zu finden“, weiß Dr. phil. Andreas Heimlich. Der Berliner hat über die „Laufbahnentwicklung älterer IT-Berufstätiger“ im Institut für Psychologie an der FernUniversität in Hagen promoviert. Betreut wurde er dabei von Prof. Dr. Ingrid Josephs, Leiterin des Lehrgebiets „Psychologie des Erwachsenenalters“.

Andreas Heimlich, selbst freiberuflicher Informatiker, kennt die Branche. Der Beschäftigungsbereich der Informationstechnik (IT) ist überwiegend jugendlich geprägt, so dass sich für Fachkräfte ab 40 Jahren kaum noch attraktive Laufbahnperspektiven bieten. „In manchen Fällen werden ältere Beschäftigte sogar regelrecht aufgrund ihres Alters diskriminiert“, erklärt Heimlich. So wird ihnen beispielsweise unterstellt, sich nicht weiterbilden zu wollen oder dem in IT-Berufen sehr hohen Stressfaktor nicht mehr gewachsen zu sein.

Eigenes Modell entwickelt

Als Schwerpunkt seiner Dissertation interessierte ihn vor allem die subjektive Perspektive der Beschäftigten. Welche Verhaltensweisen, d. h. Karrierestrategien, entwickeln sie, um die besonderen Anforderungen und Probleme aus ihrer beruflichen Umwelt bewältigen und ihre Laufbahn in die von ihnen gewünschte Richtung lenken zu können?

Zunächst untersuchte Andreas Heimlich die gesellschaftlichen, betrieblichen sowie psychologischen Rahmenbedingungen der IT-Berufsarbeit. Anschließend prüfte er relevante berufspsychologische Laufbahntheorien auf ihre Anwendbarkeit für IT-Berufstätige im mittleren Erwachsenenalter. Der Berliner stellte fest, dass die bekannten Laufbahntheorien zu kurz greifen und sich nicht für die Beschreibung der beruflichen Laufbahn Erwachsener und den dabei gewählten Karrierestrategien eignen.

Daher entwickelte er ein eigenes Modell, in dem die so genannte berufliche Adaptabilität das zentrale Konzept darstellt. Unter Adaptabilität versteht man die persönliche Fähigkeit jedes einzelnen, mit einer problematischen Situation umzugehen, also entweder sich selbst der Umwelt oder die Umwelt den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Das Modell basiert auf psychologischen Ressourcen. Im IT-Berufsfeld sind dies in erster Linie fachliche Qualifikationen, also eine fundierte Ausbildung, aber auch soziale Beziehungen und Netzwerke sowie finanzielle Unabhängigkeit. Mit diesem so genannten „ressourcenorientierten Modell der beruflichen Adaptabilität“ können die Strategien beschrieben werden, welche die älteren IT-Beschäftigten anwenden, um ihre berufliche Laufbahn nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Nische, Profi oder Spezialist?

Sein Modell testete Heimlich in der Praxis und befragte einige Informatiker zwischen 42 und 56 Jahren zu ihrer Situation. Daraus leitete er einige beispielhafte Strategien ab, für die jeweils unterschiedliche Ressourcen notwendig sind.

Manche IT-Berufstätige versuchen z. B., sich in einer Nischenposition abzusichern. Sie verfügen über hohe fachliche Qualifikationen und können komplexe und schwierige Aufgaben bewältigen. Dadurch können sie sich in ihrer Stellung nahezu unersetzbar machen.

Andere übernehmen als Freiberufler gezielt Fach- und Führungsaufgaben. In der durch Projektarbeit geprägten IT-Branche wechseln sie dabei häufig den Auftrag- und Arbeitgeber, um in kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Ihr Ziel ist es, finanziell unabhängig zu werden, um sich im Idealfall aussuchen zu können, ob sie weiter arbeiten. Andere, vor allem Quereinsteiger, versuchen sich durch ihr sehr spezielles Fachwissen eine gute Position auf Dauer in einem Unternehmen zu sichern.

Mit Studium die besten Aussichten

„Die Schlüsselqualifikation für eine dauerhaft gute Stelle ist heute mehr denn je eine fundierte Ausbildung, am besten ein Studium“, erklärt Andreas Heimlich. „Das Berufsfeld hat sich enorm ausgeweitet, der Fachkräftebedarf steigt stetig an.“ Für die älteren Quereinsteiger in der Branche kann das negative Folgen haben. Sie müssen die fehlende Ressource „Bildung“ ausgleichen durch eine geeignete fachliche Spezialisierung sowie durch den Aufbau sozialer Netzwerke und Beziehungen. Können sie dies nicht, ist die Gefahr groß, dass sie durch jüngere Arbeitnehmer verdrängt werden.

Heimlich empfiehlt daher, frühzeitig die formale Qualifikation und am besten einen Studienabschluss nachzuholen. Es reiche nicht aus, sich auf die Weiterbildungsangebote im eigenen Unternehmen zu verlassen. Wichtig sei eine organisationsunabhängige Laufbahnberatung, denn „der eigene Chef wird seinem Mitarbeiter kaum raten, die Stelle zu wechseln“, meint er. „Dies kann aber manchmal für die Karriere entscheidend sein.“

Gesche Quent | 16.04.2008
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