Mit ihrem ersten internationalen Kongress hat die Europäische Gesellschaft für frühneuzeitliche Philosophie e.V. ESEMP eine Gesamtschau auf kulturelle Fundamente unserer europäischen Identität begonnen. Der Kongress „Aufbruch ins moderne Europa – Philosophie zwischen 1400 und 1700“ untersuchte Weichenstellungen der Frühen Neuzeit in unsere moderne Welt – Konfliktlinien, die damals wie heute diskutiert werden.
Zur Eröffnung vor bereits großem Publikum dankte Prof. Dr. Hubertus Busche, Präsident der ESEMP und Professor im Lehrgebiet Philosophie I an der FernUniversität in Hagen, zunächst den Sponsoren. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Thalia Buchhandelsgruppe, WAZ-Mediengruppe, die Stiftung Mittelsten Scheid und Prof. Dr. Hans-Joachim Langmann für Merck sowie die Gesellschaft der Freunde der FernUniversität e.V. stellten zum Teil erhebliche Beträge zur Verfügung. Schirmherr der Konferenz war der Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Andreas Pinkwart.
Die Sponsorenbeiträge waren nötig für den „Initialkongress einer Gesellschaft, die bisher nur aus Worten bestand“, so Busche. Auf Initiative seines Lehrgebiets hatte sich die ESEMP im Jahr 2004 mit Geldern aus dem Forschungsförderpreis der FernUniversität gegründet. Ihre erste Tagung organisierte die Gesellschaft gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen.
Dr. Michael Schmidt (Innovationsministerium NRW) betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Forschung für den Wandel der Metropolregion Ruhr. „Zukunft braucht Herkunft“ zitierte er den Philosophen Gadamer: Der Blick auf die Philosophie der Frühen Neuzeit verschaffe Orientierung auch für unsere Gesellschaft.
Es habe sich gelohnt, den Forschungsförderpreis der FernUniversität für die Gründung der ESEMP zu vergeben, betonte auch FernUni-Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer. Die Initiative und ihr erster Kongress zeigten, dass ein Bedarf bestehe nach geisteswissenschaftlicher Spitzenforschung.
Für das KWI erklärte PD Dr. Friedrich Jaeger. „Wir brauchen ein Verständnis von der Entstehung Europas, das über die nationalen Forschungstraditionen und die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen hinaus geht.“
Für die Deutsche Gesellschaft für Philosophie sprach ihr Präsident Prof. Dr. Dr. h. c. Carl Friedrich Gethmann ein Geleitwort. In der Frühen Neuzeit habe die Gesellschaft ihre Sicherheiten verloren: Die Gewissheit, dass die Welt außerhalb des mediterranen Raumes endet, die Einheit des Glaubens im gesamten Abendland. Selbst- und Weltverständnis der Menschen veränderten sich mit den wissenschaftlichen Fortschritten der Zeit. Es folgten Aufklärung, Wissenschaft und Humanismus: „Genau das ist es, was wir heute Europa nennen“, folgerte Gethmann.
Prof. Busche ging in seinem programmatischen Vortrag zur Kongresseröffnung auf die Gründungsgeschichte und die Absichten der ESEMP ein: Ihre Idee sei es, die fundamentalen Veränderungen in der Frühen Neuzeit in einer europäischen Perspektive und losgelöst von strikten Fächergrenzen zu untersuchen. Die Themen des Kongresses nähmen auf Veränderungen in der Weltanschauung, den beginnenden Kapitalismus, Individualisierungstendenzen und wissenschaftliche Fortschritte in der Frühen Neuzeit Bezug. „Mit ihrem Ansatz, eine ganze Epoche und ganz Europa zu betrachten, füllen die ESEMP und dieser Kongress eine weltweite Lücke. Erst die Makroperspektive öffnet uns den Blick für übergreifende Phänomene wie die Entwicklung des Kapitalismus“, betonte Busche.
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