Ein noch junges Thema ist mobiles Lernen. An der FernUniversität in Hagen hat es aber bereits Tradition: Bereits Ende 2006 fand hier die erste Veranstaltung unter dem Titel „Mobile Learning Day“ statt. Jetzt gab es eine Fortsetzung. Ziel der Veranstaltung war es, Experten und Interessenten aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen und Erfahrungen mit mobilen Bildungsangeboten auszutauschen.
Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen bringen ein besonderes Anliegen der Veranstaltungsorganisatoren
Gemeinsam mit Peter Krauss-Hoffmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin begrüßte Prof. Dr. Claudia de Witt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mobile Learning ist für sie schon kein Schlagwort mehr, sondern dürfte nach ihrer Einschätzung mit ernsthaften technologischen Entwicklungen und didaktischen Innovationen verbunden sein. Mit mobilen Endgeräten zu lernen kann z.B. erhebliche Bedeutung im Rahmen betrieblicher Weiterbildungen gewinnen, die dieses Medium zusätzlich zur Vertiefung und Erweiterung von Lerninhalten innerhalb bestehender Blended-Learning-Arrangements nutzen. In der Folge ist möglicherweise ein positiver Einfluss auf die Optimierung der Gesamtabläufe im Betrieb zu erwarten, der bereits heute bei der Nutzung mobiler Geräte zwecks Informierens erkennbar ist.
Das Ziel bei der Entwicklung von Mobile Learning darf es für die Hagener Forscherin nicht sein, bestehende E-Learning-Angebote eins zu eins auf mobile Technologien zu überführen: „Vielmehr muss eine neue Lernarchitektur entworfen werden, innerhalb derer Mobile Learning seine Stärken ausspielt und so ein umfassendes, den jeweiligen Lernbedingungen angepasstes Angebot entstehen zu lassen.“ Daher stelle Mobile Learning neue Anforderungen an die Gestaltung von Lerneinheiten, die aus der Charakteristik der Basistechnologie ebenso wie aus den Nutzungsbedingungen resultieren. Dabei ist z.B. zu bedenken, dass die Displays erheblich kleiner sind und bleiben. Die Eingabemöglichkeiten sind begrenzter als beim PC. Die Übertragungsraten setzen der medialen Darstellung auf mobilen Geräten Grenzen. Die Lerneinheiten müssen kurz und modular sein, weil Mobile Learning meist in kurzen Phasen (z.B. Wartezeiten) genutzt wird und werden soll.
Für Lernprozesse eignen sich aus technischer Hinsicht Handys, Smartphones, PDAs, PocketPCs und E-Book-Reader, bedingt auch Netbooks, Mini-Notebooks, TabletPcs, Navigationsgeräte, portable MP3- und Video-Player. Aktuelle technologische Trends, die auch beim M-Learning zum Einsatz kommen können, gehen in Richtung QR-Codes, Microblogging, Geo-tagging, RFID, Mini-Beamer und Augmented Reality.
Lässt sich aber mit einem mobilen Endgerät – wie einem Handy – wirklich lernen? Prof. de Witt: „Es leuchtet ein, dass über das Handy aktuelle Informationen abrufbar sind – aber komplexe Lernprozesse?“ Das scheine derzeit noch fast unmöglich zu sein.
In den Veranstaltungen wurden entsprechend dem Ziel, Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen, vor allem (Hoch)Schul-Projekte zu Mobile Learning und Projekte in der beruflichen Praxis vorgestellt.
Dieser Mobile Learning Day 2009 fand im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „Mobile Learning – prozessbezogenes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen" statt. Das Projekt war einer der Schwerpunkte des Veranstaltungsprogramms.
In dem Verbundprojekt der FernUniversität mit Praxispartnern geht es darum, mit Hilfe eines interdisziplinären Netzwerks von Forschern, Entwicklern und Anwendern eine praxisnahe Erprobung des Mobile Learnings verschiedener Wirtschaftszweige zu initiieren, zu evaluieren und nachhaltig zu implementieren. Für das Netzwerk wurden marktführende Branchen ausgewählt: Automobilindustrie, Elektrobranche sowie der Dachverband der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherungen. Damit wird Mobile Learning beispielhaft in solchen Unternehmen eingeführt, die Multiplikatoren für eine Vielzahl von Unternehmen derselben Branche werden können.
Mobile Learning kann im Kontext der Lernszenarien des Projekts aber nur klappen, wenn Didaktik und Technik stimmen: Kann man für eine Weiterbildung von Kraftfahrern Geräte, die in den meisten Lkw zu finden sind, nutzen? Also z.B. iPods für Lernvideos? Sind Handys und Navigationssysteme für Animationsfilme geeignet? Lernen Fahrer unterwegs interaktiv mit einem Mini-Notebook? Wichtig ist also, die richtigen Medien auszuwählen und die Lerngewohnheiten zu beachten, um darauf das didaktische Konzept aufzusetzen.
Ein anderes mögliches Szenario dreht sich um das Recherchieren und Verarbeiten von Informationen vor Ort für eine Reparatur einer defekten Maschine, weit vom PC des Service-Mechanikers entfernt. Fehlt an der Maschine eine wichtige Unterlage holt der Mitarbeiter – so das Szenario – sein mobiles Endgerät aus der Tasche und ruft die Informationen vor Ort ab.
In einem weiteren Teilprojekt werden Elektroniker und Auszubildende im Elektronik-Bereich ihre privaten Endgeräte nutzen, also Handys und Smartphones. So möchten wir mit aussagekräftigen Ergebnissen dazu kommen, ob auch auf deren Mini-Displays Lerninhalte dargestellt werden können.
Dabei muss u.a. erforscht werden, wie didaktische Szenarien für Mobile Learning gestaltet werden müssen. Wie viel Text verträgt eine Lernerseite auf dem mobilen Endgerät? Welche Lerninhalte eignen sich für mobile Szenarien? Und passt das Konzept M-Learning überhaupt in die Unternehmensstrategie?
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