Ein noch junges Thema ist mobiles Lernen. An der FernUniversität in Hagen hat es aber bereits Tradition: Bereits Ende 2006 fand hier die erste Veranstaltung unter dem Titel „Mobile Learning Day“ statt. Am 19. November 2009 gab es eine Fortsetzung. Die Forschungsgruppe Mobile Learning der FernUniversität in Hagen durfte über 100 Gäste begrüßen und freute sich über die aktive Unterstützung der 10 Aussteller in der begleitenden Fachausstellung. Dieses Jahr stand die Veranstaltung mit ihren zahlreichen Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Ausstellung und Workshops im Fokus der drei Schwerpunkte „universitäre”, „arbeitsprozessnahe” und „internationale” Projekte im Umfeld von Mobile Learning.
Prof. Dr. Claudia de Witt, Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik im Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung, begrüßte gemeinsam mit Peter Krauss-Hoffmann von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ziel der Veranstaltung war es, Experten und Interessenten aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen und Erfahrungen mit mobilen Bildungsangeboten auszutauschen. Sie vergaß nicht, ihrem Mitarbeiter, dem Wirtschaftswissenschaftler Maciej Kuszpa, als Organisator der Veranstaltung, zu danken.
Mobile Learning ist für Prof. de Witt schon kein Schlagwort mehr, sondern dürfte nach ihrer Einschätzung mit ernsthaften technologischen Entwicklungen und didaktischen Innovationen verbunden sein. Mit mobilen Endgeräten zu lernen kann z.B. erhebliche Bedeutung im Rahmen betrieblicher Weiterbildungen gewinnen, die dieses Medium zusätzlich zur Vertiefung und Erweiterung von Lerninhalten innerhalb bestehender Blended-Learning-Arrangements nutzen. In der Folge ist möglicherweise ein positiver Einfluss auf die Optimierung der Gesamtabläufe im Betrieb zu erwarten, der bereits heute bei der Nutzung mobiler Geräte zwecks Informierens erkennbar ist.
Das Ziel bei der Entwicklung von Mobile Learning darf es für die Hagener Forscherin nicht sein, bestehende E-Learning-Angebote eins zu eins auf mobile Technologien zu überführen: „Vielmehr muss eine neue Lernarchitektur entworfen werden, innerhalb derer Mobile Learning seine Stärken ausspielt und so ein umfassendes, den jeweiligen Lernbedingungen angepasstes Angebot entstehen zu lassen.“ Daher stelle Mobile Learning neue Anforderungen an die Gestaltung von Lerneinheiten, die aus der Charakteristik der Basistechnologie ebenso wie aus den Nutzungsbedingungen resultieren. Dabei ist z.B. zu bedenken, dass die Displays erheblich kleiner sind und bleiben. Die Eingabemöglichkeiten sind begrenzter als beim PC. Die Übertragungsraten setzen der medialen Darstellung auf mobilen Geräten Grenzen. Die Lerneinheiten müssen kurz und modular sein, weil Mobile Learning meist in kurzen Phasen (z.B. Wartezeiten) genutzt wird und werden soll.
Das „FlinK“-Projekt der FernUni-Lehrgebiete Psychologie des Erwachsenenalters (Fakultät Kultur- und Sozialwissenschaften) und Organisation und Planung (Wirtschaftswissenschaft) präsentierte sich beim Mobile Learning Day
Für Lernprozesse eignen sich aus technischer Hinsicht Handys, Smartphones, PDAs, PocketPCs und E-Book-Reader, bedingt auch Netbooks, Mini-Notebooks, TabletPcs, Navigationsgeräte, portable MP3- und Video-Player. Aktuelle technologische Trends, die auch beim M-Learning zum Einsatz kommen können, gehen in Richtung QR-Codes, Microblogging, Geo-tagging, RFID, Mini-Beamer und Augmented Reality.
Lässt sich aber mit einem mobilen Endgerät – wie einem Handy – wirklich lernen? Prof. de Witt: „Es leuchtet ein, dass über das Handy aktuelle Informationen abrufbar sind – aber komplexe Lernprozesse?“ Das scheine derzeit noch fast unmöglich zu sein.
Dieser Mobile Learning Day 2009 fand im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „Mobile Learning – prozessbezogenes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen“ statt. Das Projekt war einer der Schwerpunkte des Veranstaltungsprogramms.
In den Veranstaltungen wurden entsprechend dem Ziel, Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zusammen zu bringen, vor allem (Hoch)Schul-Projekte zu Mobile Learning und Projekte in der beruflichen Praxis vorgestellt.
