„Der Lehrstuhl ist genau auf mich zugeschnitten“, freut sich Prof. Dr. Kerstin Tillmanns. Seit 1. September ist sie an der FernUniversität in Hagen für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Rechtsvergleichung zuständig. Zuvor war sie bereits Professorin in Konstanz und in Augsburg. „Hier kann ich wesentlich besser meinen Forschungsinteressen nachgehen“, fügt sie hinzu.
Prof. Dr. Kerstin Tillmanns
Die Forschungsschwerpunkte der 42-Jährigen sind Arbeitsrecht, Schuldrecht und Sozialrecht. Tillmanns: „Europäisches Arbeitsrecht ist vor allem das Diskriminierungsrecht beziehungsweise Anti-Diskriminierungsrecht. Es regelt, dass beispielsweise die Religion, das Alter oder das Geschlecht bei der Besetzung von Stellen nicht zu Diskriminierung führen dürfen.“ Ein hoch aktuelles Thema. Schließlich haben sich vor wenigen Wochen erstmals mehrere deutsche Arbeitgeber bereiterklärt, an einem Modellprojekt mit anonymisierten Bewerbungsverfahren teilzunehmen.
Auch das Thema Sozialrecht betrachtet Tillmanns aus einer europäischen Perspektive: „Die EU-Staaten haben verschiedene Sozialsysteme. Hier stellt sich die Frage, wie diese koordiniert werden können. Das wird besonders wichtig wenn ein Arbeitnehmer eine Stelle in einem anderen Land der EU antritt.“ Beim Schuldrecht befasst sich Tillmanns vor allem mit Störungen bei der Vertragsabwicklung und ihren rechtlichen Folgen. „Hier geht es um die Grundlagen unseres Vertragsrechts“, erklärt sie.
Genauso wie auf die Forschung an der FernUniversität freut sich die Rechtswissenschaftlerin auch schon auf die besondere Art der Lehre: „In fünf Jahren Vorlesungsbetrieb habe ich viel gelernt. Die Materialien schriftlich aufzubereiten, ist jetzt eine ganz neue Herausforderung für mich.“ Der Kontakt zu den Studierenden war Tillmanns immer sehr wichtig. In ihren Vorlesungen habe sie daher besonderen Wert darauf gelegt, die Studierenden persönlich anzusprechen: „Ich habe sie auch gerne provoziert, um sie aus der Reserve zu locken. Da muss ich erst einmal ausprobieren, wie sich das in der Fernlehre am besten umsetzen lässt.“
Studiert hat Kerstin Tillmanns an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Université de Genève. Ihre Dissertation schrieb sie an der Universität Freiburg. Von 1998 bis 2004 war sie wissenschaftliche Assistentin am Forschungsinstitut für Sozialrecht der Universität zu Köln. Aus dieser Zeit kennt sie bereits ihre Hagener Kollegen Prof. Dr. Barbara Völzmann-Stickelbrock und Prof. Dr. Ulrich Wackerbarth. „Wir haben uns etwa zur gleichen Zeit in Köln habilitiert. Beide haben mir sehr positiv über die FernUniversität berichtet. Das war natürlich noch einmal ein Grund mehr, hierhin zu wechseln“, erzählt Tillmanns. 2005 übernahm sie eine Lehrstuhlvertretung an der Technischen Universität Dresden. 2007 wurde sie in Konstanz zur Professorin ernannt. Vor ihrem Wechsel nach Hagen hatte sie für zwei Jahre einen Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handels-, Arbeits- und Wirtschaftsrecht an der Universität Augsburg inne.
Von Korschenbroich am Niederrhein pendelt Tillmanns nach Hagen. In ihrer Freizeit steht die Familie im Vordergrund – sie ist verheiratet und hat eine zweijährige Tochter. Aber auch der Sport darf bei der Juristin nicht zu kurz kommen: „Bei gutem Wetter fahren wir zum Beispiel viel Fahrrad. Da können wir unsere Tochter wunderbar mitnehmen.“
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