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Wohin treibt die Gesellschaft?

Stiftungsprofessor Holger Lengfeld stellte sich in Coesfeld vor

Für Coesfeld, für das Studienzentrum der FernUniversität im WBK, dem Zentrum Wissen Bildung Kultur, war es ein wichtiges Ereignis: Dr. Holger Lengfeld, Ende letzten Jahres neu berufener Professor auf die Ernsting´s family-Stiftungsprofessur für Soziologische Gegenwartsdiagnosen, stellte sich am Standort des Stifters vor. Seinen Eröffnungsvortrag „Wohin treibt die Gesellschaft? Soziologische Gegenwartsdiagnose in Coesfeld“ nutzte Lengfeld, um den zahlreich erschienen interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern aus Coesfeld und aus Hagen eine Perspektive für seine wissenschaftliche Arbeit an beiden Standorten aufzuzeigen.
Prof. Holger Lengfeld (Mi.) mit dem Stifter-Ehepaar Ernsting

Der Rektor der FernUniversität in Hagen, Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, nannte die Coesfelder Stiftungsprofessur der Familie Ernsting etwas Besonderes für die FernUniversität. Denn sie ist die erste Professur, die eine gelebte Verbindung zwischen einem Studienzentrumsstandort und der FernUniversität herstellt. Hoyer: „Das ist eine innovative Idee für Coesfeld und für die FernUniversität.“ Und es ist ein Verdienst der Stifterfamilie Lilly und Kurt Ernsting, freute sich Coesfelds Bürgermeister Heinz Öhmann.

An einem aktuellen Beispiel, der Debatte um die Existenz einer Unterschicht in Deutschland, gab Holger Lengfeld in seinem Vortrag einen kleinen Einblick in die Leistungsfähigkeit seines soziologischen Fachgebietes: „Soziologie will die gesellschaftliche Wirklichkeit möglichst genau und treffsicher beschreiben.“ Und sie wolle die Ursachen für diese gefundene Wirklichkeit aufzeigen.

Anhand des Schichtungsmodells des Soziologen Rainer Geißler wies er nach, dass acht bis neun Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Die Frage sei also nicht, ob es dieses so genannte Prekariat gebe, sondern wie es den Menschen dieser Gruppe gehe und wie sich ihre Lebensbedingungen über die Jahre verändert haben. Insbesondere die Entwicklung der Haushaltseinkommen in den reichsten und ärmsten Schichten in den letzten 20 Jahren offenbare, dass der Unterschied immer größer geworden sei, und zwar vor allem aufgrund unterschiedlicher Bildungschancen.

Soziologische Gegenwartsdiagnosen wollen wichtige gesellschaftliche Probleme aufspüren, resümierte Lengfeld. Sie wollen ihre Entwicklung aufzeigen, ihre Ursachen darlegen und den Prozess wissenschaftlich dokumentieren. Wo es möglich ist, können die Wissenschaftler auch eine Prognose für die kommende Entwicklung formulieren.

Der Stiftungslehrstuhl ist an der FernUniversität und damit in Hagen angesiedelt. Er hat aber auch ein wichtiges Standbein in Coesfeld. Holger Lengfeld hat bereits viele Pläne, wie diese Verankerung mit Leben gefüllt werden soll. Zum Beispiel will Lengfeld „wissenschaftliche Ergebnisse unserer Forschung einer breiten Öffentlichkeit vorstellen, etwa in der Reihe Coesfelder Vorlesungen zur Soziologie“ und mit einem „Markt der Wissenschaft“ in der Coesfelder Innenstadt im Frühjahr 2008. Lehrangebote soll es im WBK ebenfalls geben, auch Forschungsworkshops.

Susanne Bossemeyer | 08.05.2007
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