Damit schließt sich für Klaus Weihrauch ein wissenschaftlicher Kreis, denn die erste Tagung des Informationsnetzes „Computability and Complexity in Analysis“ (CCA-Net) fand 1995 in Hagen statt. Dieses Netzwerk wird von seinem Lehrgebiet betrieben.
Weihrauch schloss 1970 in Hamburg sein Physikstudium mit dem Diplom ab. Bis 1972 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in St. Augustin, von 1973 bis 1976 Assistent an der Universität in Bonn, wurde dann Wissenschaftlicher Rat und Professor an der RWTH Aachen. Im Dezember 1979 kam er als Professor an der FernUniversität nach Hagen zurück. „Zurück“ deshalb, weil er 1959 aus Ostfriesland nach Letmathe zog und sein Abitur 1963 im heutigen Hagener Stadtteil Hohenlimburg abgelegt hatte. Geboren worden war er in Frankfurt an der Oder.
Sein Schwerpunkt in der Lehre war das Gebiet der Berechenbarkeit und in der Forschung das Gebiet der Berechenbaren Analysis. Dabei geht es um Fragen des Rechnens mit Computern auf den sog. reellen Zahlen, die ein fundamentales Konzept der Mathematik und ihren Anwendungen in allen Wissenschaften darstellen. Eine wissenschaftliche Herausforderung ergibt sich aus der Tatsache, dass Computer in endlicher Zeit nur endliche Daten verarbeiten können, aber fast alle reellen Zahlen, wie z.B. die berühmte Kreiszahl pi=3,14159..., unendliche Objekte sind. Die Berechenbare Analysis, zu der die Forschungsgruppe um Klaus Weihrauch entscheidende Beiträge geleistet hat, liefert eine gemeinsame mathematische Grundlage für die zwei traditionell getrennten Gebiete, die Berechenbarkeitstheorie der Informatik, die sich mit endlichen Objekten befasst, und die Numerik der Mathematik, die das Rechnen auf reellen Zahlen untersucht, dabei aber kein realistisches Berechenbarkeitsmodell kennt. Erst eine solche Grundlage erlaubt es, viele Fragen über das Rechnen auf reellen Zahlen präzise zu formulieren und gegebenenfalls auch zu beantworten: „Was können Computer grundsätzlich – und was können sie grundsätzlich nicht? Wie schnell sind bestimmte Probleme lösbar – und geht es nicht schneller? Wie kann man beweisen, dass ein Programm wirklich das tut, was es tun soll?“
An zwei Dinge denkt Klaus Weihrauch gern zurück: in der Forschung an das Vergnügen, immer Neues zu lernen, neue Zusammenhänge zu verstehen und nach meist langem Tüfteln selber neue Resultate zu finden; in der Lehre an die Freude, mit Studierenden zu arbeiten, sie zu motivieren, selber nachzudenken und eigene Wege zu gehen, und für das Fach zu begeistern. Gelungen ist dies auch bei seinen zwölf Doktorandinnen und Doktoranden, von denen heute vier selbst Professuren innehaben
Zusätzlich zu seinen Aufgaben in Forschung und Lehre engagierte sich Weihrauch auch in der akademischen Selbstverwaltung, zweimal als Dekan, mehrfach als Senatsmitglied und in verschiedenen Gremien.
Der FernUniversität will der Vater von zwei Kindern auch im Ruhestand erhalten bleiben und weiter wissenschaftlich arbeiten. Entspannung findet er vor allem im eigenen Garten.
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