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Aktuelles - April 2010

Forscher mit Praxisbezug, Lehrer aus Berufung: „Wenn Sie mich brauchen, bin ich dabei!“

Versprechen von Prof. Wilhelm Rödder beim Eintritt in den Ruhestand

Die Vorträge, mit denen der Rektor der FernUniversität in Hagen, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, und der Dekan ihrer Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Prof. Dr. habil. Thomas Hering, als Laudatoren das wissenschaftliche Werk von Prof. Dr. Wilhelm Rödder würdigten, waren so, wie der Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Operations Research, es liebt und vorlebt: akademisch und gleichzeitig humorvoll pointiert, in klaren Worten und unmissverständlichem Deutsch. So hatte der Hagener Wissenschaftler – ebenso wie zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, frühere und heutige Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Weggefährten im Publikum – seine Freude an dem Akademischen Festakt zu seinen Ehren. Gleichzeitig waren am 26. März jedoch auch Anflüge von Wehmut nicht zu übersehen.

FernUni-Video zur Abschiedvorlesung von Prof. Wilhelm Rödder




1991 kam Wilhelm Rödder aus Hamburg zur FernUniversität...

Oder, wie Prof. Hering es nannte: Er wurde von der Alster an die Lenne als Nachfolger des renommierten Wissenschaftlers Prof. Dr. Dr. Tomas Gal „abgeworben“. Kennzeichnend für seine Forschungsarbeiten war, so der Dekan, dass seine Modelle in der Praxis anwendbar sind. Damals hatte er sich bereits intensiv mit „Wissensbasierten Systemen“ auseinander gesetzt. In Hagen wandte er sich verstärkt der interdisziplinären Forschungsrichtung „Probabilistische Wissensverarbeitung“ zu. Das System SPIRIT, das in diesem Zusammenhang entstand, wird in der Praxis zur Unterstützung (menschlicher) Entscheidungen eingesetzt. SPIRIT steht für „Symmetrical Probabilistic Intensional Reasoning in Inference Networks in Transition“. Die hierbei entwickelten Softwareprodukte sind für Anwender aus Ökonomie, Medizin, Technik und Kriminalistik höchst interessant.

Seine Studierenden profitierten davon, dass Rödder durch und durch akademischer Lehrer aus Berufung ist: „Es ist schön, in Seminaren auf junge Leute zu treffen, denen ich über unser hervorragendes Lehrmaterial hinaus Wissen vermitteln kann“, zitierte ihn Rektor Hoyer. Zu erkennen, welches Thema zu jemandem passt, begeisterte ihn einfach. Die Forschung liebt er ebenso wie die Lehre, förderte seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.Seinen Berufsweg begonnen hatte der Diplom-Mathematiker aus Remscheid am 1. Dezember 1968 an der RWTH Aachen als wissenschaftlicher Assistent von Prof. Dr. Hans-Joachim Zimmermann (der zu der feierlichen Verabschiedung nach Hagen kam). Parallel hierzu absolvierte er ein wirtschaftswissenschaftliches Aufbaustudium und promovierte 1972 zum Dr. rer. pol. Von 1972 bis 1978 war er Akademischer Rat und Oberrat an der RWTH. Dann verließ er Deutschland, um von 1979 bis 1983 als „Professor Titular“ an der brasilianischen Universidade Federal de Santa Catarina tätig zu sein. Anschließend nahm er seine Tätigkeit als Akademischer Oberrat an der RWTH wieder auf, habilitierte sich dort für Operations Research und wurde 1985 Privatdozent. 1988 berief ihn die Universität der Bundeswehr in Hamburg zum Professor.

Rektor Prof. Helmut Hoyer überreicht Prof. Wilhelm Rödder die Urkunde zur Entlassung aus dem Dienst der FernUniversität Rektor Prof. Helmut Hoyer überreicht Prof. Wilhelm Rödder die Urkunde zur Entlassung aus dem Dienst der FernUniversität

Parallel zu seinen in zahlreichen Publikationen dokumentierten wissenschaftlichen Arbeiten in Deutschland nahm er auch immer wieder Kurzzeitdozenturen im Ausland wahr: mehrfach in Brasilien, in Panama, Honduras und Costa Rica, in der VR China. Gerade nach Mittel- und Südamerika unterhielt er immer enge Kontakte.

An der FernUniversität engagierte Rödder sich von 1998 bis 2002 in der Kommission für das damalige Universitätsrechenzentrum und nachfolgend bis 2008 im Board für Medien und IT. Vorsitzender der Gleichstellungskommission war er von 2002 bis 2004, anschließend wurde er für den Zeitraum 2004 bis 2010 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Die Interessen der Fakultät vertrat er als Dekan von 1992 bis 1994 und als Prodekan von 1994 bis 1996.

In seinen Dankesworten unterstrich Wilhelm Rödder u.a., dass vieles von dem Lob seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zukomme. Schließlich gehörte der intensive Gedanken- und Wissensaustausch mit ihnen zum Lehrstuhlleben. Durch seine aktive Mitarbeit in den Gremien wollte er einiges von dem Guten zurück geben, dass andere durch Engagement ihm zugute kommen ließen.

Dem Rektor gab der zukünftige Emeritus das Versprechen, auch weiterhin mit Rat und Tat der FernUniversität zur Seite zu stehen: „Wenn Sie mich brauchen, bin ich dabei!“

Die Feier schloss nach seiner Abschiedsvorlesung „Nachricht, Information, Wissen, Schluß & Handlung – eine modelltheoretische Analyse“ mit der Überreichung der Urkunde zur Verabschiedung aus dem aktiven Dienst der FernUniversität und der Übergabe von Rödders „gesammelten Werken“ an den scheidenden Professor: Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten keine Mühen gescheut, um ihm mit der gebundenen mehrbändigen Sammlung seiner Aufsätze und Artikel ihren Dank auszudrücken.

Prof. Wilhelm Rödder (2. v. re.) und seine Gatting mit Rektor Prof. Helmut Hoyer (re.), Dekan Prof. Thomas Hering (li.) und Prof. Hans-Joachim Zimmermann, bei dem Rödders Berufsweg an der RWTH Aachen 1968 begann Prof. Wilhelm Rödder (2. v. re.) und seine Gattin mit Rektor Prof. Helmut Hoyer (re.), Dekan Prof. Thomas Hering (li.) und Prof. Hans-Joachim Zimmermann, bei dem Rödders Berufsweg an der RWTH Aachen 1968 begann
Gerd Dapprich | 01.04.2010
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