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Aktuelles - Juni 2008

Konzeptionelle Gesamtperspektive ermöglicht

Tagung zu „Kommunikation und Konfliktaustragung“ des Promotionskollegs der FernUniversität in Hagen

35 Historikerinnen und Historiker nahmen an der Tagung „Kommunikation und Konfliktaustragung" des Historischen Promotionskollegs an der FernUniversität teil

35 Historikerinnen und Historiker nahmen an der Tagung „Kommunikation und Konfliktaustragung. Verfassungskultur als Faktor politischer und gesellschaftlicher Machtverhältnisse vom Spätmittelalter bis in die Moderne“ des Historischen Promotionskollegs an der FernUniversität in Hagen teil, das am 20. und 21. Juni stattfand. Die Teilnehmenden kamen mehrheitlich aus Deutschland, einige auch aus Frankreich und Österreich. Referenten waren an den Universitäten lehrende und forschende Wissenschaftler, aber auch die Doktoranden des Promotionskollegs, welche die Tagung organisiert hatten.

Die Veranstaltung widmete sich verfassungskulturell fundierten Praktiken der Kommunikation und Konfliktaustragung in besonderen Krisenmomenten, in denen entweder Gegenentwürfe oder alternative Modelle die Legitimität staatlicher oder vorstaatlicher Ordnungssysteme in Frage stellen. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass politische Herrschafts- und Verfassungssysteme seit jeher auf bestimmte Praktiken der Kommunikation und Konfliktaustragung angewiesen sind, um sich selbst zu legitimieren und die Machtansprüche der in ihnen wirkenden Interessenparteien auszubalancieren. Diese Kommunikations- und Konfliktaustragungstechniken berühren die kulturelle Relevanz von politischer Herrschaft. Ob in der Vormoderne oder in der Moderne, politische Herrschaft kommt nicht ohne die Ausbildung einer ihr entsprechenden „Verfassungskultur“ aus. Diese ist als System der kulturellen Prägung politischer Gemeinwesen auf den Ebenen ihrer Institutionen sowie politischen und kulturellen Öffentlichkeiten zu verstehen.

Während der Tagung stand der spezifische Beitrag von Verfassungskulturen zur Lösung von Problemen der Identität und der Partizipation sowie von Krisen, die durch Außen-, Transfer- bzw. Netzwerkbeziehungen entstehen, im Mittelpunkt des Interesses. Der Fokus dieser Tagungssektionen war auf die verfassungskulturellen Initiativen, Vermittlungs- und Rezeptionsleistungen (symbolische Repräsentationen, symbolisch-rituelle Akte, Oratorik und Rhetorik, Diskurse u.a.) gerichtet, sowohl auf der institutionellen Ebene von Staat und Obrigkeiten als auch auf der gesellschaftlichen Ebene der politischen und kulturellen Öffentlichkeiten. Alle drei Sektionen verfolgten somit die Frage nach den „Spielregeln“ politischer Herrschaft.

Als vorteilhaft beurteilten die Tagungsteilnehmer vor allem die epochal übergreifende Ausrichtung der Veranstaltung, die dem Phänomen der Verfassungskultur in Fallbeispielen zur spätmittelalterlichen, frühneuzeitlichen und neueren Geschichte nachging. Die Tagung ermöglichte somit den beteiligten Wissenschaftlern eine seltene konzeptionelle Gesamtperspektive auf das Thema, ohne die unterschiedlichen Ansätze und spezifischen Begrifflichkeiten der einzelnen geschichtswissenschaftlichen Disziplinen zu nivellieren und zu leugnen. Daraus entwickelte sich ein konstruktives und reges Diskussionsklima, das wesentlich zum Erkenntnisgewinn beitrug.

Im Ergebnis ergab sich eine differenzierte Beurteilung der übergreifenden Eignung und Anwendbarkeit des Verfassungskulturbegriffs, wobei neue methodische Perspektiven für die konkrete Zusammenführung von Themen der vormodernen und modernen Verfassungsgeschichte aufgezeigt werden konnten.

Veranstaltungsort war das Arcadeon in Hagen.

Die Veranstalter – ein hochschuldidaktisches Pilotprojekt

Das Promotionskolleg der FernUniversität versteht sich als hochschuldidaktisches Pilotprojekt zur Graduiertenausbildung im Fernstudium. Während ansonsten Promotionskollegs durch die Residenzpflicht der Promovierenden am Ort der durchführenden Universität gekennzeichnet sind, um die Kommunikation und Kohärenz innerhalb des Kollegs zu gewährleisten, werden hier große Teile der Präsenzbetreuung und des direkten wissenschaftlichen Dialogs durch netzgestützte Kommunikations- und Lehrszenarien ersetzt.

Werner Daum | 23.06.2008
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