Die Veranstaltung
Zunächst leitete Prof. Dr. Nicola Döring (TU Ilmenau) den ersten Themenblock mit einem lebendigen Impulsvortrag zum Stand der Forschung und Erprobung von Mobile Learning an Hochschulen ein. Anschließend warf Prof. Dr. Marcus Specht (Open Universiteit Nederlands) einen visionären Blick auf verschiedene Anwendungen auch außerhalb der Hochschule und stellte die Initiative CELSTEC.org vor. Im Kontrast dazu berichtete Dr. Martina Henn-Sax in ihrem Vortrag über Erfahrungen mit mobilen Lernangeboten in der Oberstufe. In der abschließenden Diskussion mit den Referenten sowie Prof. Dr. Bettina Harriehausen-Mühlbauer (Hochschule Darmstadt) und der Moderatorin Dr. Annabell Preußler (Universität Duisburg-Essen) wurden Unterschiede von Mobile Learning zu anderen Lernformen ausgearbeitet und über die Gefahren eines möglichen Lernzwanges diskutiert.
Am Nachmittag eröffnete Dr. Matthias Kose (mobilinga GmbH) den zweiten Themenblock mit dem Fokus auf Mobile Learning Angebote in der beruflichen Praxis. In seinem Impulsvortrag sprach er von technischen Trends im Bereich der Mobilfunktechnologien und zeigte verschiedene Beispiele an Lernangeboten auf, z.B. wie der Geschichtsunterricht durch lokalisierungsbasierte mobile Technologien ergänzt werden kann. Im anschließenden Vortrag berichtete Ferdal Özcelik (Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) von den ersten Ergebnisse zu Mobile Learning in der Logistikbranche aus dem vom BMBF geförderten Verbundprojekt „Mobile Learning – prozessbezogenes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen”, an dem auch die Forschungsgruppe Mobile Learning an der FernUniversität in Hagen mitwirkt. Eine andere Perspektive auf das Thema Mobile Learning nahm David Penkert (digital publishing AG) in seinem Vortrag „Mobiles Sprachenlernen – interaktiv“ ein, indem er die Möglichkeiten von Lernanwendungen auf USB-Sticks präsentierte. In der abschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten sowie Reinhard Müller (KaSyX GmbH & Co. KG) und dem Moderator Uwe Weinreich (Weinreich GmbH) wurde mit den Publikum vor allem über die (Nutzungs)Kosten von mobilen Lernanwendungen und der technischen Realisierbarkeit von einigen zukünftigen Lernszenarien für mobile Geräte diskutiert.
Die thematisch abwechslungsreiche Veranstaltung schloss mit drei parallelen Workshops ab, in denen die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, sich mit bestimmten Themenschwerpunkten intensiver zu beschäftigen und mit anderen fachlich Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Zum Thema „Mobile Learning an Hochschulen“ wurde im kleinen Kreis zusammen mit Dr. Andreas Bischoff (FernUniversität in Hagen) einerseits über die Gefahren von mobilen sozialen Netzwerken im Kontext von Datenschutz diskutiert und andererseits das Thema Lokalisierung von mobilen Geräten erörtert. Der von Oliver Pincus (afelio GmbH) geleitete Workshop „Mobile Learning in der Wirtschaft“ beschäftigte sich dagegen mit den Fragen, für wen Mobile Learning letztlich sinnvoll sei und dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit von Mobile Learning insbesondere bei den Entwicklungskosten. Im dritten und von Prof. Dr. Marcus Specht durchgeführten Workshop „internationale Projekte zu Mobile Learning“ wurde über internationale Standards für mobile Bildungsangebote und über die kulturellen Unterschiede in Lerngewohnheiten vom Land zu Land gesprochen.
Die Veranstaltungsreihe „Mobile Learning Day“ wird 2010 fortgesetzt und erweitert. Am 3. und 4. November 2010 treffen sich erneut Experten und Interessierte, um sich über aktuelle Trends zu Mobile Learning zu informieren sowie über Technologien und Bildungsangebote zu diskutieren. Neben den Mobile Learning Projekten an Hochschulen und in der Wirtschaft, wird auch ein Blick auf mobile Lernanwendungen in Schulen und die Besonderheiten der Zielgruppe der Jugendlichen geworfen. Im Rahmen der begleitenden Ausstellung sowie in verschiedenen Workshops und kleineren Arbeitsgruppen können die Teilnehmer spezifische Fachgebiete tiefergehend erörtern und Erfahrungen austauschen.
Die aktuellsten Informationen zu den Mobile Learning Days 2010 stehen in Kürze hier.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de