„Ich wollte immer gern Professor werden – wegen Forschung und Lehre. Und weil man keinen Chef hat.“ Am heutigen 21. Dezember feiert Prof. Dr. Hans-Werner Six seinen 65. Geburtstag. An der FernUniversität in Hagen leitet er das Lehrgebiet Software Engineering. Ein Fach mit interdisziplinärem Charakter – ganz nach seinem Geschmack.
Wird 65: Prof. Hans-Werner Six
Die von dem breiten Gebiet ausgehenden vielfältigen Herausforderungen faszinierten Hans-Werner Six, darunter Kerninformatikfragen der Softwareentwicklung ebenso wie Probleme des Projektmanagements oder Methoden der konstruktiven und analytischen Qualitätssicherung: „Wer Software Engineering in Forschung und Lehre vertritt muss komplexe Software entwickeln können, die auch in der Praxis einsetzbar ist.“
In der Forschung arbeiten Six und sein Team seit mehreren Jahren an der modellgetriebenen Softwareentwicklung. Ziel dieses Ansatzes ist, die feingranulare, mit technischen Details überfrachtete Programmierung durch eine abstraktere, sich auf die logisch-fachlichen Aspekte konzentrierende Modellierung abzulösen. Bei diesem Vorgehen wird mit Modellen zur Spezifikation der Anforderungen an die zu erstellende Software gestartet, die dann über systematische Transformationen in immer feinere Modelle und schließlich in die Software überführt werden.
Als überzeugter Verfechter des Fernstudiums hat er Rufe an die TU Darmstadt und die Universität Paderborn ausgeschlagen. Für den Lernraum Virtuelle Universität der FernUniversität hat er eine Reihe von Werkzeugen entwickelt, die hier mittlerweile zum Standard geworden sind. Dazu gehören der webbasierte Übungsbetrieb WebAssign, heute Online-Übungssystem, und das webbasierte System WebRegIS für das Prüfungsamt Rechtswissenschaft/Wirtschaftswissenschaft. Für den TestDaF, den universitären Zulassungstest Deutsch als Fremdsprache, hat er die webbasierte Software zur Unterstützung der weltweiten Durchführung entwickelt und den Computer-basierten Test fertig gestellt.
Als Gründungsdekan der neu geformten Fakultät Mathematik und Informatik, in der seither auch „Elektrotechnik und Informationstechnik“ zu finden ist, führte er die drei Fächer mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Interessen zusammen. Von außen wurden an die FernUniversität, wie auch an die Hochschulen insgesamt, gerade in diesen Jahren ganz neue Forderungen erstellt, an denen Hans-Werner Six ein – seiner Meinung nach – „Zuviel an Kommerzialisierung und Politisierung auf Kosten der Qualität von Forschung und Lehre“ kritisiert.
Six studierte zunächst in Göttingen Mathematik, wechselte dann nach einem spannenden Firmenpraktikum in die angewandte Variante Operations Research im Rahmen eines Wirtschaftsingenieurstudiums in Karlsruhe. Sein dortiger Doktorvater Prof. Maurer vermittelte ihm „die Informatik als etwas Intelligentes”. Über die Promotion 1978, die Habilitation 1983, einige Lehrstuhlvertretungen und einen Ruf auf eine Professur für Theoretische Informatik an der Universität Osnabrück trat Six 1985 seine erste Professur als Wirtschaftsinformatiker an der TU Darmstadt an. Seinen Ruf nach Hagen hatte er da schon in der Tasche.
Mit dem Ende des Wintersemestern 2009/2010 scheidet der dann 65-jährige aus dem Dienst der FernUniversität. Aus gesundheitlichen Gründen: „Ansonsten wäre eine Verlängerung schon überlegenswert gewesen.“ Andererseits genießt der Allrounder aber auch, mehr Zeit für seine Interessen außerhalb der Informatik zu haben. Er freut sich auf mehr Muße, mehr Ruhe zum Nachdenken, mehr über den Tellerrand zu schauen.
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