Rubriken

Aktuelles - August 2008

Ideen von erotischer Selbstverwirklichung und Demokratie

Ausstellung über den Schriftsteller Wilhelm Heinse in der Universitätsbibliothek der FernUniversität

Die Universitätsbibliothek der FernUniversität in Hagen zeigt in Zusammenarbeit mit dem Institut für neuere deutsche und europäische Literatur von Dienstag, 23. September bis Montag, 3. November 2008 die vom Goethe-Museum Düsseldorf erarbeitete Ausstellung „Wilhelm Heinse (1746-1803) – Der Verfasser des 'Ardinghello'“. Der Briefrom „Ardinghello und die glückseligen Inseln“ von 1787 gilt als der erste deutsche Künstlerroman. Die ungefähr achtzig Originalzeugnisse aus dem Bestand des Museums erinnern an einen Schriftsteller, dessen Ideen von erotischer Selbstverwirklichung und Demokratie auch heutzutage nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, 23. September, mit einem Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Volkmar Hansen vom Goethe-Museum Düsseldorf. Anschließend lesen Kriszti Kiss und Peter Schütze unter dem Titel „Wir sind ewig, unsterblich, nichts kann uns Schranken setzen!“ aus Heinses Roman „Ardinghello und die glückseligen Inseln“. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

Der 1746 in Thüringen geborene Wilhelm Heinse wurde in seinen literarischen Bestrebungen früh von den Dichtern Christoph Martin Wieland und Johann Wilhelm Ludwig Gleim unterstützt. 1774 konnte ihn Johann Georg Jacobi für seine in Düsseldorf herausgegebene Zeitschrift „Iris“ gewinnen. Im Kreis um dessen jüngeren Bruder Friedrich Heinrich Jacobi in Pempelfort bei Düsseldorf verbrachte Wilhelm Heinse zehn für ihn prägende und literarisch produktive Jahre. Dort traf er 1774 und 1792 auch mit Goethe zusammen. Verband die beiden Dichter zunächst die gemeinsame Ideenwelt des Sturm und Drang, änderte Goethe seine Meinung über Heinse nach der Rückkehr aus Italien 1788. Der Dichter des „Ardinghello“ war ihm nun verhasst, „weil er Sinnlichkeit und abstruse Denkweisen durch bildende Kunst zu veredeln und aufzustutzen unternahm“.

In den Jahren von 1780 bis 1783 bereiste Wilhelm Heinse Italien. Seine Tagebuchnotizen bildeten die Basis für seine intensiven Gemälde-, Skulpturen- und Architekturbeschreibungen, die in den Roman „Ardinghello und die glückseligen Inseln“ eingingen. Das Werk hat romantische Dichter wie Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel tief beeinflusst. Friedrich Hölderlin, der mit Heinse bekannt war und ihm seine Elegie „Brot und Wein“ widmete, hat in seinem Roman „Hyperion“ die freiheitlichen und pantheistischen Ideen des „Ardinghello“ aufgegriffen und weiterentwickelt. Provozierend auf viele Zeitgenossen Heinses und auf Literaturkritiker bis in das vergangene Jahrhundert wirkte die freizügige Darstellung von Erotik und Sexualität im „Ardinghello“. Sie trug dem Autor den Vorwurf der Sittenlosigkeit ein.

1786, ein Jahr vor dem Erscheinen des „Ardinghello“, wurde Wilhelm Heinse an den Hof des aufgeklärten Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz berufen. Dort wurde er Bibliothekar der kurfürstlichen Privatbibliothek. Er floh 1792 vor den französischen Revolutionstruppen, lebte zeitweise wieder in Düsseldorf und schließlich als Bibliothekar in Aschaffenburg, wo er 1803 starb.

Die Ausstellung ist montags bis donnerstags von 9 bis 19 Uhr geöffnet, freitags von 9 bis 16 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr.

FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de