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Aktuelles - April 2010

Aufbauarbeit für die Psychologie

FernUni-Psychologe Prof. Miller wird 65

Der Plan sah eigentlich ganz anders aus: Aus der Wirtschaft kommend wollte Rudolf Miller in den 1970ern nur einen kurzen Abstecher zur Uni machen, um dort zu promovieren. „Mein Modellversuch in Duisburg und die Aufbauarbeit in Hagen waren aber so spannend, dass ich es ganz vergessen habe, wieder in die Wirtschaft zu gehen.“ Seit 1979 ist apl. Prof. Dr. Miller an der FernUniversität, am 1. April feiert er seinen 65. Geburtstag.

Apl. Prof. Dr. Miller Apl. Prof. Dr. Miller

Prof. Dr. Helmut Lück, der bereits in Duisburg Millers Doktorvater war, hatte den jungen Wissenschaftler damals nach Hagen geholt. „Aufgrund meiner eigenen Biografie interessierte mich die Klientel in Hagen brennend: Menschen, die neben dem Beruf studieren: Das ist eine faszinierende und förderungswürdige Sache“, blickt Miller zurück.

Er selbst hatte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt und anschließend Wirtschafts- und Sozialwissenschaft studiert. Parallel dazu hatte der in der damaligen Tschechoslowakei Geborene und in Ostwestfalen Aufgewachsene jedoch bereits sein Interesse für die Psychologie entdeckt. Daher war klar, dass er zu einem sozialpsychologischen Thema promovieren wollte. Die Promotion musste jedoch erst einmal warten, da Miller nach dem Volkswirtschafts-Diplom eine Stelle bei Ford in Köln annahm. Als geschäftsführender Projektleiter eines Studienreformprojekts an der Gesamthochschule Duisburg realisierte er berufsbegleitend die Doktorarbeit.

In den ersten Jahren an der FernUni führte Miller unter anderem ein Forschungsprojekt zur Lebenssituation von Fernstudierenden durch. Parallel habilitierte er sich und leistete gemeinsam mit seinem Chef Prof. Lück Aufbauarbeit in der Psychologie: „Ich denke, man kann schon sagen, dass wir die Psychologie in Hagen aufgebaut haben. Wir haben das Kerninstitut entwickelt und unter anderem den Magisterstudiengang Soziale Verhaltenswissenschaften eingerichtet.“ Millers Forschungsschwerpunkt lag damals in der Umweltpsychologie, unter anderem war er Mitglied im Arbeitskreis „Umweltbewusstsein und umweltgerechtes Verhalten“ im Wissenschaftszentrum des Landes Nordrhein Westfalen.

Weitere Arbeitsschwerpunkte Millers sind die Sozialpsychologie der Zeit und die interkulturelle Kommunikation. In zwei großen Drittmittelprojekten untersuchte er für das Ministerium für Arbeit und Soziales die Integration von Asylbewerbern in NRW und für das nordrheinwestfälische Wohnungsbauministerium die Integration von türkischen Mitbewohnern in einem Stadtteil von Castrop-Rauxel. Zudem leitete er in der Ukraine die Tempus-Tacis Projekte INDUSTMENT (Industrial Relations and Personal Management) und HUREMA (Human Ressources Management), in denen er einen viersemestrigen Weiterbildungs-Master für Führungskräfte an fünf ukrainischen Universitäten aufbaute. 2005 erhielt er hierfür die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Charkow: „Ich habe mich immer für die Bildungsreform und die Chancengerechtigkeit eingesetzt. Die Auszeichnung in Charkow hat mich sehr berührt.“ Durch die Gründung des Nachrichtenblatts „Geschichte der Psychologie“ und der daraus hervorgehenden Fachzeitschrift „Psychologie und Geschichte“ hat Miller zudem gemeinsam mit Prof. Lück Hagen als ein Zentrum für die Geschichte der Psychologie etabliert.

Bei allem, was Prof. Miller in seiner wissenschaftlichen Karriere geleistet hat, bleibt er dennoch bescheiden: „Wissenschaft ist immer Teamarbeit: Ich habe mich immer als Teamplayer verstanden.“ Zum 31. März ist er aus dem Hochschuldienst ausgeschieden. Der FernUni bleibt er jedoch weiterhin erhalten: „Ich fühle mich dem Magisterstudiengang Soziale Verhaltenswissenschaften und den Studierenden sehr verbunden und verpflichtet. Per Lehrauftrag führe ich diesen noch weiter.“ Zudem verfasst er derzeit ein Buch über die Klassiker der Wirtschaftspsychologie und freut sich bereits jetzt auf gemeinsame Reisen mit seiner Frau.

Carina Mette | 01.04.2010
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