Kaffee, Cappuccino oder doch lieber Tee? Schon beim Frühstück fängt an, was sich durch den gesamten Tag zieht: Wir müssen uns entscheiden. Innerhalb routinierter Abläufe treffen wir unsere Wahl schnell, oft ohne groß darüber nachzudenken. Wird die Tragweite größer, fällt die Entscheidung gleich viel schwerer. „Für dieses Thema sind wir alle Experten“ begrüßte Dr. Sylvia Marlene Wilz, Juniorprofessorin für Soziologie organisationaler Entscheidungen an der FernUniversität in Hagen, am 14. Juni die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Coesfelder Bürgeruniversität (Informationen zur Coesfelder Bügeruni und eine Bilanz dazu gibt der Film in der rechten Spalte). Bei dem letzten Seminar der ersten Serie dieser Veranstaltungsreihe ging es um „Kopf oder Zahl? Wie in Organisationen Entscheidungen getroffen werden“.
Jun.-Prof. Sylvia Marlene Wilz von der FernUniversität in Hagen leitete das vierte Seminar der Veranstaltungsreihe "Coesfelder Bürgeruniversität"
Dazu analysierten die Teilnehmenden unter anderem in Gruppen einen konkreten Fall. Jun.-Prof. Sylvia Marlene Wilz stellte ihnen anonymisiertes Interviewmaterial von drei Beteiligten an einem Entscheidungsprozess aus ihrem Projekt „Betriebliche Reorganisation in process“ zur Verfügung.
Der Fall: Ein Manager in mittlerer Führungsposition einer Versicherung hat im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen die Aufgabe, eine der insgesamt vier Sachbearbeitergruppen seiner Abteilung und damit auch eine Führungsposition abzubauen. Die anderen drei Gruppen gilt es neu zu formieren und dabei auch eine stellvertretende Leitungsposition zu besetzen. Zur Auswahl stehen drei Personen. Der Mitarbeiter, der die Stelle letztendlich erhält, verfügt über die höchste fachliche Qualifikation. War das tatsächlich der ausschlaggebende Grund für die Entscheidung des Managers? Wurde mit Kalkül oder vielleicht doch "aus dem Bauch heraus" entschieden? Wer hat eigentlich die Entscheidung getroffen – tatsächlich der Manager?
"Kopf oder Zahl?" - Die Teilnehmenden waren gespannt darauf, wie in Organisationen Entscheidungen getroffen werden
Die Teilnehmenden untersuchten gruppenweise jeweils eines der drei Interviews. Letztendlich fügten sich die Ergebnisse wie Puzzleteile zu einem Bild zusammen. Ein Teilnehmer resümierte: „Wer über die Stellenbesetzung entschieden hat, ist unklar. Zudem scheint die Entscheidung zufällig gefallen zu sein. Argumentativ gerechtfertigt wurde sie von den Beteiligten erst im Nachhinein.“
„Wie der Entscheidungsprozess verlaufen ist, können wir in verschiedenen Varianten empirisch nachvollziehen. Über das Warum lassen sich hingegen nur Vermutungen anstellen“, erklärte Sylvia Wilz. Sie räumte aber ein, dass die vermutete Entscheidungspraxis in der Realität durchaus vorkäme. Einem wissenschaftlichen Modell entspricht sie nicht.
In Arbeitsgruppen stiegen sie in die Analyse eines konkreten Falles ein
Wissenschaftliche Modelle der Entscheidungsfindung sind beispielsweise das konventionelle und das Kreislaufmodell. Beim „konventionellen Modell“ folgen der Problemformulierung als Ausgangsschritt die Informationsbeschaffung und die Entwicklung von Entscheidungsalternativen. Bevor der Entschluss fällt, werden diese verglichen und bewertet. Abschließend erfolgt die Erfolgskontrolle. Im Fokus stehen Rationalität, Reflexion und Kognition.
Das „Kreislaufmodell“ des Entscheidens zielt hingegen auf Interpretationen und Impulse, Denken und Handeln ab. Alle Mitglieder einer Organisation stehen in Bezug zueinander. Wechselseitige Impulse bewirken, dass immer mehrere Mitglieder an einer Entscheidung beteiligt sind.
Was ist also das Entscheidende am Entscheiden? Eine allgemeingültige Antwort kann es nicht geben, stellten die Teilnehmenden fest. „Entscheidungen sind nie losgelöst vom Inhalt und der Situation, in der sie getroffen werden“, bestätigte Sylvia Marlene Wilz.

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