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FernUni-News - Forschung und Entwicklung

Mit geballter Kompetenz gefährlichen Krankheitserregern den Weg abschneiden

Epidemie-Kompetenzzentrum an der FernUniversität geplant

Agieren, nicht reagieren: Das ist das Ziel von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Krankheitserreger und andere biologische Gefahren in die Zange nehmen wollen, in dem sie ihre Ausbreitungswege an Computern voraus berechnen. Mit innovativen Strategien soll ein Kompetenzzentrum für „Computational Epidemiology“ die Ausbreitung von Viren und anderen gefährlichen Kleinstlebewesen vorausberechnen. Die FernUniversität in Hagen soll – wenn es nach dem Willen der Experten geht – Sitz dieses interdisziplinären Kompetenzzentrums werden und den politisch Verantwortlichen beim Katastrophenmanagement helfen. Entwickelt und erforscht werden sollen Szenarien, um herauszufinden, wie entsprechende effiziente Strukturen hierfür aufgebaut sein müssen.

Grippe, Vogelgrippe, SARS, Maul- und Klauenseuche, HIV, Bio-Terrorismus: Biologische Gefahren entwickeln sich zu der Gefahr des 21. Jahrhunderts. Schon seit mehreren Jahren kristallisiert sich eine zunehmende Gefährdung der menschlichen Gesellschaft durch biologische Bedrohungen heraus. Diese hat ihre Ursachen nicht nur in dem Auftreten neuer, bis dato unbekannter Infektionskrankheiten. AIDS ist die bekannteste, aber keineswegs einzige: Auch die Infektionskrankheit Schweres Akutes Atemwegssyndrom (SARS) wurde erst im November 2002 in China erstmals beobachtet. Neue Gefahren ergeben sich auch durch mögliche biologische Terrorangriffe oder biotechnologische „Unfälle“.

Lokale Krankheitsherde können nicht zuletzt durch die zunehmende Mobilität viel schneller zum globalen Problem werden. Auch eine sich ändernde Bevölkerungsstruktur kann die Ausbreitungsdynamik stark beeinflussen.

Gegenmaßnahmen müssen immer schneller ergriffen werden. Um die geeignete Maßnahme schnell auszuwählen, müssen zuvor Wissen und Informationen aus verschiedensten Quellen kombiniert werden. Erst dann kann exakt die Ausbreitung von Krankheiten modelliert, simuliert und analysiert werden.

An der FernUniversität ist in der Fakultät für Mathematik und Informatik bereits ein Großteil des erforderlichen Know-hows für Modellierung, Analyse und Datenhaltung vorhanden, ebenso die Basis für die erforderliche technische Infrastruktur. Deshalb sollen hier Gegenstrategien entwickelt werden.

Wie dies geschehen könnte, wurde bei dem Auftakt-Workshop „Epi-Grid“ mit mehr als zwei Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der verschiedensten Disziplinen in Hagen vom 5. bis 7. November diskutiert. Die Expertinnen und Experten aus Deutschland, den USA und Thailand stellten ihre bisherigen Arbeiten vor und fanden auch schon eine „gemeinsame Sprache“. Am Ende waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der FernUniversität, des Robert-Koch-Instituts, der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Universitäten in Tübingen, Göttingen und der Bundeswehr-Uni München sowie der FH Merseburg einig: „Wir stellen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Förderantrag!“

Mitmachen beim Epidemie-Kompetenzzentrum wollen neben Prof. Dr.-Ing. Herwig Unger, Lehrgebiet Kommunikationsnetze, Prof. Dr. Ralf Hartmut Güting, Datenbanksysteme für neue Anwendungen, Prof. Dr. Wolfram Schiffmann, Rechnerarchitektur, Prof. Dr. Jörg Keller, Parallelität und VLSI, und Prof. Dr. Jörg M. Haake, Kooperative Systeme (alle FernUniversität) Epidemiologen, Mediziner, Mathematiker, Biologen, Informatiker und Wirtschaftsinformatiker, Grafiker und Demografen. Soziologen, Kriminologen, Politikwissenschaftler und Politiker sind zur Mitarbeit eingeladen. In den USA arbeitet Prof. Armin Mikler, Ph.D. University of Texas, mit. Mikler gab den Anstoß zu der Initiative.

Der gebürtige Deutsche hat die „Computational Epidemiology“ mitbegründet: Am Computer werden die Verbreitung und das Verhalten von Krankheitserregern simuliert und ausgewertet. Dies liefert vor allem für das öffentliche Gesundheitswesen Informationen, mit denen z.B. Epidemien vorausberechnet werden können.

„Wir haben es hier nicht mit Bedrohungen in weit entfernten Ländern zu tun – durch die Mobilität sind wir alle überall betroffen“, unterstrich Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer, Rektor der FernUniversität in Hagen, beim Epi-Grid-Workshop, „dafür müssen globale Lösungen gefunden werden!“

Gerd Dapprich | 03.12.2007
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