Rubriken

FernUni-News - Berichte

„Wir müssen noch viel mehr verändern“

Wolfgang Clement sprach zum Auftakt der „Lüdenscheider Gespräche“

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Lüdenscheider Gespräche“ hatte das Institut für Geschichte und Biographie in Lüdenscheid – seit März unter der Leitung von apl. Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch – einen hochkarätigen Gast eingeladen: Wolfgang Clement referierte im Roten Saal des Kulturhauses in Lüdenscheid aus eigener biografischer Perspektive über die Gestaltung und den Verlauf der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik zwischen 1989 und 2005.

In diesen 16 Jahren aktiver Tätigkeit in der Politik auf Landes- und Bundesebene hat der Ehrendoktor der FernUniversität in Hagen viele Veränderungsprozesse miterlebt und mitgestaltet – zuerst als Minister für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr (1995-1998) und als Ministerpräsident in NRW (1998-2002), dann von 2002-2005 als Super-Minister für Wirtschaft und Arbeit in der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder.

Als wichtige unter ihm angestoßene Entwicklungen in der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik in NRW sieht er z. B. die Förderung von Schlüsseltechnologien, insbesondere im Gesundheitssektor, sowie den Ausbau der Flughäfen – den „letzten großen Jobmotoren“. Als seine „bitterste Niederlage“ bezeichnete er sein Scheitern beim Versuch, den Transrapid ins Ruhrgebiet zu holen.

Auch auf die durch die Globalisierung hervorgerufenen Veränderungen ging der Wirtschaftsexperte ein. Stets eindeutig und präzise stellte er seine Standpunkte vor: China, Indien und Russland seien die neuen Wirtschaftssupermächte, die bis 2020 die Rangliste der mächtigsten Industrienationen verändert haben werden. China werde dann hinter den USA auf dem zweiten Platz liegen, gefolgt von Japan, Deutschland, Großbritannien, Russland und Indien, glaubt der Ex-Minister, der jetzt freiberuflich für verschiedene Unternehmen tätig ist.

Von der derzeitigen Regierung fordert er weitere Reformen und Anstrengungen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit. „Die Lokomotive muss in Gang gehalten werden, die Langzeitarbeitslosigkeit muss angegangen werden“, appellierte er. Dabei zentral sind für ihn Qualifizierung bzw. Bildung und lebensbegleitendes Lernen. „Wir müssen noch viel mehr in Bildung und Weiterqualifizierung investieren“, ist der Ex-Politiker überzeugt, „vor allem in die Bildung von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf, denn das sind sonst die Langzeitarbeitslosen von morgen.“

So empfahl er der Großen Koalition auch, sich um Lösungen für die immer offenkundiger werdenden Qualifizierungsprobleme der nachfolgenden Generationen zu bemühen, anstatt ununterbrochen über Mindestlöhne zu diskutieren.

Sein Schlusswort enthielt dementsprechend eine Aufforderung zur aktiven Gestaltung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse sowie zur Reflexion festgefahrener Denkkategorien: „Es muss noch viel mehr in unserer Gesellschaft verändert werden, wir müssen kreativer werden, uns mehr vernetzen und vor allem festgefahrene Denkkategorien überwinden.“

Gesche Quent | 03.12.2007
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de