Dem Computer Eigenschaften beizubringen, von denen man traditionell vermutet, dass nur Menschen sie besitzen – damit beschäftigt sich Prof. Dr. Hermann Helbig seit rund 35 Jahren. „Künstliche Intelligenz“ heißt seine Passion. Der Leiter des Lehrgebiets für Intelligente Informations- und Kommunikationssysteme in der Fakultät für Mathematik und Informatik der FernUniversität in Hagen feiert heute, 21. August, seinen 65. Geburtstag.
Prof. Dr. Hermann Helbig
Seit 1992 ist Helbig, verheiratet und Vater zweier Kinder, Professor an der FernUniversität. Der gebürtige Sachse hat in Leipzig Physik studiert und kam über seine Forschung auf dem Gebiet der Kernresonanz-Spektroskopie zur Forschung auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. 1970 wechselte er nach Dresden, wo er 1976 zum Dr.rer.nat. promovierte. Seine Habilitation schloss Hermann Helbig 1986 ab. Als Honorardozent an der Technischen Universität Dresden baute er dort die Vorlesungen zur Künstlichen Intelligenz auf. Gleichzeitig arbeitete Helbig in der Industrie und entwickelte Geoinformationssysteme für Siemens-Nixdorf. An der FernUniversität betrat er zumindest mit dem System der Fernlehre Neuland: „Die Fernlehre kannte ich ja vorher nicht. Sie hat mich aber wegen der völlig anderen Lehrform durchaus gereizt“, beschreibt er seinen Wechsel von einer Präsenzuniversität zur FernUni.
Seine Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz baute er in Hagen aus. Computer sollen so programmiert werden, dass sie menschliche Eigenschaften wie Problemlösungskompetenz erhalten, logische Schlüsse ziehen sowie vor allem natürliche Sprache verstehen können. Hermann Helbig befasst sich mit automatischer Sprach- und Wissensverarbeitung sowie mit Computerlexikografie. Angefangen hat der Informatiker mit Anwendungen für Datenbanken. Jetzt beschäftigen er und seine Mitarbeiter sich vor allem mit Internet-Suchmaschinen und dem natürlichsprachigen Zugang zu großen Textkorpora wie der Wikipedia, der freien Enzyklopädie im Netz.
Suchmaschinen wie Google suchen bisher nur nach bestimmten Stichwörtern. Ziel ist es, solchen Suchmaschinen natürliche Sprache beizubringen. Auf Fragesätze wie zum Beispiel „Wann starb Albert Einstein?“ sollen sie die gesuchte Antwort und nicht wie Google eine lange Liste von Webseiten liefern, in denen die Stichwörter „Albert Einstein“ und eventuell „gestorben“ vorkommen. Vor allem sollen Suchmaschinen zukünftig die semantischen Beziehungen zwischen den Stichworten verstehen.
Ein anderer Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der Wissensrepräsentation. Es geht um den Aufbau so genannter Wissensbasen in Form semantischer Netze. Der Vorteil ist, dass man auch in so großen Datensammlungen wie Wikipedia anhand von natürlich-sprachigen Fragen inhaltlich suchen kann und ein Frage-Antwort-System die Beziehungen zwischen einzelnen Wörtern versteht. Weiß man zum Beispiel, dass eine Firma von einer anderen „aufgekauft“ wurde, fragt aber, wann erstere „verkauft“ wurde, findet ein intelligentes System trotz unterschiedlicher Wortwahl die richtige Antwort. Es versteht die Beziehung zwischen „aufkaufen“ und „verkaufen“ – beide Begriffe sind im Grunde genommen verschiedene Benennungen ein-und desselben Vorgangs.
Entsprechend der fachlichen Ausrichtung des Lehrgebiets befassen sich Helbigs Studienkurse vor allem mit den Grundlagen der Künstlichen Intelligenz, mit neuronalen Netzen und der automatischen Verarbeitung natürlicher Sprache.
Hermann Helbig hat sich darüber hinaus in der Selbstverwaltung der FernUniversität engagiert und war sowohl Dekan als auch Prodekan der Fakultät. Seit 1997 hielt er sich mehrfach zu Forschungszwecken in den USA und in Großbritannien auf.
Auch wenn es ihn nach seiner aktiven Dienstzeit nach Dresden zurückzieht, lässt ihn die FernUni noch nicht los: „Vier meiner Mitarbeiter stehen kurz vor der Habilitation“, erklärt Prof. Helbig. Er betreut weiter Studenten bei ihren Abschlussarbeiten und leitet zwei Forschungsprojekte der Deutschen Forschungsgemeinschaft. „Das wird ein unruhiger Ruhestand“, schmunzelt er.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de