Vergleichen, daraus Erkenntnisse ziehen, auf diese Weise Phänomene erklären und die Erklärung dann wiederum überprüfen: So geht Wissenschaft. Gleichzeitig ist die vergleichende Politikwissenschaft eine Teildisziplin des Fachs Politikwissenschaft. Das Verhältnis dieser Teildisziplin zur Methode des Vergleichs nahm deshalb Dr. Rainer Eising in seinem Habilitationsvortrag unter die Lupe. Eising, wissenschaftlicher Assistent am Lehrgebiet Staat und Regieren, vertritt derzeit die Professur für Europäische Studien an der Universität Jena. Sein Habilitationsvortrag an der FernUniversität in Hagen skizzierte einen Anspruch an die „Vergleichende Politikwissenschaft im 21. Jahrhundert“.
|
Studiert hat Eising in Konstanz, Massachusetts und New York. Er arbeitete an den Universitäten Mannheim und Halle, bevor er im Jahr 2000 ans Institut für Politikwissenschaft der FernUniversität in Hagen wechselte. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Vertretung politischer Interessen im Geflecht der unterschiedlichen Politik-Ebenen in der Europäischen Union.
In seinem Habilitationsvortrag wagte er eine grundsätzliche Klärung dessen, was vergleichende Politikwissenschaft leistet. Sie will – wie andere Wissenschaftszweige – über Vergleiche zu Erkenntnissen gelangen. Kennzeichnend daran ist aber, dass verallgemeinerbare Erklärungen für spezifisch politische Fragen gesucht werden, während beispielsweise Vergleiche in der Geschichtswissenschaft oft nicht über die jeweiligen Fallstudien hinausweisen. Politik definierte Eising dabei nach Easton breit als die verbindliche Allokation von Werten. Die Untersuchungsgegenstände sind folglich weit gestreut; in den Blick genommen werden ganze politische Systeme ebenso wie spezifische Entscheidungsprozesse oder bestimmte Politikfelder.
Ziel ist es, eine Analyse zu schaffen, deren Erkenntnisse auch Erklärungen liefern für vergleichbare, aber eben nicht untersuchte Fälle. Studien können so auch Empfehlungen für erfolgreiche oder effiziente politische Strukturen und Prozesse produzieren, betonte Eising.
Ob wenige oder viele Fälle verglichen werden, ob der Vergleich mit quantitativen oder qualitativen Methoden arbeitet, wie stark die Untersuchung auf verallgemeinernden Klassifikationen und Typologien aufbaut, dies alles hängt vom Untersuchungsgegenstand ab: Wie wichtig es ist, für jede Fragestellung das richtige Untersuchungskonzept zu definieren, zeigte Eising mit eindrücklichen Beispielen.
Mit der Verflechtung der Politikebenen in Europa, aber auch durch die Globalisierung verschieben sich zudem die Perspektiven: Prozesse in unterschiedlichen Staaten sind nicht mehr immer voneinander unabhängig, machte Eising deutlich. Was in einem europäischen Staat entschieden wird, kann in einem anderen ganz ähnlich sein: Weil darüber beispielsweise die Politik der EU steht. Die vergleichende Forschung muss folglich Wechselwirkungen in den Blick rücken – und im 21. Jahrhundert auch vom Nationalstaat als einziger Bezugsgröße für Vergleiche Abstand nehmen. Nur dann kann sie Politik tatsächlich erklären, folgerte Eising.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de