Für die besondere Ehre eines Festkolloquiums, die Prof. Dr. Krešimir Veselić zuteil wurde, gab es einen besonderen Anlass: Der emeritierte Professor für „Mathematische Physik“ und sein ehemaliger Mitarbeiter Prof. Dr. Zlatko Drmać – heute Professor an der Universität Zagreb – erhielten den „Linear Algebra Prize“ der SIAM (Society for Industrial and Aplied Mathematics) für Arbeiten, die an der Fakultät für Mathematik und Informatik der FernUniversität in Hagen entstanden sind. Prof. Dr. Werner Kirsch, der durch die Veranstaltung führte: „Mit dem an der FernUniversität entwickelten Algorithmus wird weltweit gerechnet – wir sind stolz!“ Prof. Dr. Zlatko Drmać ist tätig.
Freuten sich auf das Kolloquium: Prof. Krešimir Veselić (2. v. li.) und seine Frau, Prof. Dr. Zlatko Drmać (3. v. re.), Rektor Prof. Helmut Hoyer (2. v. re.), Dekan Prof. Rutger Verbeek (li.) und Prof. Werner Kirsch
Die SIAM ist die wohl weltweit bedeutendste Organisation für angewandte Mathematik. Ihr „Linear Algebra Prize“, nach den Worten von Prof. Dr. Rutger Verbeek, Dekan der Fakultät Mathematik und Informatik, der wohl bedeutendste Preis der Scientific Community, wird alle drei Jahre für den herausragendsten Artikel aus dem Gebiet der anwendungsorientierten Linearen Algebra verliehen. Die prämierten Arbeiten von Veselić und Drmać befassen sich mit der numerischen Berechnung von Eigenwerten. Diese Berechnungen finden Anwendungen in den unterschiedlichsten Bereichen von Physik, Technik und Sozialwissenschaften.
Die beiden Wissenschaftler konnten das Problem des vor 160 Jahren entwickelten Jacobi-Algorithmus’ lösen, der immer noch in vielen Bereichen angewendet wird. Das Verfahren ist genau und fehlerfrei, aber nicht besonders schnell. Krešimir Veselić und Zlatko Drmać gelang es, die Geschwindigkeit erheblich zu verbessern, ohne seine Qualität zu verschlechtern, so Prof. Kirsch. Der von ihnen entwickelte und ständig verbesserte Algorithmus „entwickelt sich“ – so Dekan Prof. Verbeek – „zu einem Standardverfahren“.
Für die Berechnung der Strahlungsfrequenzen von Atomen, die Stabilitätsberechnung von Bauwerken und Regelkreisen, für Methoden der Bildverarbeitung und der Statistik und viele weitere Anwendungen ist eine exakte und schnelle Berechnung von Eigenwerten unerlässlich. Der Algorithmus verbindet die Anforderung an Exaktheit der Berechnung mit einer extrem hohen Geschwindigkeit, die für die aufwändigen Probleme der Anwender unverzichtbar ist. In dem international führenden Softwarepaket LINPACK ist inzwischen die Eigenwertberechnung nach dem Verfahren von Drmać und Veselić implementiert, damit steht die neue Methode allen Anwendern weltweit zur Verfügung.
In seinem Grußwort beschrieb Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer die wissenschaftlichen Arbeiten Veselićs an der FernUniversität, ging aber ebenso auch auf den Menschen ein. Der physikalische Schwerpunkt des Mathematikers Krešimir Veselić ist heute eher selten. Sein Schwerpunkt ist auch heute noch die numerische Berechnung von Eigenwerten. Diese Berechnungen finden Anwendungen in Physik, Technik und Sozialwissenschaften. Diese Arbeiten haben den Veselić, sein damaliges Lehrgebiet und natürlich auch die FernUniversität in der ganzen Fachwelt bekannt gemacht.
Das Festkolloqium endete mit dem Vortrag „Zuverlässigkeit gegen Geschwindigkeit – ein kleiner Schritt vorwärts in der Matrizenrechnung“ von Krešimir Veselić
Hinter dem „Eigenwert” verbergen sich vielfältige Sicherheitsaspekte bei allem, was schwingen kann. Treffen Luftbewegungen, Strömungswellen, Erdbeben und andere externe Resonanzen den Schwingungseigenwert z. B. von Flugzeugflügeln, Stromfreileitungen oder Kühlsystemrohren, kann es zu gefährlichem Aufschaukeln kommen. Das ist auch bei Brücken möglich, z.B. wenn viele Menschen im Gleichschritt darüber marschieren. Deshalb werden an physikalischen Systemen entsprechend berechnete Schwingungsdämpfer angebracht. Besonders gefährdet sind Rohrleitungen, etwa in Kühlsystemen: Der ständige Durchfluss verursacht durch Schwingungen Materialermüdungen und -brüche.
Um solche gefährliche Schwingungen zu vermeiden werden die Eigenwerte der entsprechenden Medien mathematisch berechnet. Dabei haben sich Krešimir Veselić und sein Lehrgebiet einen international hervorragenden Ruf erworben.Bei der Berechnung des Eigenwerts mit Computern treten systembedingt geringste Fehler pro Rechenvorgang auf. Die Fehlerfortpflanzung muss mathematisch kontrolliert werden, um Gefahren rechtzeitig abwehren zu können. Dies ist immer noch das Spezialgebiet von Krešimir Veselić. Als sein Vorbild sieht Veselić den 1711 nahe Dubrovnik geborenen Rudjer Boskovic: Mathematiker, Mechaniker, Astronom, Optiker, Naturphilosoph, Literat, Diplomat – ein universeller Geist und „Brückenbauer“.1979 kam Krešimir Veselić an der FernUniversität, er lebt in Hagen. Er ist Deutscher geworden und Kroate geblieben, auch zum Nutzen der FernUniversität: 19 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler hat er zur Promotion geführt, davon waren sieben Kroaten, die jetzt z. T. in ihrer Heimat Professoren sind.
Das Festkolloqium endete mit dem Vortrag „Zuverlässigkeit gegen Geschwindigkeit – ein kleiner Schritt vorwärts in der Matrizenrechnung“ von Krešimir Veselić.
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