Ist die Familie ein Auslaufmodell oder machen wir uns nur falsche Vorstellungen von ihrer Vergangenheit und Gegenwart? fragte der Leiter des Lehrgebiets Soziologie I – Individuum und Gesellschaft der FernUniversität. Was erwarten Eltern von ihren Kindern? Und warum wird die Erziehung immer schwieriger? Wer identifiziert sich mit wem, wenn Jugendlichkeit als erstrebenswertes Muster gilt und Medien ungefragt und ungeniert sagen, wie man heute am besten über die Runden kommt?
Seine Ergebnisse aus jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit machten das sehr gemischte Auditorium nachdenklich und diskussionsfreudig: Viele Eltern nehmen sich heute ein Beispiel an ihren Kindern und eifern ihnen nach, wenn es um Modefragen geht – Hauptsache jugendlich. Damit allerdings nehmen sie der Jugend das, was sie am stärksten auszeichnet und unterscheidet und was unwiederbringlich ist – das Jugendliche.
Nicht enttäuscht wurden die fast 100 Zuhörerinnen und Zuhörer...
Gegen „starke Konkurrenz“ durchsetzen musste sich Prof. Dr. Dr. Heinz Abels mit seinem Vortrag bei der Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „Bürgeruniversität Lippstadt“: Am selben Abend spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und der Comedian Jürgen von der Lippe trat gleichzeitig in seiner Namenspatenstadt auf. Und obwohl das noch nicht einmal die einzigen Veranstaltungen waren, hatten sich 100 Interessierte angemeldet – und fast alle kamen auch in die vom Studienzentrum der FernUniversität in Hagen und ihrem Förderverein verantwortete Veranstaltung in der Thomas-Valentin-Stadtbücherei, allerdings weit überwiegend Frauen. Insgesamt zeigte die Resonanz aber, wie wichtig das Thema „Die Familie heute: Wer erzieht eigentlich wen und wozu?“ ist. Fast zwei Stunden dauerten der Vortrag und die lebhafte Diskussion.
...von dem öffentlichen Vortrag, den Prof. Heinz Abels in der Bürgeruni Lippstadt hielt
Junge Leute wiederum nehmen sich das Recht, von ihren Eltern Rechenschaft zu fordern über deren Grundwerte, nach denen diese sie erziehen wollen. Gleichzeitig verweigern sie sich jedoch – ohne Erklärung! – den Erziehungsversuchen: „Alle anderen dürfen das auch!“ ist ein Argument, dem auch Prof. Abels – selbst Vater – in der Erziehung nicht viel entgegenzusetzen hatte. Orientierung finden sie stattdessen in ihren Cliquen und Gruppen. Und im Fernsehen und zunehmend im Internet sowie anderen Medien, die einfache Universallösungen für komplizierte individuelle Probleme propagieren: „Zehn Regeln für Erfolg“… u. ä.
Wer nun allerdings an der oberflächlichen, faulen, unhöflichen Jugend verzweifelt, die nichts schafft – „Wer soll einmal unsere Rente bezahlen? Und wir haben Deutschland wieder aufgebaut“ – sollte eines wissen: Genau diese Klage über die nachfolgende hat seit Tausenden von Jahren noch jede Generation geäußert. Dabei ist die heutige Jugend gar nicht so anders als die ganze Gesellschaft. Sie vertritt problemlos „alte“ Werte wie Zuverlässigkeit und gleichzeitig „neue“ wie Selbstständigkeit und Toleranz. Die Jugendlichen nennen zu 90 Prozent ihre Eltern, wenn sie nach Vorbildern gefragt werden. Und keine Superstar-Eintagsfliegen. Prof. Abels, der viel von seiner Tochter gelernt hat: „In dieser Jugend, die ja ein Ergebnis unserer Gesellschaft ist, erkenne ich mich selbst wieder!“
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