Rubriken

Aktuelles - Juli 2010

In 17 Tagen von Singapur über Jakarta nach Sumatra

„Viel gelernt und wichtige Eindrücke für das Studium gesammelt“

Illustration
Die Organisatoren Prof. Wendt (3.v.r.) und Dr. Jürgen G. Nagel (2.v.l) mit der Exkursionsgruppe, den Diakonissenschwestern Nuria und Ria (links neben Prof. Wendt) und weiteren Mitarbeitenden eines Krankenhauses, das aus der Mission entstanden ist. Die Organisatoren Prof. Wendt (3.v.r.) und Dr. Jürgen G. Nagel (2.v.l) mit der Exkursionsgruppe, den Diakonissenschwestern Nuria und Ria (links neben Prof. Wendt) und weiteren Mitarbeitenden eines Krankenhauses, das aus der Mission entstanden ist.

In 17 Tagen von Frankfurt nach Singapur über Jakarta nach Sumatra und zurück: Auf die Exkursion „Kolonialismus und Mission in Niederländisch-Indien“ hatte sich Eva Langenmair, FernUni-Studentin im Masterstudiengang Europäische Moderne: Geschichte und Literatur, ebenso wie ihre 23 Kommilitoninnen und Kommilitonen im Vorfeld mit zwei Präsenzseminaren in Wuppertal und Hagen vorbereitet. Anschließend beschäftigten sich alle intensiv mit einem der dort angesprochen Themen. Schwerpunkte waren: Die Phase der niederländischen Handelskompanie, der niederländische Kolonialismus, die Missionsgeschichte und die Nachbarkolonialmächte Portugal und England. In Form von Referaten stellten sie ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen an den jeweiligen Orten und „Schauplätzen“ ihre Ergebnisse und Erkenntnisse vor. Exkursionen dieser Art sind Teil des didaktischen Konzepts des Lehrgebiets Neuere Europäische und Außereuropäische Geschichte, das diese Reise nach Südostasien geplant und vorbereitet hatte, wie des Historischen Instituts der FernUniversität in Hagen überhaupt.

Stationen der Exkursion

Die Organisatoren Prof. Dr. Reinhard Wendt und Dr. Jürgen G. Nagel hatten die Stationen der Exkursion themenspezifisch aufgeteilt. Einige Beispiele: In Jakarta ging es um die Phase der niederländischen Ostindienkompanie. Dort standen unter anderem ein Besuch im Nationalarchiv und eine persönliche Begrüßung durch den Direktor an. Im Norden von Sumatra, in Medan, der drittgrößten Stadt Indonesiens, hat sich die Gruppe mit dem niederländischen säkularen Kolonialismus beschäftigt.

Überwältigt waren sowohl die Lehrenden wie die Studierenden auch von dem Empfang, der sich ihnen an der Universität von Medan bot. Prof. Wendt, der im vergangenen Jahr zur Planung der Reise dort war und seitdem in engem Kontakt mit Dr. Ichwan Azhari von der Uni Medan steht, und die Studierenden wurden mit einem großen Willkommens-Plakat mit dem Logo der FernUniversität begrüßt. Geplant ist, dass Azahri im September zum Gegenbesuch nach Hagen kommt. Im Gespräch mit ihm hatte die Gruppe Gelegenheit, Fragen zum Kolonialismus, der Mission und der Batak-Identität – die Batak sind indigene Bewohner Sumatras – zu diskutieren.

In der Gegend um den Lake Toba, etwa 150 km südlich von Medan, stand dann das Thema „Mission“ im Vordergrund. Dort besuchte die Gruppe unter anderem eine theologische Hochschule, Kirchen und Denkmäler und nahm an einem Pfingstgottesdienst teil. In einem Krankenhaus, das aus der Mission entstanden ist, trafen sie die zwei über 80-jährigen Diakonissenschwestern Nuria und Ria, die vor gut 50 Jahren in Deutschland (Kaiserswerth) ausgebildet worden sind.

Mit einem großen Plakat mit FernUni-Logo wurde die Gruppe an der Universität von Medan begrüßt. Mit einem großen Plakat mit FernUni-Logo wurde die Gruppe an der Universität von Medan begrüßt.

Vorstellung versus Realität

.„Wir hatten jeden Tag von 9 bis 19 Uhr volles Programm, das war schon sehr anstrengend. Dafür habe ich aber auch unglaublich viel gelernt und Eindrücke gesammelt, die für mein weiteres Studium enorm wichtig sind“, sagt Eva Langenmair. „Wir haben schnell festgestellt, dass unsere Vorstellungen und die Realität nicht immer zusammengepasst haben. Dass in Indonesien Temperaturen von über 30 Grad bei gleichzeitiger Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent herrschen, wussten wir natürlich. Wie sehr diese Witterungsbedingungen den Körper aber belasten, das muss man am eigenen Leib erfahren.“ Prof. Dr. Reinhard Wendt nennt ein weiteres Beispiel: „Wir hatten in der Vorbereitung lange und häufig darüber gesprochen, dass durch die Medienberichterstattung der Eindruck entsteht, in Indonesien könne der fundamentalistische Islam die Oberhand gewinnen. Tatsächlich sind wir diesem Problem gar nicht begegnet. Im Gegenteil: In vielen Gegenden klappt das Zusammenleben verschiedener Religionen sehr gut, das haben uns auch Einheimische immer wieder bestätigt. Das heißt natürlich nicht, dass es diese Schwierigkeiten nicht gibt, aber die Medien berichten eben nur über gewisse Ausschnitte einer tatsächlich viel komplexeren Wirklichkeit.“

Über die "Kultobjekte der Batak zwischen Mission, Kunst und Kommerz" berichtete Beate Hansen in ihrem Referat, das sie in einem Museum in Samosir hielt.

Referate themenbezogen vor Ort gehalten

Und genau das, so Wendt, sei ein sehr wichtiger Erfahrungsaspekt, den die Studierenden nur vor Ort machen können. Michael Clerc, Student im Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften, bestätigt das: „Ich hatte mich in meinem Referat mit der Geschichte Jakartas, dem ehemaligen Batavia, beschäftigt und hatte ganz andere Bilder vor Augen als die, die sich dort heute bieten. Die Stadt war früher wesentlich kleiner, ganz anders gebaut und hatte eine völlig andere Zusammensetzung von Einwohnern.“ Einzelne öffentliche Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wie das alte Rathaus und Lagerhäuser könne man zwar noch besichtigen, aber „die gehen natürlich heute dort total unter“. Die Idee, dass die Teilnehmenden ihre Arbeitsbeiträge vor Ort vorgetragen haben, findet der in der Schweiz wohnhafte Informatikprojektleiter sehr gut. „Es macht einfach Sinn, zum Beispiel ein Referat über die VOC (Vereinigte Niederländische Ostindien-Kompanie) und den Ostindienhandel in einer ehemaligen Lagerhalle der VOC zu halten. Eindrücke und historische Hintergründe können so eindrucksvoll verknüpft werden.“

Hinweis für Interessierte: Alle Referate der Studienreise sind in einer Exkursionsmappe zusammengefasst. Diese kann in der Bibliothek der FernUniversität in Hagen, Universitätsstraße 23, 58097 Hagen, eingesehen werden.

Manuela Feldkamp | 12.07.2010
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de