Die Freiflächen der ehemaligen Kaserne in Hemer sind für Flugversuche mit dem Blimp der FernUniversität bestens geeignet (Fotomontage)
Das Luftschiff der FernUniversität ist ein Blimp (der als „Prall-Luftschiff“ im Unterschied zum Zeppelin kein inneres Gerüst besitzt). Das Lehrgebiet PRT hat bereits ein solches Mini-Luftschiff zu einem autonom agierenden Roboter mit Webcam für Inspektionszwecke umgebaut. Für die beiden Projekte wird ein mit rund 10 Metern Länge erheblich größerer Blimp angeschafft.
Ehemalige Kaserne wird SicherheitszentrumUm die Minen zu erkennen gibt es verschiedene Verfahren, z. B. „Bakterien, die Sprengstoff ‚lecker’ finden und dabei die Minen durch Leuchtpunkte markieren“, erläutert Prof. Gerke. Der Aufwand ist notwendig, denn Metalldetektoren sind bei modernen Kunststoff-Minen wirkungslos. Ergänzend will das Hagener Lehrgebiet mit Mikrowellen-Sensoren arbeiten, um die Genauigkeit der Lokalisierung zu verbessern: Vom Blimp aus tasten sie den verdächtigen Erdboden ab. Die Mikrowellen dringen ein kleines Stück in den Boden ein, durch das Reflexionsprofil werden Unregelmäßigkeiten erkennbar. Das kann zur Detektion von nichtmetallischen Minen genutzt werden.
PRT ist dabei nicht für die Entwicklung der Sensoren zuständig, sondern bringt diese an die richtigen Stellen. Die Mikrowellensensoren können 4 bis 5 Kilogramm wiegen: „Wir können solche Lasten mit einem größeren Blimp lange genug tragen, um ganze Minenfelder abzuscannen“, so Gerke.
Allerdings sind die Luftschiffe wegen ihrer großen Flächen und geringen Massen relativ windempfindlich. Hier besteht noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf: Wie können Windeinflüsse regelungstechnisch ausgeglichen werden? Ist das klassische zigarrenförmige Luftschiff überhaupt das richtige Fahrzeug oder gibt es günstigere Bauformen? „Die Turbulenzen machen uns noch Bauchschmerzen“, gibt PRT-Wissenschaftler Dr.-Ing. Ulrich Borgolte zu. Bei der Hüllenoptimierung könnte ein Luft- und Raumfahrttechniker eine wertvolle Hilfe sein. Und bisher können Blimps auch noch nicht seitwärts fliegen. „Aber dafür sind Blimps ja leicht mit zusätzlichen Propellern zu versehen“, ist Borgolte optimistisch, „zumindest in der Theorie.“
Den Hagener Entwicklern schwebt ein neuer 10-Meter-Blimp vor: Leistungsfähige Batterien an Bord könnten zwei 700-Watt-Motoren versorgen, der Blimp wäre widerstandsfähiger gegen Wind. Ein solches 17-Kilo-Gerät könnte 7 Kilogramm Nutzlast tragen und maximal 45 km/h erreichen: „Starts im Freien sind damit kein großes Problem“, freut sich Michael Gerke. Fahren soll das Luftschiff zunächst in etwa 5 Metern Höhe: „Je näher wir am Boden sind, desto besser ist die Messgenauigkeit der Sensorik.“
Diese Gebäude wird renoviert neuer Projektstandort des Lehrgebiets PRT in Hemer
Minengelände kartographieren
Zunächst muss das Luftschiff die Minen suchen und deren GPS-Daten in eine vorhandene Geländekarte eintragen. Das Kartographieren des Geländes kann auch eine Aufgabe des PRT-Blimps sein. Doch das Minensuchen ist nur ein Ziel des Projekts, ein zweites ist die Qualitätssicherung. Dafür gibt es sogar UN-Richtlinien. Nach dem Verbrennen der Sprengkörper durch das Kettenfahrzeug mit Laserkanone muss der Blimp mit einer geeigneten Sensorik – z.B. einer Kamera – prüfen, ob tatsächlich alle Minen zerstört sind.
Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Sicherheitsbranche waren anwesend, als der Bürgermeister der Stadt Hemer Michael Esken (vorne, grauer Anzug) einen symbolischen Schlüssel für das zukünftige Sicherheitszentrum überreichte. Hinter dem Bürgermeister stand auch Prof. Dr.-Ing. Michael Gerke, FernUni-Lehrgebiet PRT
Waldbrandbekämpfung von oben
Einiges von den Entwicklungen und Erfahrungen aus dem Minenräumprojekt kann beim zweiten Projekt „Waldbrandbekämpfung“ nützlich sein: Ein Ketten-Löschfahrzeug soll mit einer Löschkanone Wasser mit extrem hohem Druck superfein verteilt auf Brandherde und -nester sprühen. Der Blimp wird bei diesem System in die Luft gebracht, wenn Löschkräfte anrücken, um Gefahrensituation zu erkennen und die Lage während der Brandbekämpfung aufzuklären. Während der nächsten zwei bis drei Tage soll er Brandnester entdecken, entweder mit einer Wärmebildkamera oder mit der Mikrowellensensorik, die selbst durch Baumkronen hindurch bis ins Unterholz „blicken“ kann.
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