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Aktuelles - Mai 2008

Diplomarbeit mit innovativem Charakter: FernUni-Student erfindet Diabetes-Handy

Wie der Vater so der Sohn: René Seidel freut sich über hervorragendes Lehrmaterial


Er wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Deshalb hat René Seidel an der FernUniversität in Hagen Wirtschaftswissenschaft studiert. „Ich interessiere mich sehr für wirtschaftswissenschaftliche Themen, wollte aber auch Medizin studieren.“ Weil ihm nach dem Abitur der Notendurchschnitt dafür fehlte und „Warten Zeitverschwendung“ ist, änderte er die Reihenfolge seiner persönlichen To-do-Liste kurzerhand. Dann eben erst das betriebswirtschaftliche Studium, aber mit der Option, dieses jederzeit mit einem Medizinstudium – was bekanntlich ausschließlich an Präsenzuniversitäten angeboten wird – kombinieren zu können. „Ich wollte flexibel bleiben.“ Auf ein Studium an der FernUniversität in Hagen hat ihn sein Vater gebracht. „Er hat selbst hier studiert.“

2006 bekam René Seidel die Zulassung für das Medizinstudium in Würzburg, Ende 2007 hatte er seinen ersten akademischen Abschluss in der Tasche: das BWL-Diplom. „Die letzten zwei Semester waren schon ‚der Hammer’“, gibt er ehrlich zu, „aber ich würde es jederzeit wieder so machen. Das Konzept der FernUniversität hat mich einfach überzeugt. Das Lehrmaterial ist didaktisch hervorragend aufbereitet und wann ich den Stoff gelernt habe, war mir selbst überlassen. Nur so hatte ich die Möglichkeit, parallel Medizin zu studieren.“


Diplomarbeit an der FernUni zum Thema Diabetes


Wer denkt, dass es jetzt ein wenig ruhiger im Leben des Zirndorfers geworden wäre, irrt. In seiner Diplomarbeit „Volkskrankheit Diabetes mellitus – Herausforderung für Medizin, Psychologie und Wirtschaftswissenschaften“ beschäftigte sich der 26-jährige mit den wirtschaftlichen Aspekten der Krankheit und der Frage nach einer ausdifferenzierten Klassifizierung der einzelnen Diabetes-Formen. Eine glatte Eins hat er dafür bekommen. Schlagzeilen aber hat er mit einem „Nebenprodukt“ seiner Abschlussarbeit gemacht. Lediglich eineinhalb Seiten nimmt das Konzept zu seinem „Gluco-Handy“ darin ein. „Das Thema meiner Arbeit beleuchtet natürlich auch die Situation der an Diabetes erkrankten Menschen. Die Idee zu dem Gluco-Handy entstand mit der Überlegung, wie man ihnen das Leben erleichtern kann.“ Sogar das Fernsehen hat schon über den FernUni-Absolventen und seine Erfindung berichtet.

Das lebensnotwendige Equipment eines an Diabetes erkrankten Menschen: Ein Blutzuckermessgerät samt Zubehör Das lebensnotwendige Equipment eines an Diabetes erkrankten Menschen: Ein Blutzuckermessgerät samt Zubehör
René Seidel hat die Einzelteile des Blutzuckermessgeräts in einem Handy integriert. Von vorne sehen Prototyp Eins (li.) und Prototyp Zwei aus wie handelsübliche Mobilfunkgeräte... René Seidel hat die Einzelteile des Blutzuckermessgeräts in einem Handy integriert. Von vorne sehen Prototyp I (li.) und Prototyp II aus wie handelsübliche Mobilfunkgeräte....
...unter der Fimo- bzw. Hartplastikschale hat René Seidel alle notwendigen Utensilien zur Messung und Bestimmung des Blutzuckerwertes eingebaut ...unter der Fimo- bzw. Hartplastikschale hat René Seidel alle notwendigen Utensilien zur Messung und Bestimmung des Blutzuckerwertes eingebaut
Ein Stich in den Finger, ein Tropfen Blut auf den Teststreifen, den Teststreifen in das Handy gesteckt und das Display auf der Rückseite zeigt den Wert Ein Stich in den Finger, ein Tropfen Blut auf den Teststreifen, den Teststreifen in das Handy gesteckt und das Display auf der Rückseite zeigt den Wert
Im Notfall muss er das Gerät nur umdrehen und kann direkt einen Notruf aussenden Im Notfall muss er das Gerät nur umdrehen und kann direkt einen Notruf aussenden

