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„Cities in Balance“: Aus der Praxis in die Weiterbildung

FernUniversität ist wissenschaftliche Partnerin bei EU-gefördertem Projekt

In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern verändert sich die Altersstruktur radikal. Über die Chancen durch den demografischen Wandel wird jedoch kaum gesprochen: Viele der Älteren haben Wissen und Erfahrungen gesammelt und Kompetenzen entwickelt, die die Gesellschaft dringend benötigt. Nur: Wie überhaupt kann man diesen Schatz jetzt heben? Und wollen sie das überhaupt?

„Ja, auch ältere Menschen wollen nicht im sozialen Abseits landen“, betont Prof. Dr. Stefan Stürmer. Dafür müssen sie Teil der Gesellschaft sein, Kontakte mit Freunden und Verwandten, Jüngeren und anderen Senioren haben, mit Vereinen, sozialen Einrichtungen und sogar Unternehmen. Erleichtert bzw. ermöglicht wird ihnen das, wenn sie

  • altersgerecht wohnen

  • sich ehrenamtlich – auch über Generationsgrenzen hinweg – engagieren

  • und sich für das Ehrenamt oder eine längere Berufstätigkeit weiterqualifizieren

können. Arbeit oder Ehrenamt verbessern die soziale Einbindung, durch sie werden aber Informationen, Wissen und Qualifikationen an Jüngere weitergegeben.

Mit der Verbesserung von Lebensumständen von Senioren auf dem Wege der sozialen Einbindung befasst sich das EU-geförderte Interreg IV B-Projekt „Cities in Balance“ (CIB). Beteiligt sind von der FernUniversität die beiden Lehrgebiete Sozialpsychologie (Prof. Dr. Stefan Stürmer) und Psychologie des Erwachsenenalters (Prof. Dr. Ingrid Josephs). Weiterer Projektpartner ist Prof. Dr. Michael Klebl, bis 2010 Juniorprofessor für Computer Supported Collaborative Learning in Hagen. Die Projektleitung liegt bei der Stadt Hagen.

Die beteiligten Städte Brugge, Edinburgh, Genk, Hagen, Kaiserslautern, Leeds, Leverkusen, Southampton, Stockport und Vlaardingen haben ihre Praxiserfahrungen in eine praxisorientierte barrierefreie E-Learning-Weiterbildung einfließen lassen, die die FernUniversität als wissenschaftliche Partnerin entwickelt: „Become an ageing expert!“ Das virtuelle Trainingsmodul vermittelt kostenfrei aus erster Hand Best Practice-Beispiele an Beschäftigte der beteiligten Städte, um den demografischen Wandel zu gestalten. Aber auch andere Interessierte werden diese virtuelle Open Course-Weiterbildung nutzen können. Grundlage ist das Textbook „Become an Ageing expert! An interactive training programme for project administrators community leaders and active citizens of all ages“, das Ingrid Josephs und Stefan Stürmer zusammen mit Michael Klebl entwickelt wurde. Vorgestellt wurden die CIB-Ergebnisse und die Weiterbildung am 26. Mai beim CIB-Abschlusskongress in Hagen.

In den Workshops wurden die Ergebnisse der beteiligten Städte zu den Themen Silver Hubs, Silver Inclusion, Silver Training und Silver Economy allen Teilnehmenden vorgestellt:

  • Silver Hubs sind Orte, an denen sich Senioren und jüngere Generationen begegnen und austauschen. Der demographische und soziale Wandel, einhergehend mit weg brechenden traditionellen Familienstrukturen erfordert das Entstehen solcher Orte.

  • Silver Inclusion motiviert und unterstützt Senioren, in der Gesellschaft eine aktive und gestaltende Rolle im Austausch mit jüngeren Generationen einzunehmen. Ein erweiterter Handlungsspielraum soll ihnen ermöglichen, ihr Leben umfassend zu genießen.

  • Senioren sind für eine Silver Economy (Seniorenwirtschaft) zunehmend von Bedeutung. Sie bringen ihre Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen aus Unternehmertätigkeiten ein.

  • Im Silver Training wird ein transnationales Weiterbildungsprogramm in Seniorenfragen und Bewusstseinsbildung erarbeitet und durchgeführt. Hier werden Projekterfahrungen aus den Pilotaktionen evaluiert und in ein ganzheitliches und umfassendes Konzept integriert.

Das dreijährige Projekt endet im September 2011.

Gerd Dapprich | 09.06.2011
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