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Oktober

Auf den Spuren der Römer und Germanen

FernUni-Exkursion zu Schauplätzen der Varusschlacht

Geschichte „passiert“ zweimal. Durch das tatsächliche Ereignis und durch die Geschichten, die später daraus – oft zielgerichtet – konstruiert werden. Dies trifft auch auf die vor 2000 Jahren zwischen Römern und Germanen ausgetragene Varusschlacht zu. Aber was ist damals tatsächlich passiert? Und welche Überlieferungen sind von wem zu welchem Zweck aufgeschrieben oder auch erfunden worden? Wie groß war die historische Relevanz der Varusschlacht tatsächlich?

Diesen Fragen gingen 23 Studierende der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften der FernUniversität in Hagen unter der Leitung von Prof. Dr. Felicitas Schmieder, Lehrgebiet Geschichte und Gegenwart Alteuropas, und ihres Wissenschaftlichen Mitarbeiters Daniel Syrbe, M.A. während einer viertägigen Exkursion nach.

Für eine FernUni-Filmproduktion begleitet von einem Kamerateam des Zentrums für Medien und IT besuchte die Gruppe dazu die Ausstellung „Imperium, Konflikt, Mythos“. Dieses von Mai bis Oktober laufende Kooperationsprojekt von Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL), „Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH“– Museum und Park Kalkriese sowie des Lippischen Landesmuseums Detmold zeigt in Haltern, Kalkriese und Detmold Originalschauplätze der römischen Präsenz im rechtsrheinischen Germanien und archäologische Funde am (vermutlichen) Ort der Varusschlacht.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen auf einem rekonstruierten Wallabschnitt in Kalkriese Die Gruppe in Kalkriese: Hier wurde auf dem Freigelände ein Wallabschnitt konstruiert, der die Talsenke flankierte und so für ein vorbeiziehendes Heer verengte.

Ausstellung „Imperium, Konflikt, Mythos“

Nach einer halbtägigen theoretischen Einführung in Hagen führte die Exkursion ins LWL-Römermuseum nach Haltern am See zum ersten Teil der Ausstellung „Imperium“. Hier befinden sich – aus Zeiten des römischen Kaisers Augustus – bedeutende und sehr gut erforschte römische Militäranlangen des Imperium Romanum, das damals mächtig war wie nie zuvor. Von Haltern aus sollte im Zuge der Varusschlacht die Provinz Germanien, rechts des Rheins, erobert werden. In der Ausstellung konnten sich die Studierenden ein Bild der damaligen Zeit und ihrer politischen, gesellschaftlichen und militärischen Folgen machen. „Direkt vor Ort hatte man natürlich einen unvergleichlich besseren Einblick in die historischen Abläufe als durch reine Literaturrecherche“, schwärmt Birgitte Eichmanns, die im dritten Semester den Master „Europäische Moderne“ studiert.


Weiter ging es am nächsten Tag in die Region Kalkriese bei Bramsche im Osnabrücker Land. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass hier der Ort der Varusschlacht war. Fragen wie „Wer waren die Germanen wirklich? Warum suchten sie immer wieder die kriegerische Auseinandersetzung?“ geht der zweite Bestandteil der Ausstellung mit dem Titel „Konflikt“ nach. Dazu wird der Weg der Germanen gegen die Römer bis zum 5. Jahrhundert, der ihnen schließlich ausgedehnte Herrschaft in Europa brachte, aufgezeigt.

Letzte Station war das Hermannsdenkmal in Detmold. Als Anführer der Germanen und als Held, der in der Varusschlacht mit seiner Truppe die Römer besiegte, galt Arminius – später von Martin Luther Hermann genannt – lange Zeit. Insbesondere im deutschen Nationalismus und Nationalsozialismus wurde die Varusschlacht als der Befreiungsschlag gegen die drohende Romanisierung und gleichzeitig als die Geburtsstunde Deutschlands kommuniziert. „Hier zeigt sich besonders deutlich, wie – geprägt von dem Gedanken des ‚einen Volkes unter dem einen Führer’ – ein Mythos konstruiert wird“, unterstreicht Schmieder.

Die Gruppe auf der Brücke vor der Burg Lüdinghausen Die Gruppe auf der Brücke vor der Burg Lüdinghausen. Das Studienzentrum befindet sich hinter der Durchfahrt auf der rechten Seite.

„Geschichte und Konstruktionen kritisch reflektieren“

„Es ist wichtig, dass die Studierenden Geschichte und ihre Geschichten sowie Konstruktionen kritisch reflektieren. Wir haben deshalb jeweils den Besichtigungen der Schauplätze, Seminare mit Referaten und Diskussionen in den nahegelegenen Studienzentren Lüdinghausen, Herford und Rheine angeschlossen. Historiker arbeiten generell exemplarisch. Wir vermitteln den Studierenden anhand von Beispielen wie der Varusschlacht Methoden, die sie dann für die Analyse anderer geschichtlicher Ereignisse anwenden können“, erklärt Prof. Schmieder.

Als besonders sinnvoll und gewinnbringend hätten sich dabei in der Vergangenheit immer wieder mehrtägige Exkursionen herausgestellt. „Die Studierenden sind extrem engagiert und die positive Gruppendynamik motiviert alle Teilnehmenden ungemein“, unterstreicht Daniel Syrbe. Schon Wochen vorher hatten sich die Studierenden ausführlich in das Thema „Varusschlacht“ und besonders intensiv in ihr Referatsthema eingearbeitet. Dazu haben Schmieder und Syrbe im Vorfeld in der virtuellen Lernumgebung ’Moodle’ Literaturhinweise gegeben und standen natürlich auch als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung. Präsenzveranstaltungen seien generell mit einer hohen Arbeitsintensität verbunden, so Schmieder. „Damit wir unser sehr umfangreiches Programm umsetzen konnten, mussten wir uns an enge zeitliche Vorgaben halten. Das hat wunderbar geklappt und die Exkursion war für Studierende und Dozenten gleichermaßen bereichernd. Neben den wissenschaftlichen Inhalten zum einen deshalb, weil wir während einer mehrtägigen Präsenzveranstaltung viel intensiver mit den Studierenden ins Gespräch kommen und Rückmeldungen zu Studieninhalten und Lehre bekommen.“ Zum anderen knüpften die Teilnehmenden untereinander wichtige Kontakte, aus denen sich Lerngruppen und manchmal auch lebenslange Freundschaften entwickeln.

Manuela Feldkamp | 12.10.2009
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