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FernUni-News - Forschung und Entwicklung

Wissenschaft für (junge) Menschen: Schüler arbeiten Hagener Firmengeschichten auf

Mehr Lernspaß durch Eigeninitiative und Kreativität mit wissenschaftlicher Begleitung

„Wir wollen Wissenschaft für Menschen machen“ erläutert Dr. Eva Ochs, Historikerin der FernUniversität in Hagen, eines der Ziele einer dreijährigen Zusammenarbeit mit dem Hagener Albrecht-Dürer-Gymnasium. Monika Groß, Geschichtslehrerin, freut sich über „mehr Lernspaß durch Eigeninitiative und Kreativität“. Beide sind sich einig: „Unsere gemeinsame ‚Spurensuche’ macht es den Schülerinnen und Schülern möglich, historische Entwicklungen in Hagen direkt auf sich selbst zu beziehen – sie sehen dann auch die Gegenwart und ihre persönliche Situation mit anderen Augen.“ 66 Nachwuchsforscherinnen und -forscher haben mit wissenschaftlicher Begleitung von Dr. Ochs und gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung die Firmengeschichten alteingesessener Hagener Unternehmen untersucht. Entstanden ist daraus inzwischen sogar ein 24-minütiger Film.

Auch Christian Vormann, heutiger Besitzer der kleinen gleichnamigen Hagener Brauerei, stand gerne Rede und Antwort

Unter dem Titel „Spurensuche“ hatten Schülerinnen und Schüler 2005/2006 bereits die Geschichten von Hagener Industriellenfamilien recherchiert. Nach dem erfolgreichen Ende dieses Projektes arbeiteten im Schuljahr 2006/07 die beiden – damals neunten – Klassen die Geschichte der Industrialisierung Hagens auf, wieder unter dem Titel „Spurensuche“. Passend zum Jahr der Geisteswissenschaften 2007 „wurden sie so auf einfache Weise dem wissenschaftlichen Arbeiten näher gebracht, in diesem Fall dem historischen Forschen, vor allem anhand von Quellen, indem sie selbst kleine Projekte von Anfang bis Ende selbstständig entwickeln und realisierten“, erläutert Eva Ochs. Sie wollte den Schülerinnen und Schülern Geschichte näher bringen: „Wir haben Firmen besucht und in Hinterhöfe geschaut.“

Die Schülerinnen und Schüler konnten nicht nur selbst die untersuchten Firmen aussuchen, sondern auch eigenständig recherchieren, darüber Berichte verfassen und Beiträge zu dem Film leisten, der ihre Arbeit dokumentiert: „Da ist etwas anderes als bis ins Detail vorgeschriebene Aufgaben“, beschreibt Monika Groß ihre Intention. Die Lehrerin hatte die Idee zu dem zweiten „Spurensuche“-Projekt: „Meine Schülerinnen und Schüler können so Geschichte in ihrer unmittelbaren Umgebung entdecken – das erkennen, was sie selbst betrifft.“ Und das ist nicht zuletzt die Entwicklung der lokalen Wirtschaft. Für Monika Groß „gehört die Beschäftigung mit den Wurzeln der Industriegeschichte daher zu der Identifizierung mit Hagen und mit der Region. Wenn man das Woher kennt wird man die Gegenwart anders sehen.“

Ausgangspunkt der einzelnen Arbeiten war das, was heute von Unternehmen, die im 19. Jahrhundert in Hagen gegründet wurden, noch vorhanden ist. Zum Teil bestehen die Firmen auch heute noch, haben weit über die Region hinaus einen besonderen Ruf. Zwei- bis dreiköpfige Teams machten sich daran, die Historien von 24 Unternehmen zu ergründen. Die 66 jungen Forscherinnen und Forscher besuchten Hagener Stadtarchiv und Stadtmuseum, interviewten Firmenchefs und ehemalige Betriebsangehörige. Zum Teil konnten die sie sogar Informationen und Dokumente wie Firmenzeitschriften oder Festschriften aus ihren eigenen Familien einbringen: „Das erhöhte die Motivation z. T. ganz erheblich“, freut sich Monika Groß.

Gleiches gilt sicher für die Einstellung in den Unternehmen: „Alle waren sehr freundlich und offen, wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, betont die Lehrerin, „wenn auch öfters Kontaktaufnahmen einfach nicht mehr möglich waren“.

Die Ergebnisse wurden schriftlich festgehalten und bei einer Busstadtrundfahrt vorgetragen, bei der fast alle untersuchten Firmen besucht wurden.

Busfahrt und Recherchearbeiten wurden z. T von einem Filmteam des Zentrums für Medien und IT der FernUniversität begleitet. Entstanden ist dabei ein 24-minütiger Film: „Er soll einen Eindruck von den tatsächlich geleisteten Arbeiten vermitteln“, erläutert Eva Ochs, „z. B. von der Art der Recherche.“ Querschnittartig wird auch die lokale Industriegeschichte Hagens stellvertretend durch drei Firmen gezeigt: „Den Anspruch einer wissenschaftlichen Aufarbeitung einzelner Firmenhistorien erheben wir in diesem Film nicht“, betont Eva Ochs. Sie möchte ihn aber für das Bachelor-Studium Kulturwissenschaften der FernUniversität einsetzen.

Gefördert wurden die Spurensuche-Projekte, für die Prof. Dr. Reinhard Wendt die wissenschaftliche Verantwortung trägt, von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen ihres „Denkwerk“-Programms.

Ein (kleiner) Teil der Nachwuchsforscherinnen und -forscher mit Lehrerin Monika Groß, Prof. Dr. Reinhard Wendt und Dr. Eva Ochs (oben links, v. li.)
Gerd Dapprich | 26.02.2008
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