Einen interessanten Berufsweg konnte, nein musste Prof. Dr. Rutger Verbeek als Dekan der Fakultät für Mathematik und Informatik bei der Verabschiedung von Prof. Dr. Hermann Helbig am 3. September rekapitulieren. Der bisherige Leiter des Lehrgebiets Intelligente Informations- und Kommunikationssysteme verlässt nach 16 Jahren die FernUniversität in Hagen. Dem Ruf hierher war er wenige Jahre nach der Wende gefolgt. „Die Studierenden verlieren mit Ihnen einen engagierten Lehrer“, bedauerte der Dekan. Und auch in der Forschung hinterlässt Prof. Helbig mit seinem Eintritt in den Ruhestand eine Lücke.
Prof. Hermann Helbig (Mitte) mit Ehefrau und Dekan Prof. Rutger Verbeek
In der früheren DDR war seine Hochschulkarriere abrupt beendet worden, als Hermann Helbig den Einmarsch des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei kritisierte. Später ging er zu Robotron, dem DDR-Vorzeigeunternehmen im Bereich der Computertechnologie. In dieser Zeit unterhielt er enge Kontakte zur TH Dresden, wo er 1976 promovierte und sich zehn Jahre später habilitierte. Als die Wende sich abzeichnete wechselte er zu SRS, einem neuen Gemeinschaftsunternehmen von SAP, Robotron und Siemens Nixdorf. Ob in der Wissenschaft oder der Wirtschaft, ob in der DDR oder der Bundesrepublik: Seine Passion war es 35 Jahre lang, Computern Eigenschaften beizubringen, von denen man traditionell vermutet, dass nur Menschen sie besitzen. Nämlich „Intelligenz“, in diesem Fall genauer: Künstliche Intelligenz.
Prof. Verbeek hofft, dass Hermann Helbig der FernUniversität als Forscher verbunden bleibt, auch wenn sein Lebensmittelpunkt jetzt wieder in seiner sächsischen Heimat liegen wird.
Prorektor Prof. Dr. Gunter Schlageter setzte sich in seiner Ansprache mit dem „geradlinigen, energischen“ Kollegen ebenso auseinander wie mit dessen beruflichem Lebenswerk: „Wie ‚intelligent’ kann man Computer machen?“ und „Was ist Intelligenz und was kann hier die Informatik tun? Und brauchen wir Emotionen? Brauchen wir das Asimov’sche Robotergesetz?“ Vieles, so Prof. Schlageter, sei in der Science Fiction von Fachleuten der Künstlichen Intelligenz ja auf „vermuteter wissenschaftlicher Basis“ geschrieben. Helbig habe sich vor 35 Jahren in das Thema „verliebt“, sei aber als Pragmatiker immer auf dem Boden geblieben.
Sein Gebiet sei die Sprache, die kulturelle Eigenschaft der Menschheit: „In diesem Feld sind Sie sichtbar geworden“ sprach Schlageter den scheidenden Kollegen direkt an. Ein spannendes, schwieriges, aber auch wirtschaftlich interessantes Gebiet, in dem sich der „Idealtyp des Computer-Schiece-Wissenschaftlers“ hohes Ansehen erarbeitete, in der Grundlagenforschung wie im Praxisbezug.
Hermann Helbig stellte in das Zentrum seiner dankenden Worte nicht sich selbst, sondern sein gesamtes Team, das mit ihm nicht an einem einzelnen Werk arbeitete, sondern an einem Lexikon. Und er erinnerte sich an die Zeit zurück, als er „in eine neue Welt kam“. Und an der FernUniversität viele Menschen fand, die ihn unterstützten.
Abgeschlossen wurde die akademische Feier mit zwei Vorträgen von Prof. Dr. Ulrich Furbach, Universität Koblenz („Logik, automatisches Schließen und Wissensrepräsentationen“) und apl. Prof. Dr. Ulrich Held, Universität Stuttgart („Semantik, Lexikon und sprachverarbeitende Systeme“).
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