Prof. Dr. Hubertus Busche
Die Bedeutsamkeit des heutigen Themas ist nicht erst seit der Finanzkrise über jeden Zweifel erhaben“, begrüßte Prof. Dr. Hubertus Busche, Lehrgebiet Philosophie I der FernUniversität, die Teilnehmenden des Symposiums „Philosophische Aspekte der Ökonomie“. Die Tendenz zur Ökonomisierung sei in allen Teilbereichen des Lebens nicht zu übersehen.
In über 100 Ländern fanden vergangenen Donnerstag Veranstaltungen zum UNESCO-Welttag der Philosophie statt. Wie schon im letzten Jahr hatte das Institut für Philosophie der FernUniversität in Hagen zu einem ganztägigen Symposium eingeladen. Insgesamt rund 180 Gäste, darunter rund 80 Oberstufenschülerinnen und -schüler der Hagener Gymnasien, hörten interessiert den zehn Vortragenden aus den drei Lehrgebieten der Philosophie zu.
Dr. Lutz Möller von der Deutschen UNESCO-KommissionDen hohen gesellschaftlichen Stellenwert der Philosophie betonte auch Dr. Lutz Möller von der Deutschen UNESCO-Kommission in seinem Grußwort. Oft werde er als Stellvertreter der UNESCO gefragt, warum sich eine staatliche Organisation mit Philosophie beschäftige und ob Themen wie beispielsweise der Analphabetismus und die Pressefreiheit nicht viel wichtiger seien. Möller unterstrich, dass die Philosophie keine „Esoterik“ sei, sondern „die höchste Kunst des Denkens“. Sie sei zwingend notwendig, um mit und in unserer Welt klarzukommen. Möller: „Philosophie ist kein Luxus, sondern essentieller Bestandteil von qualitativ hochwertiger Bildung.“
Prof. Dr. Annemarie Gethmann-SiefertDass Philosophie sich nicht mit wirklichkeitsfremden, sondern mit hochaktuellen Frage-stellungen beschäftigt, zeigten im Anschluss die Referentinnen und Referenten eindrucksvoll auf. So fragte Frau Prof. Dr. Annemarie Gethmann-Siefert, ob Medizin und Ökonomie „eine unheilige Allianz“ bilden oder nicht vielmehr wechselseitig voneinander profitieren. Trotz aller Spannungen zwischen dem medizinisch Notwendigen und dem ökonomisch Möglichen gewinne doch die Medizin als Gesundheitssystem auch von ihrer Ökonomisierung. „Moralisches und ökonomisches Handeln gehen hier von der gleichen Basis aus, der Ressourcenknappheit“. Im Anschluss erläuterte Prof. Dr. Jan P. Beckmann, Emeritus der FernUniversität, teils die grundsätzlichen wissenschaftlichen Unterschiede, teils die praktischen Konvergenzen von „Ökonomie und Ethik angesichts der Rationierung im Gesundheitswesen“.
Prof. Dr. em. Jan P. BeckmannDr. Bernadette Collenberg-Plotnikov zeigte in ihrem Vortrag zum Thema „Werk und Ware. Die Bedeutung des Marktes für die Kunst“, dass der Markt – trotz seiner eigenen, meist außerkünstlerischen Bewertung von Kunstwerken mit (extremen) Preisen – in der Moderne wesentlich zur Kunst und zur künstlerischen Reflexion gehört. Über „Ökonomie und Friedensforschung in philosophischer Perspektive“ sprach Prof. Dr. Hajo Schmidt. Prof. Dr. Hubertus Busche zeigte unter dem Titel „Gewinnstreben“ einen folgenschweren historischen Umbruch in der Wirtschaftsmoral auf: Während das Streben nach möglichst viel Gewinn an Geld und Gütern von der antiken Philosophie argumentativ bekämpft und vom Christentum als Dienst am Mammon diskreditiert wurde, kam es mit der Renaissance und der Frühaufklärung zu einer Nobilitierung des Gewinnstrebens, indem es durch seine segensreichen Effekte für die Mehrung öffentlichen Wohlstands gerechtfertigt wurde.
Die „Ökonomie in der frühen Neuzeit“ betrachtete Dr. Stefan Heßbrüggen-Walter wesentlich unter der Frage, wie sich der Liberalismus zunehmend von seinen paternalistischen Hintergrundvorstellungen befreite. Ansgar Lyssy, M. A., setzte sich unter dem Titel „Geld und Profanie“ mit dem Verhältnis von Religion und Kapitalismus bei Walter Benjamin und Giorgio Agamben auseinander, insbesondere mit Benjamins These, dass der Kapitalismus nicht etwa die Religion zerstöre, sondern selbst einen religiösen Kultus sowie ein Heilsversprechen enthalte.

„Rawls’ Differenzprinzip und das Problem ökonomischer Gerechtigkeit“ untersuchte Frau Dr. Elisabeth Weisser-Lohmann. Prof. Dr. Kurt Röttgers erläuterte in seinem Vortrag „Warum für eine philosophische Reflexion der Wirtschaft Ethik nicht das Wichtigste ist“ die These, dass die ethische Dimension der Wirtschaftsphilosophie nicht einfach als „Anwendung“ auf Konfliktfälle des Wirtschaftshandelns verstanden werden dürfe. Zum Abschluss der Veranstaltung nahm Röttgers’ Amtsnachfolger, Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Immanuel Kants „intellektuellen Begriff des Geldes“, dem zufolge das Geld eine notwendige Bedingung für die Quantifizierung erbrachter Leistungen unter freien Menschen in einem Rechtssystem ist, zum Anlass, um die Aufgaben der Wirtschaftsphilosophie zu skizzieren.

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