Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt, Kolleginnen und Kollegen aus der FernUniversität und anderen Hochschulen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Wegbegleiter und Freundinnen und Freunde ließen es sich nicht nehmen, Prof. Dr. Klaus Weihrauch einen gebührenden Abschied aus dem aktiven Dienst zu bereiten: Am 21. August fand im Rahmen der fünften „International Conference on Computability and Complexity in Analysis“ an der FernUniversität eine ihm gewidmete Festveranstaltung statt. Am 4. August war der Leiter des Lehrgebietes Theoretische Informatik I – Berechenbarkeit und Logik 65 Jahre alt geworden.
Prof. Dr. Klaus Weihrauch (li.) mi Ehefrau, dem Rektor der FernUniversität Prof. Helmut Hoyer (2. v. re.), dem Dekan Prof. Dr. Rutger Verbeek (re.) und dem Organisator der Veranstaltung Emeritus Prof. Dr. Claus Unger
Mit dieser wissenschaftlichen Veranstaltung schließt sich – so Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer – nach 13 Jahren ein Kreis, der mit dem ersten Treffen dieser Gemeinschaft an gleicher Stelle begann. Aus den anfänglichen Workshops wurden bald internationale Konferenzen in Deutschland, Tschechien, Spanien, Großbritannien, USA, Japan und Italien. Sie sind inzwischen die Hauptveranstaltungen dieses Arbeitsgebietes, auf dem heute 150 herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kooperieren. Gesteuert wird das Netzwerk von Hagen aus.
Weihrauchs Begeisterung für die Wissenschaft spiegelt sich auch in der Lehre wider. Aufgrund seiner 12 Doktoranden, von den vier heute selbst Professoren sind, könne man mit Fug und Recht sagen: „Sie haben damit selbst eine Schule gegründet“, betonte Rektor Hoyer.
Bereits zuvor war Prof. Rutger Verbeek auch auf die besondere Art der Lehre Weihrauchs eingegangen, als er – „als Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik, Kollege und Freund seit 35 Jahren“ –, die Gekommenen begrüßte: Klaus Weihrauch hinterlässt nicht nur ein beeindruckendes Lebenswerk, sondern auch „eine große Lücke“.
Das Leben Weihrauchs Revue passieren ließ Prof. Dr. Gunter Schlageter in launigen „Überlegungen“, die den Menschen und den Wissenschaftler charakterisierten. Weihrauch sei „ein „verstecktes Juwel der FernUniversität, viele kennen sein internationales Renommee nicht“. Dabei sei ihm sogar eine Spezialedition einer mathematischen Fachzeitschrift gewidmet. Einen Eindruck von der Thematik vermittelten die beiden wissenschaftlichen Vorträge von Prof. Dr. Douglas Bridges, Universität Canterbury, Christchurch, Neuseeland („Reflections on constructivity in analysis“) und Prof. Dr. Peter Hertling, Universität der Bundeswehr, München („Toplogy an computation“) gewinnen. Die Arbeiten auf diesem Gebiet sind, so Prof. Dr. Vasco Brattka, Universität Kapstadt, Südafrika, „z. T. vorweg genommene Praxis der Zukunft, die vielleicht in wenigen Jahren Realität sein werden, vielleicht auch erst viel später“.
Klaus Weihrauch hat sich „an der FernUniversität immer sehr wohl gefühlt, insbesondere in dem sehr harmonischen Fachbereich Informatik; meine Arbeit wurde sehr erleichtert durch die engagierte Unterstützung auch vieler Mitglieder aus dem nicht wissenschaftlichen Bereich.“ Dass es keine Nachfolge in Theoretischer Informatik geben wird fasst er nicht als Kritik an seiner Arbeit auf. Vielmehr folgten FernUniversität und Fakultät wohl dem Trend, die mathematische Grundbildung und Theorie in der Informatik-Ausbildung zu reduzieren. Seinen Beifall kann das nicht finden: „Der Computer kann nur agieren. Nur wer versteht, kann auch kontrollieren.“ So richtete er den Wunsch an die Fakultät, dies noch einmal zu überdenken.
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