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Aktuelles - Oktober 2008

Faszinierende Geschichte: Weltpolitik im Elternhaus hautnah erlebt

FernUni-Historiker Prof. Peter Brandt wird am 4. Oktober 60 Jahre

Geboren am 4. Oktober: Am Tag nach dem „Tag der Deutschen Einheit“ feiert Prof. Dr. Peter Brandt seinen 60. Geburtstag. An der FernUniversität in Hagen ist er Leiter des Lehrgebiets Neuere Deutsche und Europäische Geschichte und Direktor des Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Nationalismus und bürgerlicher Wandel seit dem 18. Jahrhundert, Vergleichende europäische Verfassungsgeschichte seit dem 18. Jahrhundert, Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus und die Deutsche Frage, besonders nach 1945. Sein derzeitiges wissenschaftliches Hauptprojekt ist das große vergleichende „Handbuch der europäischen Verfassungsgeschichte“, das seit 2004 in mehreren Bänden erscheint.

Als ältester Sohn des damaligen Regierenden Bürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Willy Brandt erlebte er Politik im Elternhaus hautnah. Und er spürte die besondere Atmosphäre der geteilten Stadt in ihrer Insellage inmitten der DDR, z. B. die Angst der Menschen beim Mauerbau und ihre wachsende Zuversicht nach dem Ende der Doppelkrise um Kuba und Berlin. Daher stand er politischem Engagement durchaus aufgeschlossen gegenüber, war u. a. bereits als Gymnasiast Mitarbeiter einer linken Schülerzeitschrift. Und so nehmen seine verschiedenen Ehrenämter heute viel Zeit in Anspruch: Vertrauensdozent der Hans-Böckler-Stiftung, Sprecher des Kuratoriums der Deutschen Gesellschaft, Mitglied des Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung, im Kuratorium der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, der Historischen Kommission beim Parteivorstand der SPD u.a.

Geschichte interessierte Brandt schon seit seiner Kindheit. Zunächst war „Archäologe“ sein Berufsziel. Doch erkannte er, dass er lieber „in Papieren als in der Erde wühlen“ wollte. Im Laufe der Zeit wurde die „analytische Komponente“ immer stärker. So studierte er ab 1968 Geschichte, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin, promovierte hier 1973 mit einer Dissertation über Antifaschismus und Arbeiterbewegung in Bremen 1945/46. Zwischenzeitlich arbeitete er als Assistent am Institut für Geschichtswissenschaft der TU Berlin und als freier Publizist. 1988 wurde Brandt mit einer Untersuchung der Vor- und Frühgeschichte der deutschen Burschenschaft habilitiert.

Zur FernUniversität kam Brandt als Professor 1990. Hier hatte er bereits 1989 eine Professur vertreten. Erstmals war er bereits 1980 hier, als er seinen früheren Kollegen Lutz Niethammer besuchte. Mit ihm und anderen gab er später einen FernUni-Grundkurs heraus. Auch der Hagener Historiker Prof. Dr. Ludolf Kuchenbuch war ein „Berliner“: „Ich kannte die Hochschule also schon und hielt sie für ein interessantes Experiment.“ Nur in einem war er skeptisch: „Kann man ein Fach wie unseres in der Fernlehre unterrichten?“ Heute weiß er: „Ja, ich bin sogar ‚Überzeugungstäter’ geworden.“

Das liegt nicht zuletzt an den Studierenden: „Viele haben spezielle Stärken, arbeiten sehr selbstständig, weil sie ausgereifte Persönlichkeiten sind. Deshalb haben sie auch eine ganz besondere Motivation.“ In Präsenzveranstaltungen gehen sie oft sehr konstruktiv vor und zeigen besondere Stärken im Umgang mit den Anforderungen, die die FernUniversität stellt: selbstständiges Denken und Arbeiten.

Brandt unterscheidet drei Gruppen von Geschichtsstudierenden: Die Erste ist die derjenigen, die im engeren Sinn ein berufliches Interesse vorantreibt (z. B. eine Position, für die sie einen Universitätsabschluss brauchen). Die zweite Gruppe hat ebenfalls berufliche Ziele, jedoch sind die eher vage. Und die Dritte erfüllt sich einen lebenslangen Wunsch oder möchte „Bildung erleben: ‚Das gönn’ ich mir!’“ Eine Voraussetzung müssen Studierende wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für dieses Fach haben: „Eine gewisse Begeisterungsfähigkeit, man muss von ihm fasziniert sein.“

Seine freie Zeit gehört der Familie, dem Joggen und Wandern und dem Singen mit Freunden. Eine tiefe Beziehung verbindet ihn durch seine Mutter Rut mit Norwegen: „Deutschland ist im buchstäblichen und im übertragenen Sinn mein Vaterland, Norwegen mein ‚Mutterland’.“

Gerd Dapprich | 04.10.2008
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