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Aktuelles - Juni 2008

„Für Vorlesungen hatte ich keine Zeit“

Sebastian Winters genoss das wissenschaftliche Arbeiten bei Vollzeit-Fernstudium

„Berufsausbildung oder Studium?“ Mit dieser Entscheidung plagte sich der damals 19-jährige Sebastian Winters nach seinem Abitur im Jahre 1997. Erschwerend kam hinzu: wenn Studium, dann Betriebswirtschaftslehre. Und am liebsten im Ausland. Seine Eltern gaben ihm den Rat, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren und dann zu studieren. Ganz der „Familientradition“ verpflichtet war eine solche Ausbildung für ihn ebenfalls naheliegend. Zudem hatte er sich bereits als Jugendlicher mit Wertpapieren befasst“. So durchlief er 1998 bis 2000 bei der Deutschen Bank in Düsseldorf „eine ganz klassische Bankausbildung“. Schon damals faszinierten ihn die Vermögensberatung und -verwaltung.

Beruf hatte Priorität

Am Ende der Ausbildung stand er erneut vor der Frage: Beruf oder Studium? Er blieb im Konzern der Deutschen Bank und begann bei einer Tochtergesellschaft in Frankfurt am Main. Sein Aufgabenspektrum war sehr breit, insbesondere ging es um die Vorbereitung von Gesprächen mit vermögenden Kunden, die intensiv betreut wurden – weit über das eigentliche Geldanlagegeschäft hinaus. Ein spannendes Gebiet, „mein Beruf machte mir großen Spaß, ich wollte ihn nicht aufgeben“. Dennoch blieb der Studienwunsch.

So erinnerte er sich daran zurück, dass er als Zivildienstleistender bereits ein Semester BWL an der FernUniversität belegt hatte: „Daher kannte ich das ‚System FernUniversität’ ja bereits“. Hinzu kam, dass einige seiner Kolleginnen und Kollegen ebenfalls in Hagen immatrikuliert waren.

Keine Alternative zur FernUniversität

„Natürlich hatte ich mich auch bei einigen anderen Anbietern informiert, aber ich brauchte eine Flexibilität, die mir nur die FernUniversität in Hagen bieten konnte“, erinnert sich Winters zurück, „für den Besuch von Vorlesungen hatte ich beim besten Willen keine Zeit“. Das FernUni-Studium war an seine eigene Zeitplanung anpassbar.“ Außerdem wollte er ja ein „breit aufgestelltes Universitätsstudium – da blieb einfach nur die FernUniversität“. Hinzu kamen die Hinweise von studierenden Kolleginnen und Kollegen auf die „interessanten Präsenzveranstaltungen“ in den Studienzentren, z. B. Klausurvorbereitungen oder Bildungswochen: „Das habe ich im Grundstudium extensiv ausgenutzt.“

Nicht nur Winters hielt es so: Die Präsenzkurse hatten einen unheimlichen Zulauf, „es gab einen richtigen FernUni-Tourismus – einige Kommilitoninnen und Kommilitonen habe ich immer wieder getroffen.“ Wichtig war die Erkenntnis, dass es „Leidensgenossen“ gab, schmunzelt Sebastian Winters. Schließlich konnte man die anderen an den eigenen Erfahrungen teilhaben lassen: „Man kennt ja den einen oder anderen Lehrstuhl schon, die Kontakte zu den anderen Studierenden waren besonders im Hinblick auf meine Diplomarbeit sehr nützlich.“

Vollgas statt „weiterplätschern“

Nach dem Ende des Grundstudiums kletterte Sebastian Winters 2003 in der Deutschen Bank weitere Schritte auf der beruflichen Karriereleiter nach oben: „Das Studium plätscherte deshalb eineinhalb Jahre vor sich hin – das ‚wurmte’ mich.“ Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er seinem eigenen Anspruch „richtig oder gar nicht“ kaum gerecht werden konnte: „Soll ich also das Studium so weiterlaufen lassen oder richtig Gas geben?“ Sein Arbeitgeber jedenfalls hatte großes Verständnis und bot ihm eine Teilzeitstelle an, aber er wollte den Kopf richtig frei bekommen: Er kündigte seine sichere Position zum 30. Juni 2006 und studierte nun in Vollzeitform. Im Juli 2006 nahm er an einem Seminar des Lehrgebiets Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge teil, schrieb drei Klausuren und begann mit seiner Diplomarbeit: „Dies war – nach der Heirat meiner Frau – die beste Entscheidung meines Lebens.“

Plötzlich hatte er Zeit, sich intensiv mit den Themen des Studiums zu befassen. Fast täglich lieh sich Winters in der Deutschen National-Bibliothek in Frankfurt Sekundärliteratur aus, um sein Wissen zu vertiefen: „Die wissenschaftliche Arbeit habe ich nach all den Jahren im Job wirklich wieder genossen.“

Riesenvorteil in Harvard

Und er wusste, was ihm seine Zeit wert war: „Wenn man einmal gearbeitet hat, kann man sich ja ausrechnen, was an Gehalt pro Stunde verloren geht.“ Um den (materiellen) Verlust in Grenzen zu halten, hielt er sich an ein strenges Zeitmanagement: Morgens um 7 Uhr stand er auf und betrat gegen 10 Uhr die National-Bibliothek. Der Arbeitstag des Vollzeitstudenten dauerte dann bis 18 Uhr. So blieb auch noch Zeit für seine Frau, Freunde, Sport und sogar für ein Auslandsstudium, mit dem er sich einen Traum erfüllte: Am 21. Juni 2007 begann die Summer School an der US-Elite-Uni Harvard. Dort belegte er zwei Kurse zur Unternehmensbewertung. Auch während dieser Zeit hielt er weiter Kontakt zu seinem Hagener Lehrgebiet.

Winters fiel auf, dass die deutschen Studierenden in seinen Kursen durchweg zu den Besten gehörten, „wohl wegen der fundamentalen akademischen Ausbildung in Deutschland und ihrem analytischen Denkvermögen. Ich hatte durch die mathematische Ausrichtung meines FernUni-Studiums einen Riesenvorteil.“

An Themen und Aufgaben strukturiert herangehen

Nach dem erfolgreichen Studienabschluss als Diplom-Kaufmann setzt er nun seine berufliche Karriere in einem Tochterunternehmen der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim fort. Zu seinen Aufgaben im „Family Office“ gehört die Beratung und Betreuung umfangreicher Kundenvermögen. Eine Tätigkeit, für die viel Fingerspitzengefühl, analytisches Denkvermögen, schnelle Auffassungsgabe auch unter hohem Zeitdruck und Offenheit für neue Thematiken benötigt wird. „Um strukturiert an Themen und Aufgaben herangehen zu können, waren meine frühere Berufstätigkeit und das FernUni-Studium optimale Vorbereitungen“, zieht Sebastian Winters Bilanz. Sicherlich nur eine Zwischenbilanz, wenn sein bisheriger Berufsweg auf die Zukunft schließen lässt.

Gerd Dapprich | 05.06.2008
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