Fragte, wie sich die Kompetenz von Fernstudierenden durch E-Learning erweitern lässt: Prof. Dr. John Erpenbeck
„Welche Inhalte sollen den Studierenden vermittelt werden?“ Hochschulen, die sich in der Lehre an dieser Frage orientieren, werden dem im Bolognaprozess verankerten Paradigmenwechsel nicht gerecht. Der nämlich fordert, den Fokus auf die Kompetenz der Studierenden zu legen, also auf die Frage „Was sollen die Studierenden können?“.
Mit dem Thema „Kompetenzbasiertes E-Learning“ hat sich jetzt das Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität in Hagen in seinem 6. Forschungskolloquium auseinandergesetzt.
Was ist Kompetenz? Wie lässt sich die Kompetenz von Fernstudierenden durch E-Learning erweitern? Diesen Fragen ging der renommierte Kompetenzforscher Prof. Dr. John Erpenbeck von der Steinbeis-Hochschule in Berlin in seinem Vortrag nach. „Wissen und Qualifikationen sind zwei von vielen Voraussetzungen für Kompetenzentwicklung. Kompetenz selbst aber ist die Fähigkeit, in offenen Situationen kreativ, problemlösungs- und selbstorientiert handeln zu können“, erklärte Erpenbeck.
Dr. Jörg Stratmann stellte E-Portfolios vor
Ein Arzt beispielsweise benötigt medizinisches Fachwissen, um einen Menschen zu operieren. Aber er muss vor allem kritische Situationen richtig bewerten und einschätzen können, eigene Werte und Normen daraus ableiten und sein Handeln daran ausrichten. „Werte und Normen sind die eigentlichen Kerne der Kompetenz. Kompetenzentwicklung im E-Learning kann nur dann stattfinden, wenn in Lernprozessen auch die Wertaneignung ermöglicht wird“, so Erpenbeck. Dazu müssen Studierende zum Beispiel im Lernprozess Entscheidungen treffen, sie gegenseitig im Netzwerk bewerten und bewerten lassen. Eben diese Möglichkeiten bietet das Web 2.0 durch interaktive Elemente. Ein Beispiel dafür ist die virtuelle Lernplattform „Moodle“, ein weltweit verbreitetes Lernmanagementsystem, mit dem auch die FernUniversität arbeitet.
In Moodle integrierbar sind auch so genannte E-Portfolios, die Dr. Jörg Stratmann von der Universität Duisburg-Essen in seinem Vortrag vorstellte. Ein E-Portfolio ist eine digitale Sammelmappe, in der Studierende ihre Arbeitsergebnisse (Artefakte) aus dem Studium einstellen und von Kommilitonen und Lehrenden bewerten lassen können. Wissen wird nicht punktuell, also auf eine Arbeitsleistung konzentriert, abgefragt. Sichtbar wird eine Entwicklung, also wie der Studierende seine Kompetenzen einsetzt, um unbekannte Problemsituationen kreativ zu lösen, und damit seine Kompetenzen erweitert.
Dr. Anja Johanning hat untersucht, aus welcher Motivation berufssspezifische Online-Gemeinschaften genutzt werden
Mit „Kompetenzentwicklung in Forenkommunikation“ beschäftigte sich zum Abschluss Dr. Anja Johanning, Marketingreferentin bei der Kommunalen Versorgungskasse für Westfalen-Lippe. In ihrer Doktorarbeit hat sie untersucht, aus welcher Motivation berufsspezifische Online-Gemeinschaften (Online-Communities of Practice) genutzt werden und inwieweit sich durch die Nutzung Kompetenzen entwickeln. Am Beispiel von sekretaria.de hat sie unter anderem festgestellt, dass Nutzer durch den Austausch mit Gleichgesinnten die eigene Arbeitssituation reflektieren, Fragen zu konkreten Problemsituationen stellen und Tipps sowie Ratschläge von anderen bewerten.
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