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November

Suchen, finden, nutzen

An FernUniversität entwickeltes System zum Austausch von Lern- und Wissensinhalten im Praxistest

Mit „Finden, was mir hilft“ bringt Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer den Nutzen von „edu-sharing“ auf den Punkt. Konzipiert für den Einsatz in Hochschulen, weiterführenden Schulen sowie Institutionen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung, ist das Online-System „edu-sharing“ Sammelstelle und Austauschbörse für Lernmaterialien, Kurse oder ganze Unterrichtseinheiten sowie kodifizierte Lehr- und Lernszenarien.

An der FernUniversität in Hagen wurde „edu-sharing“ im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Leistungszentrums für E-Learning „Campus Content“ entwickelt. Die wissenschaftlichen Leiter sind Dr.-Ing. Bernd Krämer, Professor für Datenverarbeitungstechnik in der Fakultät für Mathematik und Informatik, sowie Dr. Michael Klebl, Juniorprofessor für Computer Supported Collaborative Learning in der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften.

Der Förderungszeitraum endete im Juli 2009, zurzeit wird „edu-sharing“ in Pilotprojekten in der Praxis erprobt. Projektpartner sind das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN) in Kamp-Lintfort sowie neun Berufskollegs im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg. Das KRZN arbeitet mit einem Gymnasium in Moers zusammen, dessen Lehrerinnen und Lehrer „edu-sharing“ für den Austausch von Unterrichtsmaterialien nutzen. Betreut wird das Gymnasium von Christian Paulick, Mitarbeiter im Bereich Schulen Online des KRZN. Michael Klebl begleitet die Praxisphase in den Berufskollegs. Mit der Stabsstelle für Presse & Öffentlichkeitsarbeit sprachen sie über ihre bisherigen Erfahrungen und die Vorteile von „edu-sharing“.

Wie nutzen die Lehrerinnen und Lehrer das System? Welche Vorteile haben sie dadurch?

Bernd Krämer: „Die Lehrerinnen und Lehrer der einzelnen Institutionen stellen die von ihnen entwickelten Kurse oder Unterrichtseinheiten in das System ein und bereiten sie dabei so auf, dass Kolleginnen und Kollegen anderer Einrichtungen auf dieses Material von verschiedenartigen Lernplattformen aus zugreifen und es verwenden können. Die Dokumente der Lehrenden werden in einem Repositoriennetzwerk, einer Art verteilter Datenbank, gesammelt. Der Vorteil ist, dass unser System mit einigen weit verbreiteten Online-Lernplattformen wie z. B. Moodle kompatibel ist. Die Nutzerinnen und Nutzer des Systems arbeiten also weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung und erstellen dort ihre Materialien. Dank bestimmter Werkzeuge und Abspielservices können diese Dokumente anschließend auch in anderen Lernplattformen wie etwa „metacoon“, das auch schon an das Repositoriennetzwerk angeschlossen ist, geöffnet und bearbeitet werden. Wir verhandeln außerdem intensiv mit den Entwicklern weiterer Lernplattformen, damit sie ihre Systeme in ,edu-sharing’ einbinden und damit die Austauschbarkeit von Lerninhalten und –szenarien für weitere Nutzergemeinschaften ermöglichen.“

Michael Klebl: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Pilotprojekte tauschen sich untereinander aus, geben sich gegenseitig Anregungen, wie man Lerninhalte noch besser didaktisch vermitteln kann. Wir gehen davon aus, dass die Lehrerinnen und Lehrer sich die Materialien kostenfrei, also auf Gegenseitigkeit, zur Verfügung stellen. Dafür unterstützen wir freie Lizenzmodelle. Grundsätzlich ist es aber auch möglich, kommerziell lizenzierte Inhalte zu verwalten.“

Wie lange laufen die beiden Pilotprojekte? Welche Ziele verfolgen Sie mit den Projekten?

Christian Paulick: „Die Projekte sind erst einmal auf ein Jahr angelegt. Das Gymnasium Filder-Benden in Moers ist seit einigen Monaten an der ersten Pilotphase beteiligt. Ziel ist es nun, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer auf einer zentralen Plattform fachlich austauschen. Die dafür notwendige Software hat das KRZN der Schule zur Verfügung gestellt. Dadurch, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihre Unterrichtseinheiten so aufbereiten müssen, dass sie von anderen verwertet werden können, strukturieren sie die Einheiten anders. Letztendlich könnte sich dadurch ihre gesamte Arbeitsweise und folglich die Art des Unterrichts ändern. Wir wollen untersuchen, welche Arbeitsschritte der einzelne macht, bis er ,edu-sharing’ in seinen Unterricht voll einbezieht und welche Auswirkungen dies hat.“

Klebl: „Im Regierungsbezirk Arnsberg benutzen 13 Lehrerinnen und Lehrer von neun Berufskollegs das System. Der Reiz besteht für sie darin, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen, die das gleiche Fach unterrichten, aber 150 km entfernt sind. Alle Teilnehmenden müssen zwei Unterrichtseinheiten erstellen, die sie in ,edu-sharing’ anderen zur Verfügung stellen. Die Erfahrungen, die sie dabei machen, fließen wiederum in die Weiterentwicklung des Systems ein.“

Krämer: „Am Anfang ist es z. B. für viele schwierig, ihre Kurse allgemein verständlich und für andere nutzbar zu beschreiben, d.h. Wissen und Methoden, die oft stillschweigend vorausgesetzt werden, explizit anzugeben. Darin wollen wir sie auch auf der technischen Seite unterstützen und ihnen geeignete Werkzeuge an die Hand geben und Suchstrategien entwickeln, mit denen Dokumente noch einfacher und passgenauer gefunden werden können.“

Wie sieht die Zukunft von „edu-sharing“ aus?

Krämer: „Geplant ist, einen Verein zu gründen, in dem sich die Nutzerinnen und Nutzer von, edu-sharing’, aber auch Lernsoftware-Entwickler organisieren und Netzwerke bilden können. Die Mitglieder der Nutzergemeinschaft wären in erster Linie natürlich die Bildungseinrichtungen oder Kooperationspartner wie das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein. Darüber hinaus existiert schon jetzt der Kern einer Software-Entwicklergemeinschaft. Sie umfasst z. B. die Anbieter der an ,edu-sharing’ angebundenen Autorenwerkzeuge und Lernplattformen. Sie können ihre Kapazitäten im Netzwerk bündeln, um auf Nachfragen zu neuen oder verbesserten Systemfunktionen aus der Nutzergemeinschaft rasch und kompetent reagieren zu können. Nutzerinnen und Nutzern können sich die Kosten abgestimmter Systemerweiterungen und -erneuerungen teilen.“

Paulick: „Die ablaufenden Prozesse werden außerdem laufend auf Schwachstellen hin untersucht, um das System kontinuierlich den Bedürfnissen der Nutzer entsprechend weiter zu entwickeln. Schließlich macht es einen Unterschied, ob 100 oder 1000 Leute ,edu-sharing’ nutzen und dabei betreut werden.“

Gesche Quent | 06.11.2009
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