Jetzt ist Winterpause. Ein wenig Ruhe und Erholung nach der langen Wettkampfsaison. Vor allem nach der Verwirklichung des großen Traums wohl eines jeden Sportlers: der Teilnahme an den Olympischen Spielen. 2008 in Peking schafften es FernUni-Student Sebastian Piersig und sein Partner Felix Michel im Kanu-Slalom/ Zweier-Canadier bis ins Finale, lagen nach dem Halbfinale sogar in Führung. Dann musste der Finallauf aufgrund eines Unwetters auf den nächsten Tag verschoben werden. Normalerweise findet er zwei Stunden nach dem Halbfinale statt. Das Duo Piersig/ Michel musste gemäß der umgekehrten Startreihenfolge im Finale als letztes Paar aufs Wasser. Die Medaillen gingen jedoch an Andere. Die Deutschen kenterten und belegten am Ende Rang sechs.
Sebastian Piersig (hinten) und sein Partner Felix Michel auf der Olympiastrecke in Peking.
„Das ist anfangs natürlich schon bitter, weil die Medaillen zum Greifen nah waren“, sagt Piersig. Auch wenn die beiden ihr eigentliches Ziel, in Peking ins Finale zu kommen, erreicht hatten, war die Enttäuschung groß. War die Zwangspause Schuld? „Der Druck war ein ganz anderer“, findet der Profi-Sportler. „Wir waren wohl zu nervös.“
Mittlerweile hat er einen Schlussstrich unter Peking gezogen. Neue Herausforderungen warten auf ihn. Der 24-jährige konzentriert sich jetzt in erster Linie auf seinen Berufseinstieg. Vorbereitet hat er ihn schon eine ganze Zeit lang. Neben dem Kanusport studierte er seit Oktober 2004 im Bachelorstudiengang of Laws an der FernUniversität in Hagen und schreibt zurzeit seine Abschlussarbeit. Ende des Jahres will er mit dem Studium fertig sein. Ende des Jahres scheidet er auch aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr aus, die ihm bisher seine Profikarriere ermöglicht hatte.
„Ich habe etwas gesucht, was ich während meiner Zeit bei der Bundeswehr, also parallel zum Sport studieren kann“, denkt Sebastian Piersig zurück. Das Angebot der FernUniversität überzeugte ihn. In Richtung Jura wollte er von Anfang an, die Kombination mit Betriebswirtschaftslehre kam ihm entgegen. Seitdem hatte er seine Skripte immer dabei. Im Trainingslager, auf Reisen zu den Wettkämpfen. Gleich zu Beginn seines Studiums musste der gebürtige Spremberger zu einem Rennen auf der Kanu-Slalom-Strecke in Hagen-Hohenlimburg. „Da habe ich auch sofort die Chance genutzt und mir die FernUni aus der Nähe angesehen“, schmunzelt er.
Die Zeit zum Lernen gut einteilen musste sich Piersig neben seinem „Vollzeitjob“ Kanusport allemal. „Zu den 20 Stunden Training pro Woche kommen noch Video-Analysen und Bootpflege dazu“, beschreibt er sein Pensum. Im Winter findet das Training im Kraftraum statt, bevor es im Sommer wieder mit dem Boot aufs Wasser geht. Im Canadier knien die Sportlerinnen und Sportler auf einem Bock und manövrieren das Boot mit ihren Knien. Gepaddelt wird nur auf einer Seite. „Es kommt folglich stark auf die Geschicklichkeit und Technik an“, erklärt der FernUni-Student. Was als Hobby nach einem Paddelkurs in Spremberg begann, entwickelte sich schnell zur Leidenschaft: „Der Kampf mit dem Wasser, die Eleganz – das macht einfach Spaß“, ist Piersig von seinem Sport begeistert.
Das Boot manövrieren die Kanuten mit den Knien: "Im Canadier kommt es stark auf Technik und Geschicklichkeit an", sagt Piersig.
Seit 14 Jahren ist er dabei, seit 11 sitzt er zusammen mit Felix Michel in einem Boot. Ihr Heimtrainer hatte sie 1997 kurzerhand zusammen gesetzt. Seit 2000 sind sie in der Kanu-Nationalmannschaft. „Mit einem anderen Partner werde ich auch nicht mehr fahren“, meint der Leistungssportler. „Technisch sind wir perfekt aufeinander abgestimmt.“ Privat auch – sie kennen sich bereits seit 14 Jahren.
Ihr sportliches Können brachte sie oft nach ganz oben aufs Siegerpodest. 2002 gewann das Team die Juniorenweltmeisterschaft. Zwei Jahre später belegten sie den dritten Platz bei der U-23-Europameisterschaft, 2006 und 2007 wurden Piersig und Michel mit dem Team Europameister. 2007 gewannen die beiden zudem die Deutsche Meisterschaft, dieses Jahr wurden sie auf ihrer Heimstrecke in Augsburg dritte.
Nebenher auch im Studium erfolgreich zu sein, war nicht immer einfach – ohne die Unterstützung seiner Familie wäre es nicht gegangen, sagt Piersig:
„Das Studium ist zeitintensiv, die Skripte sind anspruchsvoll. Du weißt aber, dass es dir nach dem Sport Perspektiven für den Beruf eröffnet – du weißt also, wofür du es machst.“
Der Beruf steht bei ihm jetzt an erster Stelle, wie es mit dem Kanusport weitergeht muss sich zeigen. „Mal sehen, wie viel Zeit wir dafür haben werden“, meint er. Felix Michel beginnt ein Studium in Leipzig, Sebastian Piersig hat eine Stelle in der Bankenbranche in Aussicht.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de