Rubriken

FernUni-News - Forschung und Entwicklung

Mehr Spaß als beim Fragebogen-Ausfüllen: Spielen zum Wohl der Wissenschaft

Mitspieler für Promotionsstudie über „Limbische Charaktere“ an der FernUniversität gesucht

Kann man vom Charakter eines Menschen auf sein Verhalten bei einem Spiel schließen? Lassen sich vielleicht sogar Rückschlüsse ziehen, die für das Marketing interessant sein können? Mit dieser Frage befasst sich Dipl.-Ing. Coskun Akinalp in seiner Promotionsarbeit am Lehrgebiet Kommunikationsnetze (Prof. Dr.-Ing. habil Herwig Unger) der FernUniversität in Hagen. Für seine Studien benötigt er noch Interessierte, die – natürlich anonym – zum Wohl der Wissenschaft an einem kleinen Spiel teilnehmen. Es dauert nicht länger als das Ausfüllen eines – zugegeben – umfangreichen Fragebogens, macht aber mehr Spaß: http://www.limbic-elfarol.de

Coskun Akinalp ist parallel zu seiner externen Promotion an der FernUniversität Mitarbeiter eines Beratungsunternehmens, das Unternehmen der Telekommunikationsbranche in den Feldern Strategie, Organisation und Technologie berät. Er beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit Fragen danach, wie man die Emotionen eines Menschen beurteilen bzw. ob man die emotionalen Eigenschaften betrachten kann, um daraus das Verhalten vorherzusagen.

Was die Wissenschaftler aus dem Spiel ableiten wollen, erläutert Prof. Herwig Unger: „Es geht um die Auswirkung von Charakteren bei der Wahl von Strategien und damit die Folgen für das Spielergebnis von Gruppen von Spielern.“

Dies ist ein ganz moderner Ansatz, der zurzeit z.B. im Rahmen der Churn Prediction für Telekommunikationsunternehmen verwendet wird: Dabei handelt es sich um die Voraussetzung für erfolgreiches Halten von Kunden. Bevor eine entsprechende Aktion gestartet wird, muss ein TK-Unternehmen natürlich auf der Basis einer Voraussage abschätzen können, welche Kunden ihm den Rücken kehren wollen. Sind diese Zielgruppen bekannt kann das Marketing Maßnahmen ergreifen, um die Kunden zum Bleiben zu bewegen. Ein im heutigen extremen Wettbewerb um Kunden unabdingbares Werkzeug. Darüber hinaus sind die Aussagen z.B. auch für das Warenmanagement/Purchasing auf Basis emotionaler Produkte, die Angebotssteuerung für Kunden auf der Basis ihrer emotionalen Charaktere oder das Verhalten in Kommunikationsnetzen interessant.

Die Forschung hat das Ziel, im Rahmen des Emotional Computing das Verhalten von Menschen zu modellieren, um Vorhersagen treffen zu können. Akinalp: „Dabei zeigt die Komplexität des Menschen immer wieder neue Grenzen auf und stellt die Modelle in Frage.“ Sein Ansatz ist der über die „Limbischen Charaktere“, bei dem die Gruppierung der verschiedenen menschlichen Eigenschaften aus Sicht des Marketings betrachtet wird. Dabei geht es um die Parameter Balance, Dominanz und Stimulans.

Diese drei „limbischen Instruktionen“ bilden den Rahmen des menschlichen Verhaltens, so Akinalp: „Alles was wir tun, aber auch unsere Werte und Ziele setzen sich aus den Mischungen dieser drei Instruktionen zusammen und finden in der so genannten Limbic-Map ihren Platz.“ Zudem erlauben sie es, strukturierte Untersuchungen durchzuführen:

  • Die Balanceinstruktion steht für Sicherheit, Konstanz und Stabilität.
  • Die Dominanzinstruktion steht für Verdrängung, Durchsetzung, Macht, Status, Territorium und Autonomie.
  • Die Stimulanzinstruktion steht für neue Reize, Abwechslung, Neugier und Risikolust.

Mit diesem Ansatz, der von Dr. Hans-Georg Häusel in seinem Buch „Think Limbic“ erläutert wird (möglicherweise wurde der Ansatz aber auch schon 1952 von McLean entwickelt), will Akinalp untersuchen, „in wieweit der Ansatz des Marketing sich auf die Vorhersagen nutzen lässt“.

Im Lehrgebiet Kommunikationsnetze wurde ein Forschungsprojekt gestartet, das versucht diese Frage zu untersuchen und zu beantworten. Mit Hilfe eines Webspiels sollen Daten der limbischen Charaktere gesammelt und das Spielverhalten betrachtet werden. Auf der Webseite www.limbic-elfarol.de wird der Charakter mit einem Fragebogen ermittelt und darauf hin das Minoritäten-Spiel „El-Farol“ gespielt. In diesem Spiel muss jeder Teilnehmer mit 100 anderen zu einem Zeitpunkt entscheiden, ob er die Bar „El-Farol“ besucht oder nicht. Sind mehr als 50 Besucher in der Bar, ist diese überfüllt. Die Personen, die sich nicht für die Bar entschieden haben, erhalten eine Auszahlung. Sind weniger als 50 Besucher in der Bar, so erhalten die Teilnehmer in der Bar eine Auszahlung. Der Gewinn pro Spieler berechnet sich aus der Gesamtsumme der Spieler durch die Anzahl der Minoritätsspieler.

Gerd Dapprich | 10.09.2009
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de