Auch wenn sie etwa 2000 Kilometer von Smolensk trennen, fremd ist den fünf Studierenden aus der Russischen Föderation Hagen nicht. „Wir haben Freunde hier, die wir schon häufig besucht haben. Die Stadt ist fast unsere zweite Heimat“, sagt Natalia Bolschekowa. „So wie Smolensk für mich“, lacht Prof. Dr. Dr. h.c. Lothar Bertels vom Arbeitsbereich Stadt- und Regionalsoziologie der FernUniversität in Hagen. Seit rund zehn Jahren betreut er gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Dr. h.c. Wieland Jäger, Arbeitsbereich Arbeit und Gesellschaft, Studierende der staatlichen Universität Smolensk, die parallel zu ihrem russischen Lehramtsexamen an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität einen deutschen Hochschulabschluss erwerben wollen. Zweimal im Jahr reisen Lehrende in die Partnerstadt Hagens und bieten im dortigen Studienzentrum der FernUni Seminare und Lehrveranstaltungen an.
Prof. Dr. Dr. hc. Lothar Bertels (stehend) unterstützt (v.l.) Pavel Shchur, Elena Yankowskaja, Elena Gnezdilowa, Natalia Panowa und Natalia Bolschakowa bei der Literaturrecherche für ihre Hausarbeiten und Prüfungsvorbereitungen im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften an der FernUniversität in Hagen
Für einen Monat sind Natalia Bolschekowa, Natalia Panowa, Elena Gnezdilowa, Elena Yankowskaja und Pavel Shchur hier im Institut für Soziologie, um Themen für ihre Hausarbeiten im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften zu erarbeiten, nach entsprechender Literatur zu recherchieren und sich auf Prüfungen vorzubereiten. Prof. Bertels und Prof. Jäger stehen ihnen dabei mit fachlichem Rat zur Seite. „Hier vor Ort können wir unsere Studienanforderungen deutlicher vermitteln. Außerdem lernen unsere Gäste die deutsche Kultur kennen und bringen ihr Wissen darüber zu Hause in Diskussionen ein“, unterstreicht Bertels, „durch neue Eindrücke und Erfahrungen gewinnt man oft eine differenziertere Sicht auf viele Dinge.“ So sei es beispielsweise für die Studierenden interessant gewesen, die russische und deutsche Medienberichterstattung über den aktuellen Kaukasuskonflikt zu vergleichen.
Ebenso spannend war für Elke Gschwandtner ihr Aufenthalt in Smolensk. Die österreichische FernUni-Absolventin war im Mai gemeinsam mit Prof. Bertels eine Woche Gast an der Staatlichen Universität und stellte in Vorträgen die soziographische Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel vor. Die Untersuchung zeigt, wie Menschen mit ihrer Langzeitarbeitslosigkeit umgehen und welche Wirkungen diese auf sie hat.
„Aufgefallen ist mir, dass die Studierenden nur sehr zurückhaltend Fragen gestellt und diskutiert haben“, erinnert sich Gschwandtner, „an meine interaktive Art des Vortragens mussten sie sich erst gewöhnen. In Russland ist die Lehre noch sehr am Modell ‚Frontalunterricht´ ausgerichtet.“ Das Engagement der Studierenden aber sei außerordentlich hoch und von einer starken Gruppendynamik geprägt: „Sehr beeindruckt war ich auch von der herzlichen Gastfreundschaft.“ Diese hat sie direkt an einige Studentinnen aus Smolensk zurückgegeben und sie zu sich nach Wien eingeladen.
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