Gluco-Handy: Aus zwei mach eins


Selbst seit 20 Jahren Diabetiker und genervt davon, jederzeit und überall ein Blutzuckermessgerät samt Zubehör bei sich haben zu müssen, hatte René Seidel eine Idee mit großem Potenzial. Sechs Millionen Diabetiker leben in Deutschland. „Es gibt doch heutzutage kaum jemanden, der kein Handy besitzt. Da liegt es doch nahe, beides – Blutzuckermessgerät und Handy – in einem Gerät zu kombinieren“, war seine Überlegung. „So etwas gab es noch nicht, also wollte ich es mir selbst bauen.“

Gesagt, getan? Ganz so einfach sei es dann doch nicht gewesen, schmunzelt er und beschreibt den Herstellungsprozess. Ein Blutzuckermessgerät auf dem vergleichsweise kleinen Handyrücken zu integrieren sei schon kniffelig gewesen. Deshalb hat er das Messgerät auseinandergenommen und die Einzelteile mittels Schleifen und Löten auf das notwendige Minimum reduziert. So war das Platzproblem zwar gelöst, befestigt waren die einzelnen Bestandteile aber noch nicht auf dem Handy.

"Ich benötigte ein Material, das während des Bauprozesses flexibel formbar und später fest ist“, erklärt er, warum er sich zunächst für Fimo entschied – eine modellierbare Knetmasse, die bei 150 Grad im Backofen aushärtet. Daraus hat er eine Schale gebaut, die exakt auf die Rückseite des Handys passte. „Vor dem Backen“, sagt Seidel trocken. Danach verzog sie sich und passte nicht mehr auf das mobile Telefon. Jetzt war guter Rat teuer. Denn beides zusammen backen ging auch nicht, denn „Handys vertragen maximal 60 Grad.“ Letztendlich musste Seidel schwitzen. Vier Stunden hielt er einen Fön auf seine Konstruktion und härtete die Knetmasse so aus. Das hat funktioniert. „Aber es wurde recht zügig extrem warm im Bad“, lacht er.

Auf dem Rücken des Handys befanden sich nun die Einzelteile zum Bestimmen des Blutzuckerwertes, die durch die Fimoschale fixiert wurden. Einige Tests musste dieser Prototyp Eins über sich ergehen lassen. „Wind und Wetter sowie Saunabesuchen hat es erst nach mehreren Wochen nachgegeben“, erinnert er sich zufrieden.

Dass er bei späteren Prototypen Fimo durch Hartplastik austauschte, hatte ausschließlich optische Gründe. „Hartplastik lässt sich auch in der Farbe des Handys lackieren.“


Promotionsvorhaben: Gluco-Handy löst automatisch Notruf aus


Wenn René Seidel jetzt unterwegs ist, muss er nur noch sein Handy einstecken und hat damit auch alle Utensilien zur Bestimmung seines Blutzuckerwertes dabei. Ein Stich in den Finger, ein Tropfen Blut auf den Teststreifen, den Teststreifen in das Handy gesteckt und das Display auf der Rückseite zeigt den Wert. Im Notfall muss er das Gerät nur umdrehen und kann direkt einen Notruf aussenden.

Dass seine Idee überzeugt, zeigen Seidel erste Nachfragen aus der Wirtschaft.
Was zunächst lediglich so etwas wie ein „Extra“ seiner Diplomarbeit an der FernUniversität in Hagen war, will Seidel nun aufgrund der positiven Resonanzen im Rahmen einer Promotion weiter ausbauen. „Konkret stelle ich mir vor, dass das Handy bei kritischen Zuckerwerten automatisch eine Rettungsstelle alarmiert“, erklärt er.
Manuela Feldkamp | 02.05.2008
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