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Aktuelles - April 2008

Mit einem Klick im Seminar: Spielend lernen an der FernUniversität

Multimedia und IuK-Technologien in der Hagener Lehre

Es ist Dienstagabend, 19 Uhr. Ein Klick und ich bin drin – im Seminarraum des Lehrgebiets Mediendidaktik der FernUniversität in Hagen. Mit mir warten 28 Studierende gespannt auf die erste Veranstaltung der Ringvorlesung „Game-Based-Learning“. Einige – ich übrigens auch – waren schon vor einer Stunde kurz da. Nicht, weil wir befürchten müssen, keinen Seminarplatz mehr zu bekommen. Anmelden musste man sich bereits vorab und die Vorlesung ist schon seit einer Woche ausgebucht. Ebenso wenig geht es darum, einen Sitzplatz mit möglichst guter Sicht auf den Vortragenden und die Power-Point-Präsentation zu ergattern.

Alle können da sitzen, wo sie wollen: Auf dem Sofa zuhause oder am eigenen Schreibtisch, nur nicht in der FernUniversität. Das Internet macht es möglich. Und besucht haben ich und einige andere den virtuellen Seminarraum auch nur, um einfach rechtzeitig zu prüfen, ob die Technik funktioniert.

„Game-Based-Learning“ ist eine online-basierte Ringvorlesung und findet im virtuellen Seminarraum, unterstützt vom Web-Kommunikationssystem Adobe Connect, statt. Lediglich einen PC und DSL-Internetanschluss müssen die Studierenden zur Verfügung haben. „Optional außerdem eine Webcam und ein Headset“, hatte Claudia Schrader, Organisatorin und Moderatorin der Veranstaltungsreihe, im Vorfeld denen empfohlen, die mit eigenem Ton und Bild teilnehmen möchten. Eine technische Einführung und den Zugang zum virtuellen Seminar hatte sie bereits vor einigen Tagen per Mail geschickt. Alle Studierenden haben sich erfolgreich eingeloggt – auch mein Name ist in der virtuellen Teilnehmerliste auf dem Bildschirm zu sehen.

Claudia Schrader vom Lehrgebiet Mediendidaktik der FernUniversität in Hagen begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur virtuellen Ringvorlesung Claudia Schrader vom Lehrgebiet Mediendidaktik der FernUniversität in Hagen begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur virtuellen Ringvorlesung "Game-Based-Learning"

„Herzlich willkommen zur ersten Veranstaltung der Ringvorlesung Game-Based-Learning“, begrüßt uns Claudia Schrader via Headset. „In den folgenden Wochen werden neun bekannte Fachleute auf diesem Gebiet das Thema ’Lernen mit digitalen Medien´ aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten“, erklärt sie den Aufbau der Ringvorlesung. Auch weil die Referierenden im virtuellen Seminarraum ihren Vortrag von zu Hause aus halten können, konnte das Lehrgebiet Mediendidaktik sie kostenfrei gewinnen.

Anmelden können sich die Studierenden übrigens auch nur für einzelne der neun Veranstaltungen – je nach Interesse und eigenem Wissensstand. Zur besseren Übersicht der fachspezifischen Schwerpunkte ist die Vorlesungsreihe in die Bereiche „Learning Situation“, „Gameplay Situation“, „Storytelling Situation“ und „Social context/Identifcation“ untergliedert.

In einem virtuellen Seminarraum gelten die gleichen Umgangsregeln wie in einem realen. Wer sich meldet, bekommt das Wort erteilt. Damit nicht alle durcheinander reden, sind Kamera und Ton für uns während der Vorlesung noch nicht frei geschaltet. Wir können aber jederzeit Fragen und Anmerkungen über die Chatfunktion an Claudia Schrader senden, die diese im Anschluss anmoderieren und an den Vortragenden weitergeben wird. Wer möchte – und das technische Equipment hat – kann sie dem Referenten oder der Referentin auch selbst stellen.

Heute ist das Dr. Michael Klebl, Juniorprofessor für CSCL (Computer Supported Collaborative Learning) am Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität in Hagen. Claudia Schrader hat seine Webcam und seinen Ton frei gegeben, so dass jetzt er im „Kamerafenster“ auf meinem Bildschirm zu sehen ist. In seinem Vortrag „(Spiel-)Pädagogische Grundlagen zum Game-Based-Learning“ geht er auf die historischen und modernen bildungswissenschaftlichen Zugänge zum Phänomen „Spiel“ ein.

Wir erfahren unter anderem, dass der anthropologisch-historische Ansatz den Menschen als „Homo ludens“ sieht – erst im Spiel wird der Mensch zum Menschen. Der entwicklungspsychologische Ansatz geht einen Schritt weiter und fragt, wie sich Spielen auf seine psychomotorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten auswirkt.

„Gibt es bereits erste Anmerkungen zu diesem Vortrag?“ fragt Claudia Schrader über die Chatfunktion das Plenum. Zu sehen sind die Wortmeldungen der Studierenden nicht auf dem Bildschirm. Die Moderatorin wird sie – wie angekündigt – nach dem Vortrag zur Diskussion stellen.

„Im Lehr- und Lernprozess lassen sich Phasen des Spiels und Wissenserwerbs kombinieren und ergänzen“, fährt Jun.-Prof. Klebl fort. Computerspiele beinhalten oft Problemstellungen, die Nutzer handeln, sammeln Erfahrungen und lernen daraus. Anhand des Computerspiels „Peace Maker“ verdeutlicht er zum Ende seines Vortrages diese Systematik. „Peace Maker“ simuliert den Nah-Ost-Konflikt. Die Spielerin oder der Spieler spielt entweder die Rolle des israelischen Premierministers oder des Präsidenten Palästinas. Ziel des Spiels ist es, durch die eigenen Handlungen und Entscheidungen Frieden zwischen den verfeindeten Parteien herzustellen.

Auch während des Seminars können Fragen gestellt werden. Im Anschluss an den Vortrag moderiert Claudia Schrader diese an und gibt sie an Jun.-Prof. Klebl weiter Auch während des Seminars können Fragen gestellt werden. Im Anschluss an den Vortrag moderiert Claudia Schrader diese an und gibt sie an Jun.-Prof. Klebl weiter

Claudia Schrader hat die Anmerkungen der Studierenden gesichtet, gibt sie an Jun.-Prof. Klebl weiter und stellt sie in den virtuellen Raum. Wer seine Frage selbst stellen möchte, bekommt von ihr das Rederecht und erscheint im Kamerafenster. Ob „Peace Maker“ nicht erst Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen erzeugen oder diese verstärken würde, fragt ein Student beispielsweise zum Abschluss der Veranstaltung. „Nicht zwangsläufig, denn erfolgreich ist in diesem Spiel nur, wer ein Gleichgewicht zwischen den Parteien herstellt“, so die Antwort von Jun.-Prof. Klebl.

Es ist jetzt 20.30 Uhr und die erste Sitzung der Ringvorlesung „Game Based Learning“ geht dem Ende zu. Claudia Schrader und Jun.-Prof. Dr. Michael Klebl bedanken sich bei uns für unsere Aufmerksamkeit. Ich fand den Vortrag und die Diskussion sehr interessant. Auch wenn ich keine Studentin der Bildungswissenschaft, sondern Volontärin der Pressestelle der FernUni bin.

Manuela Feldkamp | 29.04.2008
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