Die Robert-Bosch-Stiftung hat erneut Drittmittel zur Verfügung gestellt, um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Historischen Institut der FernUniversität in Hagen und verschiedenen Hagener und Lüdenscheider Schulen zu fördern. Das Projekt trägt den Titel: „Global – Lokal. Migration und Identität“. Es knüpft an die Projekte unter dem Titel „Spurensuche“ des Instituts mit Hagener Schulen in den Jahren 2005 bis 2007 an. Die Robert-Bosch-Stiftung stellt 55.000 Euro zur Verfügung.
Bei dem neuen Projekt „Global-lokal“ geht es nun um Migration und Identität, um Kulturtransfer und lebensgeschichtliche Erinnerung im lokalen Raum. Geschichtswissenschaftler des Historischen Instituts und des Instituts für Geschichte und Biographie der FernUniversität mit Sitz in Lüdenscheid wollen dabei mit Lehrerinnen und Lehrern, 150 Schülerinnen und Schülern mehrerer Schulen in beiden Städten historische Spuren im eigenen Lebensumfeld suchen.
Beteiligt sind das Zeppelin- und das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüdenscheid, das Rahel-Varnhagen-Kolleg, das Albrecht-Dürer- und das Ricarda-Huch-Gymnasium sowie die Gesamtschule Haspe in Hagen. Die wissenschaftliche Leitung haben apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch, Dr. Eva Ochs und Prof. Dr. Reinhard Wendt. Sie informieren über aktuelle Forschungstendenzen, erläutern, wie Probleme historisch aufbereitet werden können und welche Möglichkeiten es gibt, Informationen zu den verschiedenen Fragestellungen zu sammeln, auszuwerten und zu interpretieren. Zu den theoretischen und methodischen Inputs tritt auf Wunsch die Beratung und Unterstützung in forschungsstrategischen und inhaltlichen Fragen. Zur „Datenerhebung“ steht die Universitätsbibliothek zur Verfügung, Besuche dort mit Rechercheübungen werden angeboten.
Einflüsse fremder Kulturen im Alltag aufspüren
Ausgehend von dem Begriffspaar „Migration und Identität“ soll das Vorhaben zum einen Einflüsse fremder Kulturen in der Alltagsrealität aufspüren und ihre Bedeutung für Selbstwahrnehmung und Identitätsbildung bestimmen. Zum anderen sollen erfolgreiche oder misslungene Integrationswege nachverfolgt werden. Dabei nutzen die Schülerinnen und Schüler Instrumentarien der biographischen Forschung: das (narrative) Interview nach der Methode der Oral History, die Recherche nach Tagebüchern, Briefen und anderen schriftlichen Dokumenten sowie nach Hinterlassenschaften, Erinnerungsstücken und weiteren Spuren.
Das Vorhaben greift zwei wesentliche Ziele des Denkwerk-Programms auf. Erstens gewährt es Schülern und Lehrern einen Einblick in aktuelle geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung. Zweitens betraut es Schülerinnen und Schüler mit kleineren, eigenständigen Forschungsprojekten und vermittelt ihnen auf diese Weise Fragestellungen und Methoden der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Das Vorhaben hat nicht nur vom Ansatz her lebensgeschichtlichen Charakter. Alle Teilprojekte nutzen Anknüpfungspunkte in der Alltagsrealität der Schülerinnen und Schüler, um die jeweiligen Themen zu entfalten und zu erschließen. Das kann die eigene Familiengeschichte sein, aber auch diejenige von Personen, die für das persönliche oder das regionale Umfeld von Bedeutung sind oder waren. Es eignen sich aber auch Erfahrungen im Sportverein, Beobachtungen im Familienleben oder in der örtlichen Ernährungskultur, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Verlauf des Projekts mit den Konzepten von Kulturtransfer und transnationaler Geschichte und mit dem Verhältnis von Mikro- und Makrogeschichte ebenso vertraut gemacht werden wie mit den Techniken wissenschaftlichen Arbeitens. Sie sollen lernen, Fragestellungen und Recherchestrategien zu entwickeln, werden in wissenschaftlichen Bibliotheken arbeiten und wenden die Methode der Oral History an. Lernziel ist dabei auch, sich mit den grundlegenden Fragen historischer Quellenkritik auseinanderzusetzen, die sich bei schriftlichen biographischen Quellen, Tagebüchern, Memoiren, bei bildlichen Überresten wie Filmen, Fotographien oder Porträts, aber auch bei so genannten „objektiven“ Quellen wie Kirchenbüchern oder Akten des Standes- bzw. Einwohnermeldeamtes ergeben.
Ein weiteres Ziel besteht darin, Wege der Identitätskonstruktion sichtbar zu machen und Bewusstsein für die Genese der eigenen Region und die Entwicklung des Selbstbildes ihrer Menschen in der Auseinandersetzung mit einer Vielfalt von Außenimpulsen zu entwickeln. Schließlich sollen die Schülerinnen und Schüler Wege und Formen multimedialer Präsentation der von ihnen gesammelten Informationen und gewonnenen Erkenntnisse entwickeln und realisieren.
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