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Aktuelles - Dezember 2008

Wenn die Kurse fallen

Prof. Andrei Duma erklärte den Handel mit Optionen an der Börse

Die Mathematik hat mittlerweile nahezu alle Bereiche unseres Lebens durchdrungen, wenngleich wir oft nichts davon ahnen. Wir heben mit unserer EC-Karte und der Geheimnummer Geld vom Bankautomaten ab, diskutieren über mögliche Wahlverfahren im Rat der Europäischen Union und über Mindestlöhne, wundern uns über die Kursschwankungen der VW-Aktie. Mathematik-Professorinnen und -Professoren der FernUniversität in Hagen haben in der Vortragsreihe „Was steckt dahinter? Die Mathematik“ gezeigt, wie viel Mathematik jeweils in Dingen steckt, die uns selbstverständlich erscheinen. Durchgeführt haben sie die gut besuchte Reihe anlässlich des Wissenschaftsjahres der Mathematik 2008.

Zum Abschluss unternahm Prof. Dr. Andrei Duma in seinem Vortrag „Top oder Flop? Optionen als interessantes, aber risikoreiches Finanzinstrument“ am 26. November in der FernUniversität einen Ausflug in die Finanzmathematik der Börse. Der Leiter des Lehrgebiets „Komplexe Analysis“ stellte den Handel mit Optionen und die damit verbundenen Chancen und Risiken vor und erklärte vor allem, wie der Verkaufspreis von Optionen berechnet wird. „Als ich mich für dieses Thema entschied, hatte ich natürlich keine Ahnung wie brandaktuell es heute sein würde“, meinte Duma in Anspielung auf die momentane weltweite Finanzkrise.

Prof. Duma liest seinen Vortrag am Rednerpult stehend vor. Der Mathematiker klärte über die Chancen und Risiken des Handels mit Optionen an der Börse auf

Was ist eine Option?

Eine Option ist ein abgeleitetes Finanzinstrument, das zu den sogenannten Finanzderivaten gehört. Der Käufer erwirbt mit der Option das Recht, ein Produkt zu einem späteren Zeitpunkt und zu einem vorher vereinbarten Preis vom Verkäufer der Option zu kaufen oder an ihn zu verkaufen. Produkte sind z. B. Aktien, ausländische Währungen, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Strom, Gas oder Edelmetalle wie Gold. An der Börse werden diese Produkte „Basiswerte“ genannt.

Beim Vertragsabschluss legen Käufer und Verkäufer fest, ob der Optionskäufer später entweder den Basiswert kauft (Kaufoption oder „Call“) oder verkauft (Verkaufsoption oder „Put“). Der Optionskäufer erwirbt allerdings nur das Recht, nicht die Pflicht zum Kauf oder Verkauf. Er muss also nicht notwendig kaufen oder verkaufen, er kann die Option auch verfallen lassen. Eine Option ist daher auch immer ein bedingtes Termingeschäft mit einer festgelegten Laufzeit.

Ziel des Optionskäufers ist es letztendlich, Gewinn zu machen, Geld zu verdienen. Hat er z. B. eine Kaufoption auf eine bestimmte Aktie, spekuliert er auf steigende Kurse. Ist die Aktie mehr wert, als der vereinbarte Preis, den er für sie zahlen muss, lohnt es sich für ihn finanziell, sein Kaufrecht auszuüben. Er könnte die Aktie später außerdem mit Gewinn wieder verkaufen. „Der Handel mit Optionen ist jedoch sehr risikoreich“, betonte der Prof. Duma, „einen sicheren Kursgewinn wird es nie geben.“

Beim Handel mit Optionen ist in der Regel immer der Optionskäufer in einer besseren Situation als der Verkäufer. Der Käufer kann sich viel Zeit nehmen für seine Entscheidung, eine bestimmte Aktie zu kaufen oder nicht. Der Optionsverkäufer weiß dagegen bis zum Verfallstag der Option nicht, ob das Geschäft zustande kommt. Um sich entsprechend abzusichern, verlangt er einen bestimmten Preis für die Option.

„Ihn fair zu berechnen ist eine komplizierte und folgenschwere Aufgabe“, erklärte der Mathematiker. Ist der Verkaufspreis zu hoch, wird sich möglicherweise kein Käufer für die Option finden. Ist er zu niedrig, kann dies im schlimmsten Fall zum Bankrott des Verkäufers, etwa einer Bank, führen. 1973 entwickelten die beiden Wirtschaftswissenschaftler Fischer Black und Myron Scholes sowie Robert Merton von der Universität Stanford die heute angewandte Methode zur Bewertung von Finanzoptionen. 1997 bekamen Merton und Scholes den Nobelpreis dafür. Andrei Duma zeigte, wie mithilfe dieser sogenannten „Black-Scholes-Formel“ die Verkaufspreise berechnet werden.

Wirbel um die VW-Aktie

„Die extremen Kursschwankungen bei der VW-Aktie im Oktober dieses Jahres waren nicht das Ergebnis von Hysterie, sondern von blanker Not und Verzweiflung“, stellte Duma am Ende seines Vortrags klar. Die Spekulanten hatten im Zuge der Finanzkrise langfristig mit fallenden Kursen gerechnet und sich daher große Mengen an VW-Aktien bei Banken und Fonds geliehen und weiter verkauft. Gegenüber den Banken mussten sie sich verpflichten, die Aktien zu einem bestimmten Termin zurückzugeben. Geplant hatten die Spekulanten, die Aktien vorher zum niedrigen Kurs zurückzukaufen und dabei Gewinn zu machen. Der Autokonzern Porsche gab jedoch am 25. Oktober bekannt, inzwischen 42,6 Prozent der VW-Aktien sowie Optionen an weiteren 31,5 Prozent zu besitzen. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Aktien. Somit blieben nur 5,9 Prozent für die Spekulanten übrig. „Da sie sich jedoch 15 Prozent geliehen hatten, mussten sie jetzt unbedingt die restlichen Aktien kaufen, egal was es kostet.“ Rund 1000 Euro mussten die Händler für eine Aktie zahlen, zu Jahresbeginn lag der Kurs noch um 150 Euro. Die Folge war ein steiler Kursanstieg, der an der Börse für Aufsehen sorgte.

Gesche Quent | 02.12.2008
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